Gericht sicher: Umgefallene Kerze entfachte wohl Brand des Bauernhauses 

Das Kantonsgericht hat einen 38-jährigen Mann aus Herisau verurteilt. Es sei erwiesen, dass er fahrlässig das Feuer verursacht hat, durch welches ein Bauernhaus vollständig niedergebrannt ist.

Astrid Zysset
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Das alte Bauernhaus brannte komplett nieder. (Bild: PD)

Das alte Bauernhaus brannte komplett nieder. (Bild: PD)

Eine «Verkettung unglücklicher Umstände», nannte es der Einzelrichter in seinem Urteil  am Kantonsgericht. Stichfeste Beweise, die gegen den Angeschuldigten sprachen, gab es nicht. Es war ein reiner Indizienprozess. Dennoch gelte es als sehr wahrscheinlich, dass der 38-Jährige das Feuer ausgelöst hatte, fand der Richter.

Rückblick: Am frühen Morgen des 23. November 2017 brach bei einem Wohnhaus an der Nieschbergstrasse in Herisau ein Brand aus. Beim Eintreffen der Feuerwehr gegen vier Uhr in der Frühe stand das alte Bauernhaus in Flammen. Personen kamen nicht zu Schaden, doch das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Gesamtschaden: über eine Million Franken. Einer der Bewohner war der Angeschuldigte. Er gab an, zur Tatzeit auf einem nächtlichen Spaziergang gewesen zu sein. Der Verteidiger wandte vor Gericht ein, dass von einem «Spaziergang» nicht die Rede sein konnte. Sein Mandant irrte vielmehr stundenlang umher. Zuvor hatte er sich mit seiner Freundin gestritten, in der Wut seine DJ-Musikanlage zertrümmert und Unmengen an Alkohol getrunken. Voraussichtlich um die 2.2 Promille dürfte sein Blutalkoholwert zu der Zeit, als das Feuer ausbrach, betragen haben.

Brandursache blieb unklar

Brandstiftung wurde von den Ermittlern schnell ausgeschlossen. Das Feuer brach im ersten Obergeschoss, in der Wohnung des Beschuldigten, aus. Und zwar entweder im Wohnzimmer, der Küche oder im Bad. Genau liesse sich dies nicht bestimmen. Auch die genaue Brandursache blieb unklar. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass beim Zerstören der Musikanlage eine Kerze umgekippt oder Teile der Anlage zu nahe an die Flamme geraten waren. So oder so: Der Angeschuldigte habe den Brand fahrlässig verursacht. Die Verteidigung argumentierte, dass das Feuer auch durch einen technischen Defekt der Elektroanlagen hätte zustande kommen können. Das Haus war alt, die Anlagen marode – deren letzte Überprüfung fand zwar just ein paar Monate vor jener Novembernacht statt, doch auszuschliessen sei ein technisches Versagen nicht, argumentierte die Verteidigung. Der Angeschuldigte selbst äusserte sich kaum zur Tatnacht. Er könne sich an vieles nicht mehr erinnern. Lediglich das Zertrümmern der Musikanlage sei ihm noch präsent. Gegen zwei Uhr dürfte er die Wohnung verlassen haben. Stundenlang sei er anschliessend umhergeirrt. Um fünf Uhr in der Früh wurde er von einem Feuerwehrmann beobachtet, wie er sich an eine Strassenlaterne klammerte. Gegen sechs Uhr erschien der 38-Jährige dann am Brandplatz, noch immer alkoholisiert. Und verletzt, da er einen Steilhang heruntergefallen war.

Zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt

Die Verteidigung forderte einen Freispruch. Die Schuld des 38-Jährigen sei nicht bewiesen worden. Der Einzelrichter folgte jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft und befand den Mann für schuldig, fahrlässig eine Feuersbrunst verursacht zu haben. Dass ein technischer Defekt genau in jenem rund zweistündigen Zeitfenster zwischen dem Verlassen der Wohnung und dem Eintreffen der Feuerwehr stattgefunden hätte, sei zu unwahrscheinlich. Das Gericht verurteilte den Angeschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 70 Franken, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Zusätzlich muss der 38-Jährige eine Busse von 500 Franken und die Kosten des Verfahrens bezahlen.