Eine Hommage an die Grosseltern

Am Samstag hat die Zürcherin Susanna Schwager eine Lesung aus ihrem neusten Buch «Ida» im «Rössli» Mogelsberg gehalten. In diesem Buch schrieb die Autorin Geschichten auf, die sie über ihre Grossmutter gesammelt hat.

Andrea Perks
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Mogelsberg. Frühlingshaft in ein buntes Blumenkleid gekleidet, schwebte Susanna Schwager um 19.50 Uhr in den Dachraum vom «Rössli» Mogelsberg. Alles an ihr schien leicht und entspannt. Freundlich begrüsste sie ihre Gastgeberin Bernadette Danuser, Leiterin der Bibliothek in Hemberg. Die Organisatoren dieses Anlasses waren die Bibliotheken Hemberg, Brunnadern und Mogelsberg, sowie die Vortrags- und Lesegesellschaft Toggenburg. Als die Autorin darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die Lesung eigentlich auf 19.30 Uhr angesetzt war, verlor sie keine Zeit mehr, ging auf die Bühne, sass an den mit Kerzen geschmückten Tisch und entschuldigte sich bei den rund vierzig Anwesenden für das Missverständnis. Ihrem musikalischen Begleiter Pascal Steiner blieb keine Zeit mehr, um sich umzuziehen. Er begann umgehend, die Lesung mit sanften Gitarrenklängen einzuleiten.

Die Geschichte der Grossmutter

Die Geschichte begann mit einer Beerdigung. Johann, Fussgänger, Hilfswaldarbeiter, Schrebergärtner, Stadtrandmarschierer und 63 Jahre mit Ida verheiratet, lag im Sterben. Zusammen hatten sie sechs Kinder, eines starb jedoch an Leukämie. Das machte die Ida, deren Namen viele genussvolle Bedeutungen hat, von denen sie keine erfüllte, hart und abweisend. Sie wäre lieber ins Kloster gegangen als zu heiraten, deshalb sah man sie nie ohne ihren Rosenkranz. Trotz der Frömmigkeit liebte die Erzählerin und Enkelin ihre Grossmutter. Sie liebte ihr modriges Birnbrot mit viel Butter bestrichen, liebte es wie sie das Ruchbrot bekreuzigte und deren abgeschabte Heiligenfiguren. Feinfühlig und liebevoll wurde der Lebensweg dieser gläubigen Frau, die anderen ihren Glauben nicht aufzwang, über fast ein Jahrhundert hinweg aufgeschrieben.

Neues Buch im Frühling

«Ida ist eine Hommage an die Grosseltern väterlicherseits», sagte Susanna Schwager. «Ich nahm die Geschichten, die man mir erzählte und machte eine neue daraus. Das Leben ist sicher irgendwo dazwischen.»

Nach «Fleisch und Blut» und die «Frau des Metzgers» hat Susanna Schwager mit «Ida» ihren dritten biographischen Roman zu Papier gebracht, in einer Sprache, die wie Honig in den Fingern zerfliesst, süss und klebrig, und die manchmal auch wie Seide knistert.

Ihr neustes Werk ist in Arbeit und handelt diesmal vom «Halben Leben». Nach den beiden Büchern «Das volle Leben», in denen Frauen und Männer über achtzig erzählen, lässt sie auch junge Leute zu Wort kommen und Männer unter vierzig ihre Geschichten erzählen.

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