Eine haarige Angelegenheit

Lang, schwarz, grau, kurz, gelockt, braun, dicht, aschblond, kraus, licht, halblang, wasserstoffblond, rot, gefärbt, gerade, blond, dünn, fein, voluminös: Haare.

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Bild: Martina Basista

Bild: Martina Basista

Lang, schwarz, grau, kurz, gelockt, braun, dicht, aschblond, kraus, licht, halblang, wasserstoffblond, rot, gefärbt, gerade, blond, dünn, fein, voluminös: Haare.

Ja, die Haarpracht – vor allem die von Frauen: eine Sache für sich. Die eine glättet ihre Locken mittels chemischer Substanzen oder mit Hilfe eines Glätteisens; die andere behilft sich eines Lockenstabs, damit bald Zapfenlocken, wie man sie aus den Sissi-Filmen kennt, bis auf ihre Schultern fallen.

Ich will meine Haarpflege vereinfachen und schneide meine Haare kurz. Die Psychologie sagt, dass der Entscheid zur Kurzhaarfrisur einer Frau ein Hinweis auf (finanzielle) Probleme der Coiffeur-Kundin sei. Wobei man sich fragen muss, ob ein neuer Haarschnitt Probleme löst – vor allem die finanziellen.

Klar ist aber, dass lange Haare gut gepflegt werden müssen, und das kostet Geld. «Mit flüssigen Haarbauteilen und 19 Wirkstoffen» wirbt der Hersteller auf der Verpackung der Haarkur, die vor mir auf dem Spiegelkasten steht, bereit zur Anwendung. Der Effekt des angeblichen Wundermittels wird anhand von zwei Bildern veranschaulicht. Ob ich mit diesem Mittel die richtige Wahl getroffen habe, kann ich nicht genau sagen, denn das Regal im Supermarkt mit Haarpflegeprodukten war gross, sehr gross. Alle zu testen und auf ihre Qualitäten – kleiner Zeitaufwand, einfache Anwendung, Preis und Wirkung – zu prüfen, würde einige Jahre dauern, und in der Zwischenzeit wären etliche neue, innovative Kuren, Öle, Shampoos und Pflegespülungen ins Regal gekommen.

Für die werben gutaussehende Models in schlecht synchronisierten Werbespots. Ihre Frisuren halten dank Haarspray, -wachs und -schaum jedem Wetter stand. Mit einer lässigen Kopfbewegung lassen sie ihre Haarpracht derart elegant fliegen, dass ich mir denke: «Das will ich auch.» Doch meine Haare sind kurz, sie müssen zuerst einmal so lang werden. Das braucht Zeit und viel Geduld, und der Gang zum Coiffeur wird nötig, damit sich die Haare weder zweiteilen noch irgendwo zwischen Ansatz und Spitze entzweibrechen. Je länger die Haare, desto teurer der Termin beim Coiffeur. Daher immer wieder der leicht besorgte Blick auf die Spitzen: «Hat's schon wieder <Gäbeli>? Muss ich die Haare schon wieder schneiden?» Frauen werden das verstehen.

Ich fahre manchmal durch meine inzwischen lang gewordenen Haare. «Wären sie doch kurz», denke ich mir. – Was ich will, das habe ich nicht, und was ich habe, das will ich nicht. Es ist zum Haare raufen.

Antonia Baumgartner