«Eine grosse Freude und Genugtuung»: Das Departement Bau und Volkswirtschaft Ausserrhoden hat die Abbruchbewilligung für den alten Bahnhof Trogen aufgehoben

Die Gemeinde soll das Interesse am Schutz des Trogener Bahnhofs zu wenig gewichtet haben, argumentiert das kantonale Departement.
Moritz Flury, einer der namhaftesten Gegner der Abbruchpläne, spricht sich jetzt für eine Neugestaltung des Bahnhofareals aus, die mit dem Erhalt des alten Gebäudes vereinbar ist.

Miguel Lo Bartolo
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Für viele Trogner schützenswert: Das alte Bahnhofsgebäude datiert aus dem Jahr 1903.

Für viele Trogner schützenswert: Das alte Bahnhofsgebäude datiert aus dem Jahr 1903.

Bild: Hanspeter Schiess (März 2019)

Für die Rekurrenten ist es ein Erfolg auf ganzer Linie, für die Gemeinde ein Rückschlag. Anlässlich der öffentlichen Versammlung vom Mittwochabend hat die Gemeinde Trogen zwei Rekursentscheide des Departements Bau und Volkswirtschaft Ausserrhoden zum Neubauprojekt Bahnhof kommuniziert. Der alte Bahnhof Trogen soll demnach vorerst nicht abgerissen werden. Das Baugesuch wurde gemäss Gemeindemitteilung «zur Neubeurteilung an die Baubehörde zurückgewiesen».

Im Mai 2019 entschied sich der Gemeinderat gegen eine Unterschutzstellung des alten Bahnhofsgebäudes. Dabei wurden gemäss der damaligen Mitteilung die wirtschaftlichen, verkehrstechnischen und gesellschaftlichen Anliegen höher gewichtet als die künstlerischen und historischen.

Mit diesem Entscheid waren viele Trogner nicht einverstanden. In der Folge kam es zu zahlreichen Einsprachen und Rekursen, in denen sowohl die Nichtunterschutzstellung als auch die Interessenabwägung des Gemeinderates angeprangert wurden (siehe Kasten). Moritz Flury, stellvertretender Leiter der kantonalen Denkmalpflege St. Gallen, war bei den nun erfolgreichen Rekursen federführend.

Einsprache um Einsprache

(mlb) Der im September 2017 gegründete Verein «Alter Bahnhof Trogen» setzt sich für eine «sanfte und sorgfältige Neugestaltung des alten Bahnhofes und seiner Umgebung» ein. Im Oktober erfolgte die erste Einsprache, welche die Abweisung des Baugesuchs der Appenzeller Bahnen beantragte. Bis August 2018 forderte der Verein mehrere Gutachten, bis sich im Oktober die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission und die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege seiner Auffassung anschlossen. Nachdem sich der Gemeinderat Ende Januar 2019 gegen eine Unterschutzstellung des Bahnhofs entschied, legte der Verein erneut Rekurs ein. Die Gemeinde wies indes sämtliche Einsprachen ab, sodass der Verein schliesslich deren Interessenabwägung anzweifelte.

Die detaillierte Geschichte finden Sie hier

«Eine grosse Freude und Genugtuung»

Gemeindepräsidentin Dorothea Altherr verzichtete am Freitag auf eine Stellungnahme zu den Entscheiden des kantonalen Departements. Ihre Begründung: Die Gemeinderatssitzung steht kommenden Dienstag an. Dann werde man sich im Plenum detailliert mit der Thematik befassen.

Moritz Flury, stellvertretender Leiter kantonale Denkmalpflege St. Gallen.

Moritz Flury, stellvertretender Leiter kantonale Denkmalpflege St. Gallen.

Bild: PD

Hochstimmung herrscht derweil bei Moritz Flury: «Es ist eine grosse Freude und Genugtuung, dass der Kanton das baukulturelle Erbe den privatwirtschaftlichen Interessen nicht von vornherein unterordnet.» Ausserdem zeige der Entscheid des Departements auch, dass es sich lohne, sich privat und als Verein für ein öffentliches Interesse einzusetzen. Der Bahnhof sei materielle, greifbare, erlebbare Geschichte. Flury ergänzt:

«Er erzählt, dass Trogen seit 120 Jahren eine Bahn hat, und dass Trogen zur Jahrhundertwende eine Tourismusdestination war.»

Er sei deshalb als Kernpunkt des um 1900 entstanden Ensembles an der Speicherstrasse zu sehen, das genauso zur Identität von Trogen gehöre wie der barocke Kern. Flury misst ihm ausserdem einen «hohen Eigenwert als reich geschmückter, authentisch erhaltener Bau» an.

In der grundsätzlichen Idee einer Neugestaltung des Bahnhofareals sieht Flury kein Problem, solange sie denn mit dem Erhalt des historisch wertvollen Bahnhofgebäudes vereinbar sei.

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