Eine Glocke für die Schule Krinau

KRINAU. Die Schule Krinau konnte sich in dieser Woche einen langgehegten Wunsch erfüllen: Eine eigene Schulhausglocke aus Bronze. Eingebettet in einen Projekttag wurde diese direkt vor Ort und unter Mithilfe der Schüler hergestellt.

Nadine Rydzyk
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Störgiesser Peter Glasbrenner füllt das geschmolzene Metall in die Form. (Bild: Thomas Geissler)

Störgiesser Peter Glasbrenner füllt das geschmolzene Metall in die Form. (Bild: Thomas Geissler)

«Da es ein seit längerer Zeit gehegter Wunsch war, eine Schulglocke, die zu unserer ländlichen Schule passt, anzuschaffen, wurde die Idee geboren, eine eigene herzustellen. Das Gesamtthema «Glocke» beziehungsweise «Bronzeguss» ist Bestandteil unseres Unterrichtes bis zu den Sommerferien», erläutert Primarschullehrer Rolf Bösch.

Also hatte man den Stör-, oder Wandergiesser Peter Glasbrenner nach Krinau eingeladen, der mit seiner mobilen Ausrüstung ins Toggenburg kam und hier mit Unterstützung vom ortsansässigen Glockenfan und «Glockendoktor» Max Bretscher gemeinsam mit den Schulkindern einen erlebnisreichen Projekttag gestaltete, an dessen Ende eine eigene Schulglocke stand.

Glockengiessen auf Tour

Als wahrscheinlich der europaweit letzte seiner Zunft, kann Peter Glasbrenner «an praktisch jedem Ort Glocken, Gedenktafeln oder Skulpturen giessen», wie er erklärte. Dabei wendet er das modernere, aber ebenfalls schon rund 500 Jahre alte Sandgussverfahren an. «Die Form wird aus einem Gemisch von Quarzsand und Bindemittel hergestellt, das stark verdichtet besonders stabil ist. In diese Form wird die auf rund 1100 Grad erhitzte Bronze gegossen, wie sie auch für grosse Kirchenglocken verwendet wird», erklärt der Fachmann. Dieses Verfahren eigne sich besonders gut, weil bis auf den eigentlichen Guss auch Laien und Kinder gut an der Entstehung mitwirken können. Der im wahrsten Sinne brenzligste Moment des Glockengusses wurde am Dienstagabend mit der interessierten Dorfgemeinschaft und einer Stärkung in der Festwirtschaft gefeiert. «Selbstverständlich wollten wir auch noch die Eltern, Geschwister, die Bewohnerinnen und Bewohner und Interessierte an diesem Anlass teilhaben lassen», so Rolf Bösch. So konnte man miterleben, wie die Bronze über zischender Flamme auf Temperatur gebracht, der Tradition entsprechend vor dem Guss ein segnendes Gebet gesprochen und das heisse Metall schliesslich in seine neue Form gegossen wurde. Am Mittwochmorgen konnte schliesslich das Ergebnis begutachtet und die Glocke aus der Form geschlagen werden. Mit einem ungefähren Klang eines c'''', rund vier Kilogramm Gewicht und einem Durchmesser von 20 cm musste sie nun noch entgratet, gereinigt und mit ihrem Klöppel versehen werden. Diesen spendete spontan Schulratspräsident Norbert Stieger, der dafür wiederum mit einer eigens gegossenen Einhorn-Bronze-Figur überrascht wurde. Die insgesamt 39 Krinauer Schulkinder waren dabei aktiv in den Prozess der Schulglockengestaltung einbezogen, wie Peter Glasbrenner erklärte: «Alle Kinder, die alt genug waren, haben eine eigene kleine Glocke angefertigt. Dies waren 19. Alle kleineren Kinder haben bei der Formung der grossen Schulglocke mitgeholfen und den Sand verdichtet.» Neben dem Formen, dem Buchstabensetzen und dem Sand-Stopfen wurde der Projekttag noch mit Malen, Geschichten, einem Glockenumzug, einem Film und «Glockenspielen» in der Turnhalle thematisch begleitet. Entsprechend begeistert waren die Kinder.

Konzentriert und begeistert

Aber auch Peter Glasbrenner fand nur lobende Worte. «Alle haben sehr konzentriert und begeistert mitgemacht. Wir hatten den ganzen Tag sehr viel Spass», lässt er wissen. Spass werden nun nicht nur die Kinder an den Ergebnissen des Projekttages haben. Denn fortan wird in Krinau die bronzene Schulglocke den Unterricht und die Pausen einläuten.

Und auch auf die Frage, was sie mit ihren kleinen Glöckchen anstellen wollen, herrscht schelmische Einigkeit bei den Mädchen und Buben: «Damit werden wir am Sonntagmorgen die Eltern wecken», erklären sie lachend. Das Glockengiessen in Krinau wird also noch klangvoll nachhallen.