Herisauer Autorin schreibt eine Flüchtlingsgeschichte mit Happy End

Ursula Häberli hat ein Buch zur Problematik der Migration verfasst. Es handelt von einem Liebespaar aus Eritrea, das im Appenzellerland heimisch wurde.

Karin Erni
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Ursula Häberli hat nach der Pensionierung Kurse für Asylbewerber geleitet.

Ursula Häberli hat nach der Pensionierung Kurse für Asylbewerber geleitet.

Bild: Karin Erni

Die Heilpädagogin Ursula Häberli aus Herisau hat sich einen Namen als Autorin von Erziehungsratgebern gemacht. Dass sie in ihrem neuesten Buch «Ausgeliefert» über die Flüchtlingskrise schreibt, habe mit persönlicher Betroffenheit zu tun, so die 77-Jährige. «Ich habe nach meiner Pensionierung Kurse für Integration und Konversation für Flüchtlinge erteilt. Dabei ist mir ein junger Mann aus Eritrea aufgefallen, der extrem motiviert und wissbegierig war.» Dawit, so sein Name, habe ihr zu verstehen gegeben, dass er unbedingt eine Berufslehre absolvieren wolle. Doch dafür musste er zuerst gut Deutsch lernen. «Kein leichtes Unterfangen, denn damals mussten Deutschkurse privat oder über Stiftungen finanziert werden», erinnert sich Häberli. Sie habe besagtem Asylbewerber den Kurs zum B1-Zertifikat aus der eigenen Tasche bezahlt und ihn auch jahrelang persönlich begleitet.

«Ich war und bin überzeugt, dass es sich lohnt, in die Bildung dieser Menschen zu investieren. Wenn Migranten einen Beruf lernen und für ihr Leben selber aufkommen können, fallen sie später den Sozialwerken nicht zur Last.»

Von der vielfach geäusserten Hoffnung auf die «zweite Generation», die hier aufwächst und von allen Bildungsangeboten profitieren kann, hält Häberli wenig. «Die Startchancen dieser Kinder sind von Anfang an massiv schlechter als jene von Schweizer Eltern, denn sie erhalten weniger Unterstützung zu Hause.» Ausserdem bestehe immer die Tendenz, dass sich Angehörige fremder Kulturen wegen der Sprachbarriere von der Gesellschaft abschotteten.

Berufslehre in einem Betrieb in Heiden

In ihrem Buch erzählt Ursula Häberli die Geschichte von Dawit und seiner erfolgreichen Integration in der Schweiz. Dawit war nach längerem Militärdienst von Eritrea in den Sudan geflüchtet und hatte dort Arbeit gefunden. Als er während seiner Zeit im Militär mit einer Wunde am Auge keine Medikamente erhielt, war er erschöpft und verzweifelt: Er desertierte und sah keine andere Möglichkeit mehr, als sich auf die Reise Richtung Europa zu machen, da ihm in Eritrea eine drakonische Strafe drohte. Er wurde in der Schweiz als Flüchtling anerkannt und durfte in einem Betrieb in Heiden eine Berufslehre machen. Doch seine Verlobte Ariam, die er seit der Schulzeit kennt, hatte er in Eritrea zurücklassen müssen. Die beiden hatten vereinbart, dass sie sich ebenfalls auf den Weg machen würde, wenn er es geschafft hatte.

Flucht mit Irrungen und Wirrungen

Ursula Häberli zeichnet im Buch den abenteuerlichen Weg von Ariam nach, die sich über Äthiopien nach Libyen durchschlägt und dort in Gefangenschaft gerät. Sie schildert, wie Dawit fast verzweifelt ist in dieser Zeit, denn den Frauen drohen auf dem gefährlichen Weg Vergewaltigung oder gar der Tod. Doch Ariam gelingt die Flucht aus dem Lager und sie schafft es in die Schweiz. Im Durchgangsheim Altstätten angekommen, ist die Odyssee aber noch nicht zu Ende. Sie soll wieder nach Italien ausgeschafft werden. Dies verlangen die Regeln des Dubliner Abkommens. Eine Praxis, die Häberli besonders stossend findet: «Es ist eine Schreibtischidee und bis heute ist es nicht gelungen, sich auf einen fairen Verteilschlüssel zu einigen.» Sie hat für ihr Buch viel recherchiert über die Hintergründe der Flüchtlingspolitik und lässt diese Erkenntnisse an verschiedenen Stellen einfliessen.

Weil das Buch vor mehr als einem Jahr fertiggestellt wurde, kommen die neuesten Ereignisse der ungewöhnlichen Liebesgeschichte darin nicht mehr vor. Soviel sei verraten: Es gibt ein Happy End: Ariam hat kürzlich in einem Ausserrhoder Spital ein gesundes Kind geboren.

Das Buch «Ausgeliefert – Macht und Ohnmacht in der Flüchtlingskrise» ist im Buchhandel erhältlich: ISBN: 978-3-86317-043-1