Eine Gemeinderätin steht wieder auf

Zuerst wird abgewogen, geplant und wochenlang diskutiert. Dann folgt der Abstimmungssonntag und die Bevölkerung entscheidet. Das Resultat: 511 sagen Ja, 562 Nein, vier Stimmzettel sind leer, einer ungültig.

Michael Genova
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Susann Metzger Vizegemeindepräsidentin Gemeinde Heiden. (Bild: pd)

Susann Metzger Vizegemeindepräsidentin Gemeinde Heiden. (Bild: pd)

Zuerst wird abgewogen, geplant und wochenlang diskutiert. Dann folgt der Abstimmungssonntag und die Bevölkerung entscheidet. Das Resultat: 511 sagen Ja, 562 Nein, vier Stimmzettel sind leer, einer ungültig. Da ist ein Prozedere, wie es sich in den Ausserrhoder Gemeinden im Laufe eines Jahres Dutzende Male wiederholt. Im beschriebenen Fall lehnten die Stimmbürger von Heiden einen Projektierungskredit für eine Dreifachturnhalle in der Gerbe ab.

Wie geht man als Gemeindepolitikerin mit solchen Niederlagen um? «Zuerst ist es schon frustrierend», sagt Vize-Gemeindepräsidentin Susann Metzger.

«Trink einen Glühwein»

Nachdem das Abstimmungsresultat an jenem Sonntag Ende November feststand, ging Susann Metzger auf den Weihnachtsmarkt und mischte sich unter die Leute. «Trink einen Glühwein», sagten Freunde und Bekannte und versuchten sie aufzuheitern. Gegner der Turnhallen-Vorlage sprachen sie hingegen nicht an. Kritik bekomme sie meist nur auf indirektem Wege zu hören.

Monatelang hatte sich eine Projektgruppe unter der Leitung von Susann Metzger mit beträchtlichem Aufwand auf den Tag X vorbereitet. Für rund 1,1 Millionen Franken wollten sie einen Architekturwettbewerb durchführen und ein Bauprojekt erarbeiten. In einer ersten Machbarkeitsstudie wurden die gesamten Projektkosten auf 17 Millionen Franken geschätzt. Doch vielen Einwohnern war dies wohl zu teuer. Gemeindepräsident Gallus Pfister hatte angekündigt, dass die Gemeinde zur Finanzierung der neuen Turnhalle die Steuern erhöhen müsste.

Susann Metzger sieht es dennoch gelassen. Man müsse bei Abstimmungen immer mit allem rechnen. Wer als Gemeinderätin mit solchen Niederlage nicht klarkomme, sei am falschen Ort. «Ich mache mein Bestes, aber allen Leuten kann man es nie recht machen.» Sie habe sich mit voller Kraft für die neue Turnhalle eingesetzt, weil sie vom Vorhaben überzeugt sei.

Es muss weitergehen

Ans Aufgeben denkt Susann Metzger aber nicht – sie ist bereits einen Schritt weiter. «Wer soviel Herzblut in ein Projekt gesteckt hat, kann nicht einfach aufhören.» In der vergangenen Woche traf sich die Projektgruppe zum ersten Mal seit der verlorenen Abstimmung zu einer «Chropfleerete». Es wurden Reaktionen aus der Bevölkerung zusammengetragen, Fehler analysiert und Vorschläge fürs weitere Vorgehen gesammelt.

Was würde sie das nächste Mal anders machen? «Vielleicht die Kosten besser erklären und die Abstimmungsunterlagen etwas ausführlicher gestalten.» Mit einer tieferen Kostenschätzung wäre die Vize-Gemeindepräsidentin an der Urne möglicherweise erfolgreich gewesen. Doch von strategischen Spielchen hält Susann Metzger nichts. «Ich bin wohl zu ehrlich.»

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