Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Eine geheime Militärwelt aus dem Kalten Krieg wird öffentlich

Der ehemalige Kommandobunker der Grenzbrigade 8 im innerrhodischen Schlatt-Haslen ist jetzt ein Museum.
Karin Erni
So mögen die militärischen Lagebesprechungen im Kommandobunker einst ausgesehen haben. Bild: Karin Erni

So mögen die militärischen Lagebesprechungen im Kommandobunker einst ausgesehen haben. Bild: Karin Erni

Das unscheinbare fensterlose Häuschen steht im Wald von Schlatt-Haslen etwas abseits der Hauptstrasse nach Appenzell. Wer durch die Holztüre tritt, dem strömt aus der Dunkelheit 11 Grad kühle Luft entgegen. Sie kommt aus einem langen höhlenartigen Gang, der zum ehemaligen Kommandobunker der Grenzbrigade 8 führt.

Das Bauwerk ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. «Die Lage des Kommandopostens wurde aus Sicherheitsgründen etwas entfernt von der Landesgrenze gewählt», sagt Ralf Pötzsch. Er ist Präsident des Vereins Festungsmuseum Heldsberg in St.Margrethen. Der Verein habe 2018 vom Bezirk Schlatt-Haslen den ausrangierten Bunker zur Gebrauchsleihe erhalten, um ihn als weiteren Museumsstandort zu betreiben, so Pötzsch.

«Die Anlage ist einmalig in der Region. Sie ist eine ideale thematische Ergänzung zu unserem Angebot und es besteht ein direkter Bezug, denn Heldsberg wurde von hier aus befehligt.»

Der Kommandobunker wurde Anfang der 1960er-Jahre von einheimischen Baufirmen erstellt und stand bis 2013 unter Geheimhaltung. Beim Bau habe man den Leuten gesagt, dass hier ein unterirdisches Spital entstehe, sagt Ralf Pötzsch. «Diese Meinung hat sich bis heute gehalten, wie wir im Gespräch mit älteren Einheimischen festgestellt haben.» Der Bezirk konnte dem Bund die Anlage für 30000 Franken abkaufen. «Das ist ein fairer Preis, denn Liebhaber sind bereit, ein Mehrfaches davon zu bezahlen», sagt der Präsident. Sein Verein erhält den Bunker für zehn Jahre zur Gebrauchsleihe, das heisst, er zahlt keine Miete, kommt aber für den nötigen Unterhalt auf.

Man ging von einem möglichen Atomangriff aus.

Man ging von einem möglichen Atomangriff aus.

Besonders freue ihn, so Pötzsch, dass sich rund ein Dutzend Einheimische zur Mithilfe im Museum gemeldet hätten. Sie hätten die genauen Zahlen noch nicht ausgewertet, aber 40 Vereinsmitglieder und Stabsoffiziere hätten in den letzten Monaten insgesamt 4000 bis 5000 unentgeltlich e Arbeitsstunden investiert, um aus dem verlassenen Bunker ein anschauliches Museum zu gestalten.

Interessant für Jung und Alt

Die Anlage liegt über 30 Meter unter dem Boden und hat beachtliche Ausmasse. Sie beansprucht zweieinhalb Hektaren Bodenfläche. Allein die zweistöckige Kaserne mit den Schlaf- und Mannschaftsräumen ist über 1000 Quadratmeter gross. In den 32 Zimmern befinden sich viele Büroräume. «Weil das nicht so attraktiv ist, haben wir in einigen der Räume anschaulich gemacht, was von hier aus geplant und befehligt wurde», sagt Pötzsch. Das Thema ist der Kalte Krieg. So werden die Ereignisse der Kubakrise aufgerollt oder die Vorgänge rund um die Geheimarmee P26. Auch das Schweizer Atomwaffenprogramm wird beleuchtet. Die Besucher können sich an einigen Stationen selbst betätigen. Es gibt eine historische Telefonzentrale zum Stöpseln. Auf einem Touchscreen können die Standorte von Sprengladungen ersehen werden, mit denen im Kriegsfall die Verkehrslinien unterbrochen worden wären.

Der Bunker kann von Gruppen auf Anmeldung das ganze Jahr über besichtigt werden. Mit 1500 bis 2000 Besuchern im Jahr wäre das Museum selbsttragend, sagt Pötzsch. «Wir hoffen auch auf die Schulen. Der Kalte Krieg ist vielfach Thema an der Oberstufe. In diesem Bunker kann vieles aus dieser Zeit anschaulich gezeigt werden.»

Hinweis: Der Kommandobunker steht am Samstag, 31. August von 10. bis 16 Uhr erstmals zur öffentlichen Besichtigung offen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.