Eine ganze Jagdszene spielt sich am Himmel ab

Der Sternenhimmel im Januar 2016 Aufgang: 1. Januar: 08.17 Uhr MOZ 31. Januar: 07.58 Uhr MOZ Untergang: 1. Januar: 16.36 Uhr MOZ 31. Januar: 17.

Hanspeter Steidle
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Bild: Hanspeter Steidle

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Der Sternenhimmel im Januar 2016

Aufgang:

1. Januar: 08.17 Uhr MOZ

31. Januar: 07.58 Uhr MOZ

Untergang:

1. Januar: 16.36 Uhr MOZ

31. Januar: 17.16 Uhr MOZ

MOZ = Mittlere Ortszeit: Zeitangaben für die Region Toggenburg

Neumond: Sonntag, 10. Januar, im Sternbild Schütze

Vollmond: Sonntag, 24. Januar, im Sternbild Krebs

MERKUR

Er kann nur in den ersten Tagen des Monats tief im Westen am Abend gesehen werden.

VENUS

Sie bleibt wie in den Vormonaten der helle Morgenstern.

MARS

Er ist nur als kleiner, roter «Stern» am Morgenhimmel erkennbar.

JUPITER

Gegen Mitternacht geht er auf und wird zum Planeten der zweiten Nachthälfte. Am Morgen früh ist er unterhalb des Sternbildes Löwe zu beobachten, bevor er in der Dämmerung verschwindet.

SATURN

Der Ringplanet geht in den frühen Morgenstunden auf und kann nur kurz vor der Dämmerung beobachtet werden.

STERNE UND MILCHSTRASSE

Die Milchstrasse ist in den Wintermonaten immer klarer zu sehen als im Sommer. Sie teilt im Januar den Himmel in zwei fast gleich grosse Hälften: Sie zieht sich von Südosten über den Zenit in den Nordwesten. In der Meridianregion finden wir die Sternbilder mit den hellsten Sternen am Nordhimmel: Das bekannteste Sternbild ist der Orion (= Jäger). Die drei Gürtelsterne fallen sofort auf. Über dem Orion finden Himmelsbeobachter ein Sternbild, das ein Fünfeck bildet: Das ist der Fuhrmann, dessen nördlichster Stern sehr hell ist. Es ist der Stern Capella oder auch Ziege genannt, ein Dreifachstern. Nordwestlich des Fuhrmanns sieht man eine lange Sternenkette. Es ist das Sternbild Perseus. Ein kleines, fast wolkenartiges Gebilde liegt westlich zwischen den Sternbildern Orion und Fuhrmann. In klaren Nächten kann man dort bis zu sieben Sterne sehen. Es sind die Plejaden im Sternbild Stier. Wenig südlich der Plejaden entdeckt man ein liegendes «V». Das sind die Hyaden, auch Regengestirn genannt. Das V bildet den Kopf des Stiers. Zwischen den Plejaden und den Hyaden geht die Ekliptik hindurch. Die Sonne wird dort, von der Erde aus gesehen, genau am 26. Mai vorbeiziehen. Dieser Ort wird auch «Goldenes Tor» genannt. In der Zeit vor 4000 Jahren bis vor rund 1500 Jahren lag der Frühlingspunkt infolge der Präzession zwischen den Plejaden und Hyaden. So bekam diese «Himmelspforte» zwischen den offenen Sternhaufen eine besondere Bedeutung und erhielt die Bezeichnung «Goldenes Tor». Nordöstlich des Sternbildes Orion sind die Zwillinge und südlich darunter der helle Stern Procyon im Kleinen Hund. Südwestlich gelangen wir zum funkelnden Stern Sirius im Grossen Hund. Eine ganze Jagdszene spielt sich da am Himmel ab: Der Jäger Orion verfolgt den Stier, gefolgt von seinen beiden Hunden. Das Sternbild Hase liegt unter den Füssen des Jägers, für den Jäger deshalb nicht sichtbar. Der Grosse Hund dagegen scheint den Hasen gewittert zu haben und rennt dem Hasen nach. Zwischen den beiden Hunden liegt das Sternbild Einhorn. Es wurde zum ersten Mal 1613 auf einem Globus erwähnt und dessen Erwähnung wird einem holländischen Theologen zugeschrieben, der dem Sternbild den Namen gab. Das Einhorn, obschon schon damals ein Fabelwesen, wird in der Bibel an vier Stellen in alten Übersetzungen erwähnt: Zweimal in den Büchern Mose und zweimal in den Psalmen. In modernen Übersetzungen wird das Einhorn als Stier oder Büffel übersetzt. Kein Stern im Einhorn erhielt je einen Namen, denn es sind nur schwach leuchtende Sterne. Die arabischen Astronomen, die damals Sterne benannten, beachteten nur die hell leuchtenden, das heisst, diejenigen, die auch für die Seefahrt und als Kalendersterne nützlich waren. Dafür ist das Sternbild Einhorn eine Fundgrube für heutige Astronomen: Mehr als 50 Sternhaufen sind hier zu finden und darüber hinaus mehrere diffuse Nebel. Ein Mehrfachstern mit 16 Stern-Komponenten liegt auch im Einhorn. Schon im Feldstecher entpuppt sich diese Himmelsregion als ein Ort voller nebelartiger Gebilde.

Im Osten kündigt sich bereits der Frühlingshimmel mit dem Sternbild Löwe an, während die Herbststernbilder Fluss Eridanus, Walfisch und Fische nur noch schwach im Dunst des Westens erkennbar sind. Nur die höher gelegenen Sternbilder Dreieck und Widder sowie die Andromeda kann man noch einigermassen gut beobachten.

STERNSCHNUPPEN

Zu Beginn des neuen Jahres sind die Sternschnuppen «Quadrantiden» aktiv. Sie scheinen aus dem Sternbild Bootes zu fliegen. Der beste Zeitpunkt für die Beobachtung von Sternschnuppen ist nach Mitternacht. Es werden bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde er-wartet. Aus andern Sternregionen kommen weitere Sternschnuppen. Ab Mitte Monat werden es nur noch wenige pro Stunde sein. Wann ist die Zeit für die Sternbeobachtung in der ersten Nachthälfte günstig? Der Anfang Januar abnehmende Mond bietet bereits wieder Gelegenheit, in der ersten Nachthälfte schwach leuchtende Himmelsobjekte zu betrachten. Bis zum 19. Januar stört das Licht des dann zunehmenden Mondes nicht stark.

DAS MAGNETFELD DER ERDE

Immer wieder werden neue Planeten im Weltall entdeckt. Anschliessend werden sie auf mögliches Leben untersucht.

Da suchen die Astronomen zuerst nach Wasser, denn dieser Stoff ist eine unabdingbare Voraussetzung für Leben.

Die zweite Voraussetzung für Leben: Bewegt sich der neu entdeckte Planet in einer habitablen Zone, das heisst, in einer Zone, in der das Wasser nicht nur in gefrorenem Zustand existiert, sondern auch in flüssiger Form? Eine weitere Voraussetzung für das Leben auf einem Planeten wird oft kaum erwähnt: Hat der Planet ein Magnetfeld? Ein «Magnetschirm» um einen Planeten herum lässt die kosmische Strahlung, welche auch lebensfeindliche Gammastrahlen und Röntgenstrahlen enthält, nicht durch. Diese energiereichen Strahlungsarten werden von einem Magnetfeld um einen Planeten herum abgelenkt. Sie gelangen nicht bis auf die Planetenoberfläche. Wenn der Planet dazu noch eine Atmosphäre ähnlich der auf der Erde hat, dann werden harte Strahlungen auch nicht den Planetenboden erreichen, es sei denn auf hohen Berggipfeln wie zum Beispiel auf dem Mount Everest. Dort gelangt noch eine energiereichere Ultraviolettstrahlung auf den Gipfel. Ein kleiner Planet, der viel kleiner als die Erde ist, kann keine Atmosphäre halten. Die Gravitationskraft vermag Gasmoleküle nicht mehr an den Planeten zu binden. Ein Magnetfeld und eine Atmosphäre ermöglichen also erst die Entwicklung höheren Lebens. Der Merkur hat zwar ein Magnetfeld, aber keine Atmosphäre. Zudem ist er viel zu nahe an der Sonne. Die Venus hat zwar eine dichte Atmosphäre, ist aber auf der Oberfläche viel zu heiss: rund 450 Grad Celsius. Und sie hat kein Magnetfeld. Der Mars hat eine nur hauchdünne Atmosphäre und kein Magnetfeld mehr. 500 Millionen Jahre nach seiner Entstehung verlor er das ursprünglich vorhandene Magnetfeld. Er ist als kleiner Planet zu schwach, um eine Atmosphäre zu halten.

Wenn auf dem Mars je einmal Leben existiert haben sollte, was nicht auszuschliessen ist, dann nur in niederen Lebensformen, vielleicht in Lebensformen, wie sie auf der Erde vor drei Milliarden Jahren existierten. Damals gab es, wie Erdschichten zeigen, fast nur Einzeller. Das Magnetfeld der Erde polte sich im Laufe der Erdgeschichte mehrmals um. Die Umpolung verläuft, wie heute nachgewiesen wurde, viel schneller als früher angenommen, nämlich innerhalb von rund 100 Jahren. In dieser Zeit gelangt mehr kosmische Strahlung auf die Erde und verursacht Mutationen bei vielen Arten von Lebewesen. Eine Umpolung wäre aus astronomischer Sicht heute schon längst fällig. Zurzeit nimmt die Magnetfeldstärke der Erde tatsächlich langsam ab, doch eine Umpolung wird noch nicht so schnell erfolgen. Nach einer nächsten Umpolung des Magnetfeldes werden wieder neue Lebensformen auf der Erde existieren. Die Schöpfung ist noch nicht zu Ende. Sie geht immer weiter.

Bild: Hanspeter Steidle

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