«Eine einmalige Überbrückung»

Mit nur einem Punkt aus elf Spielen lag der TV Appenzell am Tabellenende. Um den Abstieg aus der 1. Liga zu verhindern, wurden zwei Ausländer verpflichtet. Nach zwei Spielen zeigt sich, die Investition scheint sich zu lohnen.

Mea Mc Ghee
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Der Slowake Lukas Gamrat (vorne) und der Däne Mads Boie Thomsen verstärken den TV Appenzell bis zum Saisonende und sollen helfen, den Ligaerhalt zu sichern. (Bild: pd)

Der Slowake Lukas Gamrat (vorne) und der Däne Mads Boie Thomsen verstärken den TV Appenzell bis zum Saisonende und sollen helfen, den Ligaerhalt zu sichern. (Bild: pd)

HANDBALL. Lukas Gamrat hat im letzten Spiel gegen den HC Arbon zehn Treffer erzielt. Damit war der Slowake in seinem zweiten Einsatz für den TV Appenzell der Matchwinner. Für die Innerrhoder war das 30:29 erst der zweite Sieg im 13. Spiel. Bei Saisonhälfte lag die Mannschaft von Trainer Reto Valaulta noch abgeschlagen am Tabellenende, nun hat sie morgen Samstag im Heimspiel gegen den TV Lägern Wettingen (siehe Anspielzeiten) die Chance, die rote Laterne an Wetzikon abzugeben.

Gewichtige Abgänge

Dass die Saison schwierig würde, sei nach dem regelrechten Aderlass allen bewusst gewesen, so Obmann Martin Breitenmoser. Gewichtig waren die Abgänge der Teamstützen Ramon Hörler, Fabian Neff, Martin Geisser und Christian Hamm. Leider sei es nicht gelungen, diese Abgänge adäquat zu kompensieren. Mit Maria Sutter hat Breitenmoser im Mai letzten Jahres das Präsidium der Handballriege des TV Appenzell übernommen. Die Zeit, eine starke Mannschaft zusammenzustellen, sei knapp gewesen. Zudem sei die Verpflichtung von Spielern einige Male kurz vor Vertragsabschluss gescheitert.

Die Resultate der ersten Saisonhälfte zeigten schliesslich deutlich, dass es der jungen Mannschaft an Erfahrung und Qualität fehlte. Mit einer «einmaligen Überbrückung» soll nun der Abstieg in die Bedeutungslosigkeit der 2. Liga verhindert werden. Nicht zuletzt, um den eigenen talentierten Junioren eine Perspektive zu bieten. Der Vorstand beschloss, die erste Mannschaft punktuell zu verstärken.

Die Verpflichtung von Schweizer Spielern sei aus finanziellen Gründen gescheitert, so Breitenmoser. Daher habe man erstmals mit Spielervermittlern zusammengearbeitet. Diese boten den Innerrhodern ausländische Verstärkung an. Gamrat, der 27jährige Rückraum-Allrounder, spielte zuletzt in der zweiten Deutschen Bundesliga bei Eintracht Hildesheim. Er ist slowakischer Nationalspieler und bringt wichtige Erfahrung und Routine mit. Davon sollen auch die jungen Innerrhoder profitieren, so Breitenmoser. Der 22jährige Däne Mads Boie Thomsen ist ein torgefährlicher und technisch starker Linkshänder im Rückraum. Im Spiel gegen Arbon steuerte er vier Tore bei.

Reserven angezapft

Bis zum Saisonende stehen Gamrat und Thomsen unter Vertrag. Dazu war eine Sonderfinanzierung durch Sponsoren und Aktionen nötig, und die Reserven der Handballriege wurden angezapft. Über die Höhe des Betrags geben die Verantwortlichen keine Auskunft. Sicher ist: Ende Mai endet das Engagement. «Eine Weiterverpflichtung können und wollen wir uns nicht leisten», sagt Breitenmoser. Der Verein will künftig wieder auf Spieler aus dem Nachwuchs oder Zuzüge aus der Region setzen. Dazu der Obmann: «Das Publikum in Appenzell identifiziert sich stark mit den einheimischen Spielern. Das ist uns wichtig.» Der Publikumsaufmarsch von rund 300 Personen beim letzten Heimspiel gegen Uster habe aber gezeigt, dass der nun einmalig gewählte Weg goutiert werde. Noch einmal will man beim TV Appenzell nicht in eine solch schwierige sportliche Lage kommen. Daher arbeiten die Verantwortlichen intensiv an der Zusammenstellung des Kaders für die kommende Saison. Ein Verbleib in der 1. Liga würde die Planung erleichtern, so Breitenmoser.

Arbeit und Unterkunft gesucht

In der Verantwortung von Trainer Reto Valaulta liege es, die Ausländer im Trainingsbetrieb anderer Teams als Unterstützung einzubinden. Zudem suche man nach Arbeit für Gamrat und Thomsen. Während der Slowake eine fixe Unterkunft hat, sei Thomsen noch privat untergebracht. Breitenmoser sagt: «Der TV Appenzell ist für die Spieler eine Plattform, um ihre Qualitäten Vereinen aus höheren Ligen zu präsentieren.»