Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Eine eindrückliche Tradition»

Umfrage
Ernst Sieber

Ich bin von der Landsgemeinde überzeugt, weil die Nähe echter Christologie getragen wird. Ich habe viele Dinge beobachtet, die effektiv stark sind. Es ist einmalig. Als die Landsgemeinde fertig war, setzten die Leute sich zusammen und plauderten, diese Gemeinschaft fasziniert mich. Es gibt auch Sozialfälle hier, aber es wird ganz anders gehandhabt als in einer Stadt. Das Gefälle ist viel kleiner. Ich habe beobachtet, wie man Leuten geholfen hat, die nicht recht laufen können oder eine Behinderung haben. Das kam einem vor, wie wenn alles beste Freunde wären. Fasziniert hat mich auch die Aufmerksamkeit bei den Sachfragen. Die Leute sind voll dabei und nicht einfach nur zur Unterhaltung da. Man hätte meinen können, man sei im Schauspielhaus. Ich konnte immer wieder neue Szenen beobachten.

Es gefällt mir gut in Appenzell, es ist ein wunderschönes, freundliches Dorf. In der Republik Korea existiert ein repräsentatives System. Das Volk kann die Mitglieder des Parlaments wählen. An der Zahl sind das 300. Diese Parlamentarier sollen unser Volk repräsentieren. Doch manchmal verstehen sie nicht, was das Volk will. Die Landsgemeinde ist hier viel direkter. Man trifft sich einmal im Jahr und die Leute können ihre Begehren und Wünsche direkt einbringen. Damit wird der Wille des Volkes sehr gut reflektiert. Auch wenn ich kein Deutsch verstehe, war es für mich doch von grossem Interesse, die Landsgemeinde zu verfolgen. Ich konnte beim Debattieren und bei den Entscheidungen zuschauen, das war trotz der Sprachprobleme sehenswert. Das Beobachten reichte mir völlig aus.

Heute standen drei brisante Bereiche im Fokus: Die Wahlen, das Hallenbad und natürlich auch die Initiativbegehren, bei denen gewisse Emotionen eine Rolle spielten. Das Schöne an der Landsgemeinde ist, dass das Volk Auge um Auge mit den Regierungsverantwortlichen da steht und sich jeder einbringen kann. Heute speziell beeindruckt hat mich, wie Entscheide akzeptiert werden. Trotz der langen Landsgemeinde wurde die Disziplin aufrechterhalten. Kritisieren kann man die Landsgemeinde immer. Das Stimmresultat wird geschätzt und wer krank ist, kann nicht teilnehmen. Ich glaube aber, dass vor allem auch die Jungen ganz klar sagen, dass sie eine Landsgemeinde wollen, da die Vorteile überwiegen. Eindrücklich ist auch zu sehen, wie die Jungen die Landsgemeinde tragen und diese repräsentieren.

Besonders gefallen hat mir, dass man zuerst in die Kirche geht. Dort kann man abkühlen und sich in die richtige Stimmung versetzen. Als der Pfarrer sagte: «Ich wünsche der Regierung Tatkraft und der Bevölkerung eine rechte Besinnung», dachte ich: «Doch, das ist gut.» Das ganze Zeremoniell und dass alles aufeinander abgestimmt ist, macht Eindruck. Das ist ja heute nicht mehr überall der Fall. Es ist eine sehr direkte Demokratie. Es braucht vielleicht etwas Mut, den Finger zu heben und nach vorne zu gehen zum Reden. Aber man respektiert ja auch, wenn einer anderer Meinung ist. Es hat niemand gebuht oder etwas Ähnliches gemacht, das habe ich sehr geschätzt. Kritisieren kann ich eigentlich nichts. Falls es jetzt nochmals zwei Stunden länger gegangen wäre, könnte die Belastung ein Problem werden.

Ernst Sieber

Pfarrer und Stiftungsgründer

Sangkyu Lee

Botschafter Republik Korea

Walter Thurnherr

Bundeskanzler

Ivo Bischofberger

Ständeratspräsident

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.