Eine echte Radballfamilie

Vor wenigen Tagen wurden die beiden Mosliger Radball-Brüder Roger und Rafael Artho in ihrer jeweiligen Kategorie Schweizer Meister. Damit setzen sie erfolgreich die sportliche Tradition ihrer Familie fort. Denn auch ihr Vater und ihr Onkel sind dem Radball verfallen.

Thomas Geissler
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MOSNANG. «Das ist bisher unser grösster Familienerfolg», fasst der stolze Vater Ruedi Artho zusammen. Doch nicht nur seine beiden Söhne sind frisch gebackene Schweizer Meister, auch der Vater ist seit 20 Jahren nicht nur selbst im Radball aktiv, sondern als langjähriges Vorstandsmitglied und Präsident des RMV Mosnang bekannt und nun seit mittlerweile drei Jahren als Trainer und Jugendleiter die treibende Kraft in der Nachwuchsförderung.

Faszination Radball

Dabei wäre Ruedi Artho dem Radball einst fast fern geblieben, wie er sich heute mit einem Schmunzeln erinnern kann: «Damals hat mein grosser Bruder mit dem Radball begonnen und als Teenager wollte ich natürlich nicht das machen, was mein Bruder macht», berichtet er. Doch die Faszination für diesen nicht alltäglichen Sport liess ihn nicht los.

Im Alter von 17 Jahren schliesslich stieg er doch auf das spezielle Radball-Velo. Sein Bruder Werner Artho war mittlerweile bereits Juniorenleiter. Die Gebrüder Artho sollten nicht nur dem Verein erhalten bleiben und diesen speziell hinsichtlich der Jugendabteilung stärken und diese gemeinsam mit dem Vorstand und den Trainern aufbauen. Werner Artho spielte selbst erfolgreich Radball, stieg aber vom Sattel, als die von ihm trainierten Schützlinge immer weiter Richtung nationale Spitze strebten, um sich voll auf deren Training konzentrieren zu können. Heute ist er Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Und auch sein jüngerer Bruder Ruedi Artho spielte nicht nur selbst ein Jahr lang in der Nationalliga A, sondern engagierte sich vor allem stark für seinen Heimatverein. Sein Steckenpferd ist die Nachwuchsförderung. Dass er dabei auch gleich noch zwei eigene Söhne zu seinen Schützlingen zählen darf und diese mit ihren Teamkollegen auch noch so erfolgreich sind, ist gleich doppelt schön. Doch Ruedi Artho weiss auch, dass viel Aufwand dahintersteckt. «Was wir jetzt erreicht haben, ist auch das Ergebnis der konsequenten Nachwuchsförderung im Verein und von viel Zeit und Arbeit, die alle hineingesteckt haben.» So waren die Teams fast jedes Wochenende im In- und Ausland unterwegs, haben sich Spielpraxis erarbeitet und hart trainiert. Doch haben sie bei alledem den Spass nicht vermissen lassen – weder am und beim Sport noch beim Rahmenprogramm, wie er versichert. In der nächsten Saison werden Roger und Rafael jeweils in die nächsthöhere Kategorie aufsteigen und hoffen, dabei auch wieder bis ins Finale zu kommen oder gar eine weitere Medaille holen zu können. Ganz generell will der Verein in den kommenden Jahren auch bei der Junioren-Europameisterschaft wieder ein Wort mitreden, wie Ruedi Artho hofft. Bei aller Familientradition hat er seine Söhne aber nie zum Radball gedrängt. So haben beide bis zur dritten Klasse auch parallel Fussball gespielt. Als dann aber der Trainingsaufwand beider Sportarten eine Entscheidung von ihnen verlangte, stand Radball doch höher im Kurs. «Das ist schon etwas Spezielleres als Fussball, was nicht jeder macht und kann», räumt Roger ein. Er schätzt nicht nur das sehr gute Training im Verein, sondern auch den starken Teamgeist. Auch sein jüngerer Bruder hat schlagende Argumente: «Beim Radball ist man nur zu zweit und deshalb die ganze Zeit über selbst aktiv am Spielen.

Man muss nicht immer warten, bis man mal den Ball bekommt», erklärt er seine Entscheidung.

Sportliche Ziele

Roger ist bereits auch als Schiedsrichter aktiv und hat innerhalb der Projektwoche im Schulhaus Risi in Wattwil, wo er sein letztes Schuljahr absolviert, einen Radballkurs für nicht weniger als 50 Schüler geleitet. Nach den Sommerferien wird er seine Lehre zum Landschaftsgärtner beginnen. Aber auch sportlich hat der junge Mann noch einiges vor.

Er träumt vom Schweizer Meistertitel in der Nationalliga und auch vom Weltmeistertitel, wie er erzählt. Sein jüngerer Bruder Rafael ist vom grossen Bruder und vom Vater inspiriert und will später einmal selbst Trainer werden und am liebsten auch die eigenen Kinder im Team haben, lässt er selbstbewusst wissen.

Nun aber spielt er erst einmal selbst, kann nicht nur seinen Vater, sondern auch seinen grossen Bruder löchern, wenn es darum geht, neue Tricks und Kniffe zu lernen, und auch schon mal ein Freundschaftsspiel mit seinem Bruder als Team spielen. Neben dem Radball bleibt zwar nicht viel Zeit für andere Hobbies, aber die beiden sportbegeisterten Artho-Brüder sind im Sommer ebenso in der Badi zu finden wie im Winter auf der Skipiste oder vor der heimischen Spielkonsole.

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