Eine Dorfladen-Ära geht zu Ende

Der Ennetbühler Dorfladen und der Name Lusti gehören ganz einfach zusammen. Seit 56 Jahren führt Julia Lusti das Geschäft, Ende März ist nun definitiv Schluss. Es ist ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Adi Lippuner
Merken
Drucken
Teilen

ENNETBÜHL. Beim Besuch im Dorfladen Ende letzter Woche waren die Gestelle im Ennetbühler Volg nicht mehr in gewohnter Art gefüllt. Da und dort klafften Lücken und die gelben Zettel mit der Aufschrift «20 Prozent» zeigen an, dass eine Veränderung bevorsteht. Julia Lusti bestätigt, dass sie sich entschlossen hat, das Geschäft auf den 31. März zu schliessen. «Ich möchte noch ein paar Jahre einen verspäteten Ruhestand geniessen», so ihre Auskunft. Einerseits freue sie sich auf die neuen Freiräume, andererseits sei es auch ein Abschied von vielen lieben Gewohnheiten.

Veränderte Gewohnheiten

Ein grosse Zahl Kunden aus dem Dorf und der Umgebung haben ihr während über fünf Jahrzehnten die Treue gehalten, erzählt Julia Lusti. «Und dafür bin ich allen sehr dankbar. Denn ohne Kundschaft hat ein Dorfladen keine Überlebenschance. Gefreut habe sie sich auch über die Treue von Ennetbühlern, die durchaus die Möglichkeit gehabt hätten, ihren täglichen Bedarf in den nahe gelegenen Einkaufszentren zu decken.

Auch das Sortiment habe sich laufend verändert. «Die Angebote wurden vielfältiger und auch die Ansprüche der Kundschaft sind grösser geworden», weiss die langjährige Ladenbesitzerin. Früher habe es einige wenige Süsswassersorten gegeben, «heute gibt es mehr verschiedene Mineralwasser ohne Geschmack als früher das ganze Sortiment an alkoholfreien Getränken ausmachte.»

Julia Lusti ist sich bewusst, dass sich die Mobilitäts- und Lebensgewohnheiten während der vergangenen Jahrzehnte verändert haben. «Deshalb ist es nun an der Zeit, den Schlüssel endgültig zu drehen.» Dies sagt die lebenserfahrene Frau ohne jeglichen Groll. Sie will auch nicht urteilen, was besser ist, die heutige Zeit oder die früheren Jahre. «Es ist einfach anders, aber uns ist es im Dorfladen immer gut gegangen.» Es habe keine nennenswerten Zwischenfälle gegeben und auch dafür sei sie dankbar.

Ins kalte Wasser gesprungen

Am 1. März 1958, nach der Heirat mit Josef Lusti, übernahm die aus Mogelsberg stammende junge Verkäuferin die Stelle als Filialleiterin in Ennetbühl. Sie sei damals noch von der Verwaltung des Konsumvereins Nesslau-Krummenau gewählt worden und habe die Nachfolge ihrer Schwiegermutter angetreten. Es folgten wechselvolle Jahre: Am 1. März die Fusion des Konsumvereins Nesslau-Krummenau mit Coop Ostschweiz und schon zwei Jahre später das Aus. Die Filiale in Ennetbühl wurde geschlossen. «Damals entschieden wir uns, nicht nur die Liegenschaft zu kaufen, sondern auch den Dorfladen auf eigene Rechnung weiterzuführen», blickt Julia Lusti zurück. Sie entschied sich für die Zusammenarbeit mit Volg und hat dies nie bereut.

Was mit dem Ladenlokal geschehen wird, ist noch offen. «Vorläufig lassen wir das einfach leer stehen und schauen dann weiter», so ihre Aussage. Und was bleibt den Ennetbühlerinnen und Ennetbühlern als Einkaufsmöglichkeit? Die Milchzentrale, welche schräg gegenüber dem Dorfladen liegt, und entsprechend der veränderten Gewohnheiten die grösseren Läden in der Umgebung.