Swifiss AG Urnäsch
Mit einer geheimen Kräutermischung: Ab Juni gibt es eine Kosmetiklinie mit Inhaltsstoffen aus dem Appenzellerland

Drei Jahre nach der Pleite der Intracosmed in Urnäsch schreibt die Nachfolgefirma Swifiss AG schwarze Zahlen. Mehr noch: Dieser Tage rollt die neuste Kosmetiklinie vom Band. «Alpencell» beinhaltet Kräuter aus der Region und Wasser von einer Quelle vom Säntis.

Astrid Zysset
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Philipp Untersander (rechts), Inhaber, berät die neuste Kosmetiklinie mit seinem operativen Geschäftsführer Metin Ceylan.

Philipp Untersander (rechts), Inhaber, berät die neuste Kosmetiklinie mit seinem operativen Geschäftsführer Metin Ceylan.

Bild: Astrid Zysset

Ein Hauch von Zitronenmelisse steigt in die Nase. Sie wird zusammen mit Hagenbuttenkernöl, Schoko- und Pfefferminze zu einer Kräutermischung angerührt, welche in der neuen Handcrème der Kosmetiklinie «Alpencell» verarbeitet wird. Jene wurde am Donnerstag erstmals öffentlich präsentiert. Duschgel, Handcrème und Handseife komplettieren die Linie. Alle sind auf Kräuterbasis entstanden. Diese stammen aus der Region, Hauptzutat ist das Wasser vom Säntis. «‹Made in Appenzell› trifft es hier ganz genau», sagt Philipp Untersander, Inhaber der Swifiss in Urnäsch, welche die Kosmetik vertreibt.

«Alpencell» ist das neuste Produkt, welches vom Urnäscher Unternehmen produziert wird. Drei Jahre ist es her, seit die damalige Intracosmed Konkurs anmelden musste. Die Rettung kam durch drei Investoren. Philipp Untersander war einer von ihnen. Er hatte gerade seine Firmen verkauft und war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Der Konkursverwalter machte ihn mit Ernst Sutter, früherer Chef des Gossauer Fleischverarbeiters Ernst Sutter AG, von der ES Management AG, und mit Christine Deppermann von der Metaflux AG bekannt. Per Handschlag einigten sich die drei darauf, das Urnäscher Unternehmen zu kaufen. Gesagt, getan. 30 Arbeitsplätze konnten so gerettet werden.

Während Corona auf Desinfektionsmittel gesetzt

Das war im September 2019. Vor der Pandemie. Als Corona kam, wurde die Kosmetikproduktion runtergefahren und auf die Herstellung von Desinfektionsmitteln gesetzt. «Innerhalb von drei bis vier Stunden haben wir uns völlig neu ausgerichtet», erinnert sich Untersander. Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Die Pandemie hat das Urnäscher Unternehmen gut überstanden. Heute steht die Kosmetikproduktion wieder im Vordergrund. Swifiss zählt rund 30 Kunden, für welche es Produkte im hauseigenen Labor entwickelt, herstellt wie auch vertreibt. 45 Mitarbeitende sind im Unternehmen beschäftigt. Sieben Millionen Franken beträgt der jährliche Umsatz und seit Anfang dieses Jahres schreibt das Unternehmen auch wieder schwarze Zahlen.

«Alpencell» wird bekannt gemacht

Präsentation in Appenzell

Am Donnerstag präsentierte Swifiss in der Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell erstmals die Kosmetiklinie Alpencell. Nach der Produktvorstellung durch Geschäftsführer Philipp Untersander hatten die knapp 100 Gäste die Gelegenheit, die Produkte selbst auszuprobieren. Während sich Arno del Curto aus Finnland meldete und einen gelungenen Start wünschte, wurde die Rolle der Botschafterin von «Alpencell» bekannt: Diese übernimmt künftig die ehemalige Skirennfahrerin und gebürtige Urnäscherin Sonja Nef. Ebenfalls am Donnerstag vor Ort war die Appenzeller Künstlerin Carmela Inauen, welche nebst ihrer Künstlergeschichte auch die originalen Bilder präsentierte. (pd)

Untersander ist Geschäftsführer und einer der drei Inhaber. In seinem Büro im zweiten Stock stapeln sich die Kisten. Fertige «Alpencell»-Produkte finden sich in diesen wie auch Prototypen von Verpackungen, welche schlussendlich verworfen wurden. Untersander zückt eine Glasflasche. «Alpencell» soll mit dieser auch als Geschenk vertrieben werden können. Über den Webshop können 100 Zeilen individuell beschriftet werden und ab bereits einer Stückzahl wird das Produkt innert 48 Stunden ausgeliefert. «Man könnte meinen, das rentiert sich nicht», so Untersander lächelnd. «Aber wir wollen das jetzt anbieten.» Die Glasflasche, die er in den Händen hält, ist schwarz, die Bilder darauf in Weiss gehalten. Es war ein Gestaltungsversuch. Tatsächlich werden die Bilder der Appenzeller Künstlerin Carmela Inauen dezenter in Szene gesetzt.

Kosmetiklinie einer Appenzeller Künstlerin

«Alpencell» wurden nach den Vorstellungen Inauens kreiert. Ihren Wünschen zufolge wurden Duschgel, Handcrème, Handseife und Bodylotion entwickelt, die Verpackungen mit ihren Bildern des Senntums versehen. Untersander liegt die Linie besonders am Herzen. «Sie verbindet Kunst mit nachhaltiger Kosmetik.» Die Produkte seien zu 99 Prozent natürlichen Ursprungs, vegan zertifiziert und die Verpackungen zum grössten Teil recycelbar. In den Vertriebsstellen gibt es Nachfüllbehälter, sodass die Abfallmenge reduziert wird. Und: Bei der Herstellung wurde der soziale Aspekt gewichtet. So entstanden die Holzkisten für das Geschenkset in Zusammenarbeit mit dem Behindertenwohnheim Steig in Appenzell, mit dem Marketing wurde das Reintegrationsprojekt Churplus betraut.

Markteinführung ist am 1. Juni

Zwei Jahre dauerte die Entwicklung – für eine Kosmetiklinie eine relativ lange Herstellungsdauer. Untersander begründet dies damit, dass es lange gedauert hat, bis die fertigen Produkte den Ansprüchen der Künstlerin entsprachen. «Aber das ist gut so. Schlussendlich müssen wir alle hinter der Kosmetiklinie stehen können.» Langsam und seriös wolle man die Linie veräussern. Darum wurden die beteiligten Detailhändler in Appenzell, Buchs oder auf dem Säntis mit Bedacht ausgewählt. Auch die Vorproduktion ist dementsprechend gering: Je rund 2000 Stück der vierteiligen Linie stehen aktuell im Lager. Diese werden in den kommenden Tagen ausgeliefert, sodass dem Verkaufsstart am 1. Juni nichts mehr im Wege steht.

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