Eine Chance für ländliche Regionen

Der Stadtpräsident Mathias Müller wies im letzten Lichtensteiger Informationsblättchen auf die grosse Chance hin, die die voranschreitende Digitalisierung für ländliche Regionen bietet. Bereits viele Geschäfte nutzen diese Möglichkeit, es ist aber nicht in allen Geschäftssparten möglich.

Fanny Urech
Drucken
Teilen
Die Digitalisierung ist ein «Tor zur Welt». (Bild: Fotolia)

Die Digitalisierung ist ein «Tor zur Welt». (Bild: Fotolia)

LICHTENSTEIG. In der neusten Ausgabe von «Aktuells usem Städtli» betonte der Stadtpräsident Mathias Müller, dass die voranschreitende Digitalisierung und die Veränderungen des Konsumverhaltens eine grosse Chance seien für die ländlichen Regionen. Diese könne in vielerlei Hinsicht genutzt werden. Zum Beispiel indem die Geschäfte ihre Produkte zusätzlich online vertreiben, sagt der Stadtpräsident.

Es gibt bereits einzelne Geschäfte in Lichtensteig, die nicht nur in ihrem Laden verkaufen, sondern ihre Produkte auch übers Internet auf den Markt bringen. Gute Beispiele dafür sind die Büro Strässle AG oder die Städtlichäsi von Willi Schmid sowie der Onlineshop «onlinestempel 24». Die Ladenlokale sollen aber bestehen bleiben. Dieser Meinung ist auch der Präsident des Gewerbevereins, René Perret. «Unsere Geschäfte würden verschwinden, wenn sie nur noch Onlinehandel betreiben würden», sagt er. Trotzdem ist dieses Gebiet auch aus seiner Sicht ein «Tor zur Welt», das den Fachhandel dazu zwingt, stets aktuell zu bleiben.

Es beginnt im Kleinen

Der Einstieg in die Welt des Internets sei nicht schwierig, sagt Mathias Müller. Man müsse nicht alles auf einmal machen, es gäbe verschiedene Einstiegsstufen. «Es reicht, wenn man erst mal eine eigene Homepage gestaltet, das ist schon viel wert. Dann kann auf bereits vorhandenen Onlineportalen mit dem Verkauf begonnen werden. Die letzte Stufe wäre dann ein eigener Onlineshop fürs Geschäft.» René Perret gibt allerdings zu bedenken, die Betreiber müssen sich bewusst sein, dass ein Onlineshop ein zweites Geschäft sei und nicht etwas, das nebenbei gemacht werden könne. «Es ist eine Chance, den Markt zu öffnen, aber man darf nicht davon ausgehen, dass dort draussen alle auf uns gewartet haben.»

Ein Foto zeigt nicht alles

Auch, dass viele Leute sich nicht dafür interessieren, woher die bestellten Produkte kommen, sieht Mathias Müller als Vorteil. Beim Bestellen werde auf den Preis geachtet und auf die Qualität, vielleicht noch auf die Verfügbarkeit. Woher das Produkt schliesslich geliefert wird, spiele für den Käufer keine grosse Rolle mehr. «So kann Kundschaft angelockt werden, die fürs Einkaufen sonst nicht nach Lichtensteig kommen würde.» René Perret weist darauf hin, dass man etwas Wichtiges bedenken muss: Nicht alle Produkte können online verkauft werden. «Wenn der Kunde genau weiss, was er will, oder wenn der Artikel ersetzbar ist, wie ein Ordner oder ein Paar Socken, dann ist ein Onlineshop durchaus sinnvoll.» Allerdings falle dadurch die Beratung weg, die Eindrücke fehlen und die Funktionen können nicht gezeigt werden. «Das Funkeln eines Diamanten sieht man auf einem Foto nicht. Und auch nicht, wie eine Uhr funktioniert.» Die Onlinepräsenz wird sich aber immer weiter entwickeln, allerdings nicht für alle Geschäftssparten. «Es wird Produkte geben, für die nie ein Onlineportal entstehen wird. Aber auch Produkte, bei denen die Läden verschwinden werden, weil man diese durch Onlineshops gänzlich ersetzen kann.»

Reaktionen von Geschäften erhielt der Stadtpräsident bisher keine. Einen Onlineshop für die ganze Region zu gründen, sähe er aber durchaus als eine von vielen Möglichkeiten. Dies müsste aber zuerst mit den Gewerbebetrieben abgesprochen werden, um herauszufinden, ob so ein Shop überhaupt ein Bedürfnis wäre. Ausserdem bliebe noch die Frage offen, in welchem Raum eine solche Aktion sinnvoll wäre, bloss lokal oder gleich regional. Konkrete Pläne sind bisher nicht entstanden.

Aktuelle Nachrichten