Eine Bühne für Kuh und Mensch

STEIN. Mit gut 380 Tieren sind Bauern gestern zur Viehschau in Stein aufgefahren. Auf der Dorfwiese präsentieren sich Kühe, Stiere und junge Züchter. Der Schauplatz dient aber auch als Kulisse für ein Fotoshooting des Ausserrhoder Tourismusverbands.

Michael Genova
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Die Kühe sind aufgestellt, die Hektik des Morgens verflogen – vier Frauen geniessen den Moment am Rande des Schauplatzes. (Bilder: Michael Genova)

Die Kühe sind aufgestellt, die Hektik des Morgens verflogen – vier Frauen geniessen den Moment am Rande des Schauplatzes. (Bilder: Michael Genova)

Muhen muss ansteckend sein, so viel steht fest. Unklar ist nur, ob sich die Kühe an diesem Dienstagmorgen auf der Dorfwiese gegenseitig begrüssen oder sich lauthals beklagen. Doch diese Frage scheint niemanden zu kümmern – auf dem Schauplatz geht jeder ruhig seiner Arbeit nach. Die Wärter führen die Tiere zu ihrer Abteilung, die Experten verschaffen sich einen ersten Überblick. Eine Gruppe von Sennen stimmen bei den Senntumsschellen ein Zäuerli an. Ein asiatischer Fotograf will zwei junge Frauen in Tracht fotografieren. Sie wenden sich ab – er geht wortlos weiter.

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«Du hättest ihm einen <chächeren> Strick anziehen sollen», sagt ein älterer zu einem jüngeren Bauern. Die beiden stehen bei den Stieren. Das grösste Tier will sich nicht beruhigen und zerrt wild an seinem Strick. Der jüngere Bauer überprüft die Eisenkette, redet auf den Stier ein und tätschelt seinen Kopf.

Nicht weit davon entfernt steht Hans Ulrich Buff, der Präsident der Viehschaukommission. Als Gemeinderat von Stein ist er bereits zum achtenmal für die Organisation der Viehschau verantwortlich. Ob er ein besonderes Ritual hat, bevor er am Morgen zum Schauplatz geht? Buff lacht: «Ich muss zuerst den Stall machen.» Der Bauer ist mit seinen Kühen an der Viehschau nicht vertreten. Die Mehrheit der anwesenden Kühe gehörten zur Rinderrasse Brown-Swiss. Er hingegen habe Original Braunvieh. «Diese Tiere geben etwas weniger Milch, dafür sind sie fleischiger.» Hans Ulrich Buff hat am Morgen einem Nachbarn beim Auffahren geholfen. Er sagt: «Wenn man Menschen einen Freude machen kann, ist das schön.»

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Einer der Experten an diesem Tag ist Andreas Hohl aus Wald. Er trägt eine braune Windjacke. Auf dem Rücken steht in weisser Schrift: Braunvieh AR. Mit verschränkten Armen, den Oberkörper leicht nach hinten geneigt, geht Andreas Hohl durch die Abteilung 13 und begutachtet die Kühe. «Die zweithinterste müsst ihr noch holen», sagt er zu seinen Wärtern und geht zurück zum Anfang der Abteilung. Irgendetwas stimmt noch nicht. Hohl rauft sich die Haare, kneift die Augen zusammen und sagt: «Die vordersten vier müsst ihr nochmals abnehmen.» Die Wärter binden die Kühe los und führen sie zur Seite. Hohl stemmt die Hände in die Hüfte, geht in die Hocke und schaut sich die Euter von nahem an. Schliesslich richtet er sich auf und schreibt der Kuh mit dem schönsten Euter ein blaues A aufs Hinterteil. Die ersten drei Tiere markiert er zusätzlich mit einem E. Sie dürfen später beim Euter-Wettbewerb mitmachen. «Ich habe mich entschieden das Euter höher zu bewerten als den Rahmen», sagt Andreas Hohl und ergänzt: «Schliesslich leben wir von der Milch.»

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Kurz vor Mittag hat Jakob Müller seinen grossen Auftritt. Der Bauer aus Stein ist das Gesicht der neuen Werbekampagne des Ausserrhoder Tourismusverbands. Ein Werbefotograf steht auf einer Leiter und gibt Anweisungen. Sogar die Kuh scheint im zu gehorchen: Langsam nähert sie sich Müllers weiblicher Begleiterin und frisst ihr die schönen Blumen vom Hut.

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück: Bevor die Experten die Kühe beurteilen, müssen die Wärter sie aufstellen. (Bild: Michael Genova)

Ein Schritt vor, zwei Schritte zurück: Bevor die Experten die Kühe beurteilen, müssen die Wärter sie aufstellen. (Bild: Michael Genova)

Wer hat das schönste Euter im ganzen Land? (Bild: Michael Genova)

Wer hat das schönste Euter im ganzen Land? (Bild: Michael Genova)

Hans Ulrich Buff, der Präsident der Viehschaukommission, leitet die Prämierung der Jungzüchter. (Bild: Michael Genova)

Hans Ulrich Buff, der Präsident der Viehschaukommission, leitet die Prämierung der Jungzüchter. (Bild: Michael Genova)

Sommerhut in Gefahr: Jakob Müller posiert mit einer Begleiterin für die neue Kampagne des Ausserrhoder Tourismusverbands. (Bild: Michael Genova)

Sommerhut in Gefahr: Jakob Müller posiert mit einer Begleiterin für die neue Kampagne des Ausserrhoder Tourismusverbands. (Bild: Michael Genova)

Niemand ist zu klein, um sein Kälblein zu präsentieren. (Bild: Michael Genova)

Niemand ist zu klein, um sein Kälblein zu präsentieren. (Bild: Michael Genova)