Eine Brücke mit Ausstrahlung

Das neuste Projekt des Bauingenieurs Hermann Blumer ist eine Fussgängerbrücke im zürcherischen Opfikon. Das kühn geschwungene Holzbauwerk soll zu einem grossen Teil durch Spendengelder finanziert werden.

Karin Erni
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HERISAU. Zwischen der Stadt Zürich und dem Flughafen entsteht zurzeit eine komplett neue «Stadt». Der Glattpark in Opfikon soll auf 700 000 Quadratmetern Wohnraum für rund 7000 Menschen bieten. Das neue Wohngebiet umfasst aber auch Geschäftshäuser, Restaurants, Boulevards und Sportstätten. Jenseits des Flüsschens Glatt befindet sich das Naherholungsgebiet Auholz. Über die Glatt führte einst eine gedeckte Holzbrücke, das Aubrüggli. Das 200jährige Bauwerk brannte jedoch im Jahr 2009 komplett ab.

«Holzkunstbrücke»

Der damalige Stadtrat Tony Steiner hatte es sich zur Aufgabe gemacht, an dieser Stelle eine neue Brücke zu bauen. «Ich wollte einmal im Leben etwas Verrücktes machen», so der Schreinermeister und Inhaber eines Betriebs mit 70 Mitarbeitern. «Es sollte aber etwas sein, das es vorher noch nicht gab, eine Holzkunstbrücke quasi.» Auf der Suche nach innovativen Ideen gelangte er an Hermann Blumer. Der Waldstätter Bauingenieur zog einen Entwurf des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava aus der Schublade. Das Projekt war vor 27 Jahren in einem Wettbewerb für den Weg der Schweiz unterlegen, weil die Jury nicht an dessen Realisierbarkeit geglaubt hatte. «Heute sind solche Holzbauweisen jedoch ausführbar. Mit den modernen hochpräzisen CNC-gesteuerten Bearbeitungszentren, wie sie in der Ostschweiz entwickelt wurden, können derart komplexe Formen hergestellt werden», so Blumer.

Es kann losgehen

Hermann Blumer kopierte aber nicht einfach den früheren Entwurf, sondern entwickelte ihn weiter, um alle Möglichkeiten des modernen Holzbaus auszuschöpfen. Die neue Brücke hat eine Spannweite von 44 Metern. Für den Bau sind rund 50 Kubikmeter Lärchenholz nötig. Tony Steiner rechnet mit Herstellungs- und Baukosten von knapp 900 000 Franken. Ein Drittel übernimmt die Gemeinde Opfikon, der Rest soll durch Spenden finanziert werden. Noch hat die Gesellschaft Aubrugg, deren Promotor Steiner ist, nicht alles Geld beisammen. «Doch wir beginnen jetzt mit dem Bau.» Die Gemeinde hat die Baubewilligung erteilt. Beim Hersteller Blumer-Lehmann in Gossau sind bereits erste Vorarbeiten getätigt worden. «Wir haben uns bewusst entschieden, alle Aufträge in der Schweiz zu vergeben, um die Wertschöpfung im Land zu behalten», so Steiner. «Die Bauarbeiten werden in einem Film dokumentiert. Wir hoffen, dass das Schweizer Fernsehen ihn dereinst zeigen wird.»

Bau von Weltruf

Hermann Blumer tüftelt derzeit noch an der Dachkonstruktion. Diese soll mit einer High-Tech-Membran bespannt werden. Der international bekannte Lichtkünstler Gerry Hofstetter wurde beauftragt, ein Beleuchtungskonzept auszuarbeiten, das die Brücke in der Nacht erstrahlen lassen soll.

Im kommenden Frühling soll das ungewöhnliche Bauwerk eröffnet werden. Tony Steiner freut sich jetzt schon. «Diese Brücke wird den Ruf von Opfikon und der Schweizer Holzingenieurskunst in die Welt hinaustragen.»