Eine Attraktion für zwei Spiele

Der Däne Joachim Fischer Nielsen war einst die Weltnummer eins im Mixed. Dieses Wochenende unterstützt der 40-Jährige die Badmintonvereinigung St. Gallen-Appenzell in der Meisterschaft.

Ives Bruggmann
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Joachim Fischer Nielsen mit seiner estnischen Lebenspartnerin Kati Tolmoff beim Fototermin. (Bild: Michel Canonica)

Joachim Fischer Nielsen mit seiner estnischen Lebenspartnerin Kati Tolmoff beim Fototermin. (Bild: Michel Canonica)

Man stelle sich vor, Fussballer Andrés Iniesta wechselt zum FC St. Gallen oder Andy Murray absolviert zwei Partien für den Tennisclub St. Gallen. Etwa in diesen Sphären bewegt sich der temporäre Verstärkungsspieler der Badmintonvereinigung St. Gallen-Appenzell. Joachim Fischer Nielsen ist zweimaliger Europameister, WM- und Olympia-Bronze-Gewinner und ehemalige Weltnummer eins im Mixed. Kurz: eine grosse Nummer in einer olympischen Sportart. Dieses Wochenende hilft Fischer nun für zwei NLA-Spiele bei St. Gallen-Appenzell aus. Mit dem Unterschied, dass Badminton in der Schweiz im Gegensatz zu Fussball oder Tennis eine Randsportart ist.

Hanspeter Kolb, Präsident und Manager der Badmintonvereinigung, hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, als sich die Möglichkeit ergab, Fischer von einem Engagement für zwei Partien zu überzeugen. Flüge und Unterkunft buchen, Anlässe für die Anhänger organisieren oder eine Halle für das Training finden. Doch bei einer Aufgabe scheiterten all seine Bemühungen: Er fand keinen Trikotsponsor für diese zwei NLA-Spiele. «Ich finde das einfach nur schade», sagt Kolb. 1500 Franken sei doch für eine solche Gelegenheit nicht zu viel verlangt. «Scheinbar interessiert in St. Gallen nur Fussball und Handball», sagt Kolb.

Hier, um zu gewinnen

Umso wichtiger ist der Auftritt Fischers für die Sportart Badminton. Denn er soll auch eine Art Werbung sein. Mit dem 40-jährigen Dänen ist Kolb in der Tat ein Transfercoup gelungen. Jedoch ist sich Fischer auch seiner Aufgabe in St. Gallen bewusst. «Ich bin hier, um zu gewinnen», sagt die ehemalige Nummer eins im gemischten Doppel. Und er will der Sportart, die ihm so viel gegeben hat, etwas zurückgeben. Wenn es ihm nur um das Geld ginge, wäre Fischer längst in Asien unterwegs.

Dort werden erfolgreiche Badmintonspieler wie Popstars verehrt. Ein gemütliches Abendessen in einem Restaurant im indonesischen Jakarta wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Fischer ist auch zweifacher Vater und will gegen Ende seiner Spielerkarriere öfters zu Hause sein. Zudem verbindet ihn mit Präsident Kolb eine langjährige Freundschaft. «Ich wäre nicht hier, wenn ich ihn nicht kennen würde», sagt Fischer. Auch deshalb hat der Däne gestern Nachmittag mit den Badmintonspielern der Sportlerschule Appenzellerland ein Training in St. Gallen absolviert. «Ich bin gespannt, wie das Niveau ist.»

Die Disziplin geerbt

Mit 37 Jahren war Fischer noch die Nummer eins der Welt. In einem Alter, in dem andere Badmintonspieler längst nicht mehr aktiv sind. «Es gibt kein Geheimnis, dass ich auch so spät noch erfolgreich war», sagt er. Training und Siegeswille seien die wichtigsten Faktoren seines Erfolgs. «Ich wollte immer der Beste sein.» Die Disziplin für das gezielte Training habe er wohl von seinem Vater geerbt, der ein hochrangiger Militär war.

Der grösste Erfolg, die Olympiabronzemedaille von London 2012, war gleichzeitig die grösste Enttäuschung in Fischers Karriere. «Der Olympiasieg war immer mein Traum. Deshalb war die knappe Niederlage im Halbfinal besonders bitter.»

Am Samstag, 26. Januar, gegen Tafers-Fribourg und Sonntag gegen Team Argovia wird er jeweils ab 14.30 Uhr in der Sporthalle Tal der Demut in St. Gallen dennoch die Attraktion schlechthin sein. Ein Olympiamedaillengewinner in der Schweizer Liga: eine seltene Kombination.