«Wir haben eine Art Appenzeller Amarone produziert»

Nachgefragt

Karin Erni
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Bernecker Weingut SCHMID WETLI AGEinweihung Neubau

Bernecker Weingut SCHMID WETLI AG
Einweihung Neubau

Beim Wettbewerb «Grand Prix du Vin Suisse» konnte ein Appenzeller Wein die 158-köpfige Jury überzeugen. Der Appenzeller Malbec Jahrgang 2014 erhielt eine Goldmedaille. Produziert wird er vom Bernecker Weingut Schmid Wetli AG. Inhaber Kaspar Wetli erklärt, wie es zu der Auszeichnung kam.

Kaspar Wetli, was bedeutet diese Goldmedaille für Sie?

Wir beteiligen uns regelmässig an den drei Schweizer Weinwettbewerben. Sie sind ein guter Gradmesser, um zu sehen, wo wir stehen. Zu einer Auszeichnung gehört aber immer auch ein Quentchen Glück dazu.

Warum bewirtschaften Sie ausgerechnet einen Weinberg im Appenzellerland?

Im Jahr 2013 konnten wir das Weingut von Felix Lutz in Wienacht-Tobel zur Bewirtschaftung übernehmen. Dort ist eine Fläche von 30 Aren mit Malbec bepflanzt. Dabei handelt es sich um eine Rebsorte, die aus Südwest-Frankreich stammt und vor allem in Südamerika angebaut wird. Unser Sohn Matthias hat in Argentinien gearbeitet. Er hatte die Idee, unsere Malbec-Trauben, vor dem Pressen zu trocknen – ähnlich wie das bei einem Amarone oder Sforzato gemacht wird.

Was bewirkt dieses Vorgehen?

Durch den Trocknungsprozess verlieren die Trauben etwa 20 Prozent ihres Gewichts. Der Vorgang führt zu einer Konzentration von Extrakt und Aroma. Zudem reduzieren wir unsere Traubenerträge auf 400 bis 500 Gramm pro Quadratmeter. Das ist der Schlüssel zur Qualität.

Das Appenzellerland ist nicht gerade als Weinbauregion berühmt...

Zu Unrecht. Das Vorderland kann vom milden Rheintaler Föhnklima profitieren. Im 19. Jahrhundert, hatten die Weinberge im Appenzeller Vorderland die grösste Ausdehnung. Durch die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus erlitt der Weinbau hierzulande und in ganz Europa einen herben Rückgang. Heute geht der Trend wieder in die umgekehrte Richtung. Wir profitieren unter anderem von der Klimaerwärmung.

Wie hat sich der heisse Sommer auf die neue Ernte ausgewirkt?

Wir hatten von April bis August kaum Niederschlag. Die 90 Liter Regen pro Quadratmeter, die am 1. August fielen, verursachten glücklicherweise keine grösseren Schäden im Rebberg. Sie waren dringend nötig. Reben wurzeln zwar tief, aber damit der Reifeprozess richtig abläuft, brauchen sie von Zeit zu Zeit etwas Wasser. Ein weiteres Glück war, dass wir von der Kirschessigfliege verschont blieben.