Ein Wort wie ein Betablocker

Jeweils Ende oder Anfang Jahr wird landauf, landab ein Wort des Jahres gewählt. In der Schweiz lautet es heuer «Minarettverbot». In Deutschland entschied sich die Gesellschaft für deutsche Sprache für die Abwrackprämie. Als Unwort ernannte eine unabhängige Jury betriebsratsverseucht.

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Jeweils Ende oder Anfang Jahr wird landauf, landab ein Wort des Jahres gewählt. In der Schweiz lautet es heuer «Minarettverbot». In Deutschland entschied sich die Gesellschaft für deutsche Sprache für die Abwrackprämie. Als Unwort ernannte eine unabhängige Jury betriebsratsverseucht. Sogar einen Satz des Jahres gibt es: «Das steht mir zu.» Er stammt zwar aus dem Kreis der deutschen Regierung, betraf aber keine Daten-CD «Burnt in Switzerland». Gesagt hat ihn die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt am 27.

Juli 2009 in Alicante. Sie antwortete Journalisten, die sie zur Dienstwagenaffäre befragten. Die Wörter des Jahres sind Kürzest-Zusammenfassungen für die im letzten Jahr geführten Diskussionen. Die prämierten Wörter sind aber selten schön anzusehen oder wohlklingend, auch tun sie der Seele nicht gut.

Ich habe mir deshalb erlaubt, bereits jetzt mein ganz persönliches Wort des Jahres zu wählen: «nodisno», den Dialektausdruck für allmählich oder eins nach dem anderen.

«Nodisno» groovt wie ein Reggae-Lied am Sandstrand, ist lieb zu Lippen, Gaumen und Kehle und wirkt bereits beim Aussprechen wie hoch dosierte Betablocker aus dem Arzneischrank eines Psychiaters.

Nodisno geht alles besser. Nodisno werden Menschen wieder gesund. Nodisno verschwindet irgendwann der Schnee, und nodisno hat der Büezer auch die letzte anstehende Arbeit erledigt.

Nodisno lässt sich die Gesellschaft entschleunigen und die Lebensqualität steigern. Mit «Nodisno» kann einen fast nichts mehr aus der Bahn hauen. «Nodisno» tut Seele und Herz gut und müsste eigentlich vom Arzt verschrieben werden. Welch anderes Wort meint es schon so gut mit uns?

David Scarano