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Ein Wohnzimmer in Bühler wird zur Pop-Up-Galerie

Das im Februar gegründete Künstlerkollektiv Streunender Hund hat an der Rothalde in Bühler ein «Phantastisches Zimmer» eingerichtet. Die Ausstellung öffnet am Samstag für zwei Tage ihre Türen.
Claudio Weder
Die Bilderserie «Idylle und Wolken» von Harlis Schweizer im «Phantastischen Zimmer» in Bühler. (Bilder: Claudio Weder)

Die Bilderserie «Idylle und Wolken» von Harlis Schweizer im «Phantastischen Zimmer» in Bühler. (Bilder: Claudio Weder)

Unter dem Titel «Phantastisches Zimmer» veranstaltet das Künstlerkollektiv Streunender Hund am kommenden Wochenende seine erste Ausstellung. Und zwar nicht, wie zu erwarten wäre, in einer klassischen Kunstgalerie, sondern im Wohnzimmer eines Appenzellerhauses an der Rothalde 2 in Bühler, rund 15 Gehminuten von der Haltestelle Steigbach entfernt.

Die Wahl sei nicht zufällig auf diesen Ort gefallen, sagt Birgit Widmer, eines der sechs Mitglieder des Kollektivs. Vor drei Jahren ist Maria Nänny, ein weiteres Mitglied, gemeinsam mit ihrem Mann in dieses Haus gezogen. Nun wohnt sie in einem Anbau nebenan. «Ihr haben wir diese Räumlichkeit zu verdanken», sagt Widmer. Zum anderen sei die Stube als Ausstellungsort ideal, weil sie zum Verweilen einlade: «Wir haben alles so gelassen, wie es ursprünglich war, um der Ausstellung möglichst viel Wohnatmosphäre zu verleihen.»

Jedes Mitglied lädt einen Gast ein

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb die Ausstellung genau an diesem abgelegenen Ort stattfindet. «Unser Ziel ist es, Kultur aufs Land zu holen. Wir wollen nicht immer in die Stadt runterfahren; also machen wir es mal anders rum und laden Gäste und Kulturschaffende von der Stadt aufs Land zum Austausch ein», so Birgit Widmer.

Das Kollektiv Streunender Hund wurde im Februar gegründet. Ihm gehören aktuell sechs Kunstschaffende an. Neben Birgit Widmer und Maria Nänny sind dies Harlis Schweizer, Martina Morger, Wassili Widmer und Florian Gugger. «Das Kollektiv kann aber noch wachsen», sagt Birgit Widmer.

Multimedial unterwegs. Hier im Bild: Die Videoinstallation von Martina Morger und Fabienne Watzke.

Multimedial unterwegs. Hier im Bild: Die Videoinstallation von Martina Morger und Fabienne Watzke.

Obwohl die «Streuner» aus unterschiedlichen Sparten kommen, haben sie eines gemeinsam: «Wir sind neugierig, unabhängig, schnüffeln gerne rum und lassen uns überraschen, wo es uns am Schluss hintreibt – wie streunende Hunde eben.» Und tatsächlich lebt der eine oder andere «Streuner» in der Zwischenzeit nicht mehr im Appenzellerland: Architekt Florian Gugger etwa hat in Luzern eine Bleibe gefunden; Wassili Widmer, Birgit Widmers Sohn, hat es nach Glasgow verschlagen.

Für das «Phantastische Zimmer» hat sich das Kollektiv ein besonderes Konzept ausgedacht: Jedes Mitglied lädt einen oder zwei Gäste aus dem Kunstkontext ein. «Ob diese dann ein eigenes Kunstwerk beisteuern oder gemeinsam mit einem Kollektivmitglied eine künstlerische Arbeit realisieren, bleibt ihnen überlassen», so Widmer. Entstanden ist dabei ein organisches Gesamtkunstwerk, das die einzelnen künstlerischen Beiträge in einem einzigen Raum miteinander in Beziehung treten lässt. Die Überschreitung von intermedialen und interkulturellen Grenzen steht dabei thematisch genauso im Fokus wie der Begriff des Phantastischen.

Das Phantastische – vielfältig umgesetzt

Das Phantastische zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Raum. Trotzdem gleicht kein Kunstwerk dem anderen, so wie auch jede Künstlerin und jeder Künstler seine eigene Vorstellung von dem hat, was sie oder er als phantastisch empfindet. Bildhauerin Birgit Widmer etwa hat das Phantastische mit Hilfe des Grössenverhältnisses zwischen Mensch und Raum dargestellt. Einer ihrer Beiträge ist eine kleine Holzskulptur, die einen Menschen darstellt, eingeengt zwischen Decke und Boden eines imaginären Miniatur-Hauses.

In ihren «Reflexionen über das Appenzellerhaus» thematisiert Bildhauerin Birgit Widmer das Verhältnis zwischen Mensch und Raum.

In ihren «Reflexionen über das Appenzellerhaus» thematisiert Bildhauerin Birgit Widmer das Verhältnis zwischen Mensch und Raum.

Für die Malerin Harlis Schweizer, die sich eine Woche lang im Haus an der Rothalde aufhielt, um Bilder zu malen, ist das Phantastische hingegen mehr ein Abheben, ein Blick in den Himmel, ins Nicht-Fassbare, Nicht-Materielle. Der Himmel ist damit auch zum Hauptmotiv einer Serie aus Pastellbildern geworden, welche eine Wand des Zimmers zieren. Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Arbeiten von Mitgliedern des Kollektivs sowie von Gastkünstlern wie Hans Guggenheim, Lars Rumpel, Fabienne Watzke, Mirjam Kradolfer, Nilo Stillhard und Rahel Lämmler.

Die Ausstellung dauert nur von Samstag bis Sonntag. Umso straffer ist aber das Rahmenprogramm. «Wenn sich die Leute schon abmühen, zu uns hochzukommen – das Haus ist nur zu Fuss erreichbar – müssen wir ihnen auch etwas bieten», so Harlis Schweizer. Eröffnet wird die Vernissage am Samstag um 14 Uhr mit einem Trompetensolo von Michael Neff, um 16 Uhr folgt eine Führung durch das Zimmer. Am Sonntag ist die Ausstellung von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Um 15 Uhr wird die Schauspielerin Jeanne Devos eine szenische Lesung abhalten.

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