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Ein Wahlkampf, der gar keiner war

Kommentar zur Gemeindepräsidentenwahl in Speicher
Astrid Zysset
Am Sonntag wird in Speicher entschieden, wer das Amt des Gemeindepräsidenten übernehmen wird. (Bild: PD)

Am Sonntag wird in Speicher entschieden, wer das Amt des Gemeindepräsidenten übernehmen wird. (Bild: PD)

Konkurrenzkampf war nie auszumachen. Bei der öffentlichen Gründung der Wohnbaugenossenschaft Unterdorf vor ein paar Tagen sassen alle drei Kandidaten für das freiwerdende Amt des Gemeindepräsidenten in den Rängen – Roland Fischer und Paul König beieinander, Ruedi Herzig zusammen mit seiner Frau am gleichen Tisch ein paar Stühle weiter. Man versteht sich. Schmutzige Wäsche wurde keine gewaschen. In den veröffentlichten Leserbriefen nicht wie auch bei den zwei Podiumsgesprächen, bei welchen die drei aufeinandertrafen. Auch inhaltlich weichen die drei kaum voneinander ab. Speicher müsse so bleiben, wie es jetzt ist, eine Steuersenkung sei keine Option, der Zuzug neuer Detailhändler wie die Migros werde begrüsst, und die Gemeinde verfüge über eine gute Ausgangslage für die Bedürfnisse der älteren Generation. Konkrete Visionen, wohin sich Speicher entwickeln sollte, legte keiner vor. Nur: Die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern könne verbessert werden. Darin waren sich ein weiteres Mal alle einig. Dennoch: Dass sie sich voneinander abgrenzen müssen, haben sie erkannt. Paul König setzt als einziger Auswärtiger – er wohnt in Aadorf – auf die Karte, dass er wenig im Dorf verbandelt sei. Er könne unabhängig und neutral agieren. Eine unabhängige Aussensicht tue manchmal ganz gut, liess er an einem Podium verlauten. Roland Fischer setzt auf seine politische Vernetzung. Er hat das Kantonsratsmandat inne, und meint, dass es für die Zukunft einer Gemeinde unabdingbar sei, dass ein Vertreter des Gemeinderates auch im Kantonsrat sitze. Nur so würden einem Informationen frühzeitig ereilen, Allianzen könnten rechtzeitig gesucht werden. Und Ruedi Herzig? Jener habe eine grosse «Fangemeinde» im Dorf, wie Fischer zuletzt selbst ehrfürchtig anerkannte, und Herzig verfügt über Gemeinderatserfahrung in Schönengrund. Ansonsten punktet er durch seine Akkuratheit, König durch seine Bodenständigkeit und Fischer durch sein entschlossenes Auftreten.

Unterschiede sind bei den scheinbar so gleichen Kandidaten also doch auszumachen. Doch reichen sie, um einen klaren Favoriten auszumachen? Nein. Dass es einen zweiten Wahlgang geben wird, ist wahrscheinlich. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben die Qual der Wahl: zwischen Roland Fischer, FDP-Mann und Inhaber eines Beratungsunternehmens für Personaldienstleistungen, Marketing und Kommunikation, Roland Herzig, parteiunabhängig und Leiter der Betriebsstelle St. Gallen der Postauto Region Ostschweiz und Paul König, Produktionsleiter auf Mandatsbasis respektive einem Manager ad interim. So gering ein Wahlkampf in den letzten Wochen auszumachen war, so gering ist die Wahrscheinlichkeit einer Prognose, wer das Rennen tatsächlich machen wird. Harmonie und Einigkeit mögen schön sein, im politischen Alltag sorgen sie aber für Ungewissheit. Ein paar Ecken und Kanten hätten gut getan. Und die hätten vielleicht auch eine Vision erkennbar werden lassen.

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

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