Ein Vogel reist durchs Toggenburg

Ein Fasan streifte durch das Dorf Ebnat-Kappel, bis er von Vincenzo Santoro eingefangen wurde. Nach diversen Unterkünften fand der Vogel schliesslich ein Zuhause in Neu St. Johann – in einer Voliere für Fasane.

Rouven Kuster
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EBNAT-KAPPEL. Als Vincenzo Santoro an einem Sonntagnachmittag in seinen Garten blickt, bemerkt er einen bunten Vogel mit einem Schwanz, der länger als der Rest des Tieres ist. Nachdem er sich aber in den Garten begibt, verschwindet das Tier sofort. Vincenzo Santoro hat aufgrund seiner Erfahrung als ehemaliger Jäger sofort erkannt, dass es sich um einen Fasan handelt. Auch die Flucht des Tieres kam ihm bekannt vor: «Vor etwa 20 Jahren habe ich beim Arbeiten in der Gärtnerei Läng in Ebnat-Kappel zusammen mit meinem Chef einen Fasan entdeckt. Als wir das Tier einfangen wollten, hat es aber sofort die Flucht ergriffen», erinnert sich Vincenzo Santoro.

Zweite Begegnung

«Ich dachte der Fasan wäre längst über alle Berge oder von einem Fuchs gefressen worden.» Wie es der Zufall aber wollte, besuchte Vincenzo Santoro bald darauf einen Bekannten, um ihm Ratschläge für dessen Garten zu geben. Und plötzlich sah er den gleichen Vogel in dessen Garten. Er reagierte schnell: «Ich habe versucht, möglichst unscheinbar in die gleiche Richtung zu gehen, in die der Fasan beim Picken blickte.» Als der Fasan in der Ecke versuchte, durch den Zaun zu entkommen, packte Vincenzo Santoro blitzschnell zu und erwischte das Tier. «Ich war mir nicht sicher, was ich mit dem Fasan machen sollte. Zu Hause hatte ich keinen Platz für ihn.» Er rief einen Nachbarn an: Roland Fretz hält Geflügel und könnte vielleicht einen solchen Vogel vermissen.

In Obhut gegeben

Zwar fehlte der Familie kein Tier, aber Vincenzo Santoro konnte den Vogel am gleichen Tag vorübergehend in deren Obhut geben. «Ein wenig hat es mich schon gereut, da es ein so schönes Tier war», sagt er abschliessend.

«Den Fasan nahmen wir gerne bei uns auf. Er ist uns, wegen seiner Schönheit ans Herz gewachsen. Doch war der kleine Käfig bei uns nur als Übergangslösung geeignet», so Therese Fretz. Der Fasan konnte drei Wochen bei der Familie Fretz bleiben. Sie fütterten und pflegten das Tier. Ausserdem warf der Ökologe Reto Zingg einen Blick auf den Fasan, um dessen Alter und Herkunft zu bestimmen: «Das Tier war bereits ausgewachsen und ist möglicherweise irgendwo ausgerissen», so Reto Zingg. Vincenzo Santoro erkundigte sich in dieser Zeit nach einem geeigneten Platz für den Vogel.

Voliere für Fasane

«Schliesslich kam Vincenzo Santoro vorbei und nahm den Fasan mit, da er einen Platz gefunden hatte», so Therese Fretz. Dort könne der Fasan auch mit gleichartigen Tieren leben, statt sich mit unterschiedlichen Vögeln den Platz teilen zu müssen, sagt sie.

Wenn der Fasan nicht wieder ausgerissen ist, befindet er sich noch in einer privaten Voliere in Neu St. Johann.

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