Ein verspätetes Tschüss

Dietfurt. Um ein Butterbrot spielen wollte Miss Moneypenny nicht mehr. 14 Jahre hatte sie gerockt, die Miss aus Dietfurt, Auftritte gesucht und gemacht, nichts verdient dabei und gerade mal die Unkosten gedeckt. Vierzehn Jahre für den Spass und für ein Butterbrot – irgendwie zu wenig.

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Dietfurt. Um ein Butterbrot spielen wollte Miss Moneypenny nicht mehr. 14 Jahre hatte sie gerockt, die Miss aus Dietfurt, Auftritte gesucht und gemacht, nichts verdient dabei und gerade mal die Unkosten gedeckt. Vierzehn Jahre für den Spass und für ein Butterbrot – irgendwie zu wenig. Da löste sie sich auf, Miss Moneypenny. Das war vor einem Jahr.

Kein Revival

«Es gibt kein Revival!», sagt Marco Rusch, Keyboarder. Was in der vergangenen Woche auf der Internetplattform Facebook angekündigt wurde, war nicht die Androhung eines Relaunch der Rockband Miss Moneypenny, sondern «nur» eine CD-Taufe. Eine CD-Taufe? Warum lassen Eltern, die es gar nicht mehr gibt, ein Kind taufen? «Wir haben die Songs, die noch vor unserer Auflösung entstanden sind, zusammengenommen und auf eine CD gebrannt», erklärt Rusch.

Alles unveröffentlichtes Material, zwölf neue Songs, brandheiss selbstverständlich, geprägt von der Stimme der Miss, von David Montoya, den man zwei Jahre vor der Auflösung als Ersatz für den abgetretenen Martin Gerschwiler engagiert hat. Ihm war am meisten daran gelegen, dass seine Stimme mit der Miss für die Ewigkeit erhalten bleibt.

Man habe dieses allerletzte Miss-Album auf vielseitigen Wunsch der Fans zusammengestellt, meint Rusch: «Es ist auf 100 Stück limitiert, es gibt sie nirgends im Handel zu kaufen, und sie sind auch schon fast alle weg!» «Delayed & good bye» heisst das silbrige Stück, «verspätet und Tschüss». Ein sinniger Titel. Selbstverständlich musste die Fertigstellung des Werks gefeiert werden.

Das geschah am Abend des Gründonnerstags in der Wiler «Red Lounge» im Beisein aller Ex-Missen und aller übrig gebliebener Fans. Es gab keine Taufpaten, aber viele geladene Gäste, es floss kein Champagner, dafür viel Bier, und es gab keine Live-Vorstellung, dafür erschollen die nun erst veröffentlichten Songs ordentlich kräftig aus den Lautsprechern.

Jenes Turnhallen-Fest

Zwischendurch wurde von alten Zeiten geplaudert, von denkwürdigen Proben und Auftritten und von jenem Turnhallen-Fest am 3. Mai 1995, als man zum ersten Mal zusammenspielte und danach gleich eine Band gründete. Oder vom Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen in der gleichen Turnhalle, als man mit Schlagzeuger Walter Keisers väterlicher Zuwendung einen neuen Groove implementierte. Wie schnell sind all diese Jahre vergangen, stöhnt einer der Missen.

Dass man nicht für immer jung bleiben kann, beweist Drummer Christian Schönenberger, der vor einem halben Jahr sein persönliches Taufkind in den Händen hielt – seine erstgeborene Tochter. «Vielleicht machen wir jedes Jahr ein Veteranentreffen», sagte Schönenberger bei der Auflösung der Band vor einem Jahr. Die CD-Release-Party vom Gründonnerstag dürfte das erste gewesen sein.

Michael Hug

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