«Ein Verbot hätte Signalwirkung»: Verein AnStoss würde Richtwert für Lärmbelastung von Töffs begrüssen

Auf fünf Strecken in Tirol gelten Fahrverbote für «laute» Töffs. Dürfen Lärmgeplagte am Stoss auf Ähnliches hoffen?

Andrea C. Plüss
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Fahrspass, Natur und Technik, dazu das Brrrrummm: Ein Töfffahrer am Stoss (Oktober 2019).

Fahrspass, Natur und Technik, dazu das Brrrrummm: Ein Töfffahrer am Stoss (Oktober 2019).

Bild: Max Tinner

«Österreich macht ernst» titelte «Moto Sport Schweiz» in der Ausgabe vom 18. Juni. Ohne grosse Ankündigung hatte die Tiroler Landesregierung auf fünf Strassenabschnitten im Bezirk Reutte ein Fahrverbot für Motorräder erlassen, die ein Standgeräusch von über 95 dB aufweisen. Ziel sei es bei diesem Pilotprojekt, die Lärmbelastung der Bevölkerung an besagten Strecken zu verringern.

Mit der kurvenreichen Stossstrasse, die von Altstätten ins Appenzellerland nach Gais führt, gibt es einen Hotspot für Töffliebhaber, Tuningfreaks und Raser direkt vor der Tür. Der Verein AnStoss setzt sich seit 2013 dafür ein, die Lärmbelastung für Anwohnerinnen und Anwohner dieser Strecke zu reduzieren und arbeitet dabei engagiert mit der Polizei zusammen.

Alles, was den Lärm reduziert, wird begrüsst

«Jede Massnahme, die eine Verringerung der Lärmbelastung durch Motorräder bringt, werde begrüsst», teilt der Verein AnStoss auf Nachfrage mit. Der Tiroler Richtwert von 95 dB erscheine den Lärmgegnern jedoch «etwas hoch angesetzt». Und weiter:

«Ein Fahrverbot für Motorräder mit hohem Lärm­pegel hätte eine bedeutende Signalwirkung.»

Die Lautstärke der Motorräder wird in Dezibel (dB) angegeben und ist in Österreich und Deutschland im Fahrzeugschein eingetragen. Es handelt sich dabei um das Stand­geräusch. In der Schweiz finden sich Dezibelangaben auf einer Prüfplakette am Motorrad. Das Standgeräusch sagt jedoch nichts darüber aus, was lärmtechnisch während der Fahrt passiert.

Grundsätzlich seien die geltenden Lärmschutzvorschriften ausreichend, erklärte die St.Galler Regierung im August 2019 als Antwort auf einen entsprechenden Vorstoss zur Verringerung der Lärmbelastung durch den Einsatz von sogenannten «Lärmblitzern», die sich jedoch noch in der Entwicklungspha­se befinden. Es gelte, die gesetzlichen Rahmenbedingungen durchzusetzen und mit präventiven Massnahmen an ein rücksichtsvolles Fahrverhalten zu appellieren.

Ein Fahrverbot für gewisse Typenklassen am Stoss, im Bestreben, die Lärmbelastung für Anwohner zu senken, stand nicht zur Diskussion. Es sind auch nicht allein die Motorradfahrer, die unnötigen Lärm verursachen. Auch Auto- und Quadfahrer trügen am Stoss zur Lärmbelastung bei, teilt der Verein AnStoss mit.

Fahrverhalten beeinflusst Lärmemission

Das Fahrverhalten habe ei­nen entscheidenden Einfluss auf die Lärmemissionen, darauf verweist auch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) in einem Beitrag über «laute Fahrzeuge». Beim TCS hatte das Bafu im letzten Jahr eine Untersuchung zur Geräuschmessung bei Motorrädern in Auftrag gegeben. Zu Vergleichszwecken nahm der TCS auch sieben Motorroller und sechs Personenwagen in die Testreihe auf. Ein Fazit: Motorräder mit legaler Auspuffanlage seien nicht wegen übermässigen Lärmwerten aufgefallen.

Ein unnötig hoher Lärmpegel lässt sich mit Motorfahrzeugen auf unterschiedliche Art erzeugen. Man kann im Stand den Motor laufen lassen (kostet 60 Franken) oder man kann beim Anfahren rasant beschleunigen. Wer bei einem solchen «Kavaliersstart» erwischt wird, zahlt eine Busse ab 300 Franken. So viel kostet es auch, wenn man mit quietschenden Reifen und viel Gas aus der Kurve rast. Auch «unnötiges Herumfahren» in Ortschaften kann geahndet werden.

Beim Motorradgeschäft wird «richtig Gas gegeben»

«Grossvolumige Motorräder mit einem 1,5- oder 2-Liter- Motor erzeugen gar nicht so viel Lärm», sagt Bernhard Städler, Inhaber der Städler Motos AG in Widnau. Je geringer der Motoreninhalt, desto höher müsse die Drehzahl sein, um eine entsprechende Leistung zu erreichen – und das mache ganz schön Lärm, so Städler. Letztlich entscheide das Fahrverhalten über den Lärmpegel eines Motorrads.

Fast täglich beobachte er Motorradfahrer, die an seinem Geschäft vorbeifahren und «richtig das Gas aufdrehen», nur weil sie an einem Motorradgeschäft vorbeifahren. Dieses Fahrverhalten bringe dann alle Töfffahrer in Verruf. Das Fahrverbot in Tirol ist Städlers Meinung nach «ein Witz». Schliesslich handle es sich auch bei Maschinen mit einem Standgeräusch von mehr als 95 dB um homologierte Motorräder. Das bedeutet, die Modelle sind vom Strassenverkehrsamt zugelassen.

Aber macht eine Fahrt mit dem Töff über den Stoss überhaupt Spass, wenn aufs «Brrrummm» verzichtet würde?«Man kann die Kurven auch ohne Dröhnen fahren, aber dann muss ich sie eigentlich nicht fahren» sagt ein Motorradfreund, der nicht zu den Rasern gehört, aber manchmal halt zu den Lauten.

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