Ein überraschend klarer Sieger

LICHTENSTEIG. Den spannendsten Wahlkampf im Toggenburg gewann Mathias Müller. Er wurde mit 517 Stimmen zum neuen Lichtensteiger Stadtpräsidenten gewählt. Sein Herausforderer Stefan Rosenblum kam auf 292 Stimmen.

Hansruedi Kugler
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War zum Gratulieren gekommen: Stefan Rosenblum (links) gratulierte dem Wahlsieger Mathias Müller gestern abend an der Wahlfeier für alle Gewählten in der Kalberhalle Lichtensteig. (Bild: Hansruedi Kugler)

War zum Gratulieren gekommen: Stefan Rosenblum (links) gratulierte dem Wahlsieger Mathias Müller gestern abend an der Wahlfeier für alle Gewählten in der Kalberhalle Lichtensteig. (Bild: Hansruedi Kugler)

Der jetzige Lichtensteiger Ratschreiber Mathias Müller und der St. Galler Stadtparlamentarier und Bankkundenberater Stefan Rosenblum hatten monatelang um die Nachfolge von Roger Hochreutener gekämpft. Die meisten Lichtensteiger hatten mit einem knappen Ergebnis gerechnet, denn die Unterstützung für die Kandidaten ging quer durch die Parteien: Die FDP war gespalten, die SVP und eine Mehrheit der SP für Stefan Rosenblum, die CVP mehrheitlich für Mathias Müller. Einig waren sich gestern abend alle in einem Punkt: Mit dem eindeutigen Resultat gehe der neue Stadtpräsident mit einer soliden Basis in sein Amt.

Politische Standpauke

An der Wahlfeier für alle Gewählten gestern abend in der Kalberhalle setzte aber zunächst der amtierende Stadtpräsident Roger Hochreutener ein Ausrufezeichen. Er hielt den Anwesenden eine Standpauke in Sachen direkter Demokratie. So kritisierte er die Art des Wahlkampfes für das Stadtpräsidium, der viel zu früh begonnen habe, und er bemängelte besonders die Rolle der Ortsparteipräsidenten. Diese hätten ihre Aufgabe nicht erfüllt: «Man kann in einer Gemeinde nicht neun Monate lang Wahlkampf führen», meinte Roger Hochreutener. In diesem Hick-Hack habe die Sachpolitik kaum noch Gehör gefunden und die Gemeinderäte hätten ihre Aufgaben und Rollen überhaupt nicht mehr öffentlich bekannt machen können. Dass man in dieser Stimmung zwei Sitze im Schulrat nicht besetzen konnte, verwundere ihn nicht. Er hoffe nun, dass dieser veritable Krach auf Jahre hinaus der letzte sei in Lichtensteig: «Das soll nicht heissen, dass man keine Referenden mehr lancieren darf», sagte Roger Hochreutener. Aber jeder müsse sich ernsthaft fragen, ob das eigene Verhalten der Gemeinde nütze oder schade. «Nicht alles was in die Hose geht, ist die Schuld des Stadtpräsidenten», so Roger Hochreutener. Lichtensteig stehe nun aber im Vergleich mit anderen Gemeinden gut da, die Voraussetzungen für künftige Aufgaben und für die Arbeit seines Nachfolgers stünden gut.

«Grabenkämpfe vergessen»

Über das klare Wahlergebnis waren auch die beiden Kandidaten überrascht. «Das Resultat war schwierig vorauszusagen», meinte etwa Mathias Müller. Der lange und gelegentlich aufreibende Wahlkampf hinterlasse bei ihm aber keine Spuren. Er werde sich demnächst mit seinen politischen Gegnern an einen Tisch setzen: «Es bringt nichts, wenn wir die Grabenkämpfe weiterführen. Vergessen wir diese so bald als möglich.» Er wolle jetzt vorwärts schauen. Sachpolitisch wolle man im Städtli ohnehin dasselbe. Konkret stehe die Erneuerung der Infrastruktur auf der Traktandenliste, unter anderem auch die Sanierung der Kalberhalle.

«Strenger Wahlkampf»

Stefan Rosenblum, der zum Gratulieren nach Lichtensteig gekommen war, zeigte sich von der Klarheit des Resultats ebenfalls überrascht. Er habe ein knappes Ergebnis erwartet. «Es war sicher der strengste Wahlkampf in meiner bisherigen politischen Laufbahn», sagte Stefan Rosenblum. «Die Grenzüberschreitung zum Ende des Wahlkampfs fand ich inakzeptabel», und meinte damit den an alle Haushaltungen verteilten Brief von CVP-Präsident Bruno Sutter, in welchem dieser die persönliche Qualifikation Stefan Rosenblums angezweifelt hatte. Trotzdem blicke er mit guten Gefühlen zurück: «Bleiben werden Erinnerungen an schöne Gespräch und neue Freundschaften.»

Unterstützung gefordert

Per Medienmitteilung meldete sich auch die Interessengemeinschaft Stadtpräsidium. Sie gratuliere Mathias Müller zu seinem deutlichen Wahlsieg, so IG-Sprecher Peter Hüberli. Die IG verbinde diese Glückwünsche mit der Hoffnung, dass Mathias Müller allen Lichtensteigerinnen und Lichtensteigern auf Augenhöhe und mit Gleichheit begegne. «Allen, welche Stefan Rosenblum und die IG im Wahlkampf unterstützt haben, danken wir herzlich. Wir rufen Sie auf, diesen demokratischen Entscheid zu respektieren und den neuen Stadtpräsidenten zu unterstützen.»