Ein Traum wird Wirklichkeit

Als Kind war Margrit Egger viel im Chössi-Theater und träumte davon, selbst auf dieser Bühne aufzutreten. Nun wird dieser Traum Wirklichkeit: Heute präsentiert sie im «Chössi» ihre Lieder.

Mirjam Bächtold
Merken
Drucken
Teilen
Margrit Egger und Cali Flores verbinden in der Musik melancholische Klänge und peruanische Rhythmen. (Bild: Mirjam Bächtold)

Margrit Egger und Cali Flores verbinden in der Musik melancholische Klänge und peruanische Rhythmen. (Bild: Mirjam Bächtold)

LICHTENSTEIG. In melancholischen Klängen singt Margrit Egger von Narben in einem Baumstamm, von einer Träne aus Harz, die zu Bernstein wird. Ihre Stimme ist fein, trotzdem kräftig und voller Sehnsucht. Fetzige Rhythmen begleiten ihren Gesang und heben die Schwere der Worte auf. Der Rhythmus, den Cali Flores trommelt, stammt aus Peru. Margrit Eggers Liebe zum Land kommt in ihrer Musik zum Ausdruck.

In die Musik verliebt

Vor 15 Jahren reiste Margrit Egger zum ersten Mal nach Peru für einen Sozialeinsatz. «Einmal besuchten wir eine Schule und in einem leeren Schulzimmer begannen zwei Peruaner Gitarre zu spielen und zu singen. Seither bin ich in die peruanische Musik verliebt», sagt die 34-Jährige. In den letzten Jahren reiste sie immer wieder nach Lima und begann, selbst Lieder zu schreiben. Anfangs schrieb sie auf Spanisch, ihre Texte beschreiben Alltagsmomente. «Manchmal gibt es einfach Augenblicke und Gefühle, die mich packen. Dann höre ich ein Lied im Kopf, das mich nicht mehr loslässt, bis ich es fertig geschrieben habe.» 2011 hatte Margrit Egger genügend Lieder zusammen für eine CD. Da sie keine musikalische Ausbildung hat, suchte sie jemanden, der die Liedstimme für sie in ein Arrangement verwandeln konnte. Cali Flores, der in Peru schon seit 40 Jahren von der Musik lebt, wurde ihr empfohlen. «Er hat Arrangements für Gitarre, Blasinstrumente, Bass und Perkussion geschrieben und mich bei den CD-Aufnahmen unterstützt», sagt Margrit Egger. Während der Produktion der CD merkten die beiden, dass sie in der Musik dieselbe Sprache sprechen, dass sie weiterhin gemeinsam musizieren möchten. «Durch Cali habe ich gemerkt, dass ich zuerst meine eigenen musikalischen Wurzeln kennenlernen muss, um Neues zu kreieren.» Erst in Peru hat Margrit Egger begonnen, Schweizerdeutsche Lieder zu schreiben. Von Cusco aus habe sie sich zu einem Jodelkurs im Toggenburg angemeldet. «Ich bin im Toggenburg aufgewachsen, kam aber nie mit der traditionellen Musik in Kontakt. Als ich den Kurs begann, merkte ich aber, dass sie ein Teil von mir ist.» Heute webt sie auch Jodelgesänge in ihre Lieder und verbindet die Schweizer mit der peruanischen Musik.

Musizieren via Skype

Cali Flores und Margrit Egger verbindet heute mehr als die Musik. «Ich habe ihn engagiert, weil ich seine Qualität als Musiker schätzte. Und dann habe ich mich in ihn verliebt, weil ich seine Qualität als Mensch kennengelernt habe», sagt Margrit Egger. Die beiden sehen sich nicht oft, sie lebt in Winterthur, wo sie als schulische Heilpädagogin arbeitet, er in Lima. Beide pendeln zwischen der Schweiz und Peru, wenn es gut geht, können sie sich viermal im Jahr treffen. «Dank der Technik funktioniert die Beziehung gut. Wir skypen, nicht nur zum Reden. So können wir zusammen essen oder musizieren», sagt Margrit Egger. Wenn sie in Lima ist, tritt sie mit Cali Flores und drei anderen Musikern auf. Das erste Konzert fand dank der Unterstützung durch die Schweizer Botschaft in Lima statt. «In Peru kennt man Cali, das erleichtert es uns, Auftritte zu bekommen. In der Schweiz fingen wir bei null an.» Zuerst wollte Margrit Egger mit derselben Formation der Instrumente auftreten wie in Peru, doch dann merkte sie, dass dies nicht passte. «Für die Auftritte hier wollte ich ein Schweizer Instrument dabei haben», sagt die Künstlerin. Cali Flores schrieb also neue Arrangements, diesmal für Schwyzerörgeli, Klarinette, Kontrabass, Piano und Perkussion. Es war eine Herausforderung für den Peruaner, Noten für das Schwyzerörgeli zu schreiben. «Ich wusste nicht, welche Töne ich zur Verfügung hatte, und musste das Instrument erst kennenlernen», sagt er. Via Skype unterhielt er sich mit der Musikerin und zusammen probierten sie aus, bis das Arrangement stimmte.

Kindheitstraum erfüllt sich

Am Wochenende sind nun Margrit Eggers erste Auftritte in der Schweiz, einer davon heute Samstag im Chössi-Theater. «Es war immer ein Traum, einmal hier aufzutreten. Deshalb ist dieses Konzert für mich emotionaler als andere. Auch die Nervosität ist grösser.» Es sei für sie einfacher, in Lima aufzutreten, wo sie kaum jemanden kennt, als hier in ihrer Heimat. Doch ein gewisser Grad an Nervosität gehöre dazu. Viel grösser ist die Freude, ihre Lieder, deren Wurzeln im Toggenburg liegen, dem Publikum zu präsentieren.