Ein Toggenburger Fest

Vor 100 Jahren

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Das Toggenburger Tagblatt veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

Das Toggenburger Tagblatt veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

Vor 100 Jahren

1. September: Wattwil. Die Musikgesellschaft Wattwil-Ulisbach erfreute durch ein Ständchen beim Krankenhaus die Einwohner von Wattwil. Trotzdem eine grosse Anzahl der Bläser sich im Dienste des Vaterlandes befinden, wagte es die stets rührige Gesellschaft doch, an die Oeffentlichkeit zu treten. Die vorgetragenen Stücke wurden sehr gut gespielt und erwähnen wir das schöne, der jetzigen ernsten Zeit anpassende Lied «Das Kreuz im roten Feld» und den schneidig vorgetragenen Schlussmarsch «Unterm weissen Kreuz» von Voigt. In den Vorträgen merkte man, dass die kleine Gesellschaft nicht wie andere Schwestergesellschaften bei Ausbruch des Krieges das Gewerbe an den Nagel hängt, sondern die Proben regelmässig abhielt und eifrig bemüht war auf der Höhe zu bleiben. Wir wollen hoffen, das nach Entlassung der 6. Division die Musikgesellschaft wieder vollständig besetzt ist.

Vor 50 Jahren

1. September: Oberes Toggenburg. Trotz der vielfach regnerischen Witterung hatten sich doch auch dieses Jahr viele Kurgäste im mittleren Obertoggenburg eingefunden, um hier Ruhe, Erholung und Ausspannung zu finden, auch wenn offensichtlich die Dauer der Ferien – bedingt durch das Wetter – da und dort gekürzt worden sind. Eingesetzt haben die Alpfahrten, die dieses Jahr witterungsbedingt früher als sonst stattfinden. Beim heutigen enormen Strassenverkehr ist es nicht immer leicht, grössere Herden durch Ortschaften zu treiben, und es ist daher die Rücksicht aller Strassenverkehrsteilnehmer notwendig.

1. September: Alpsteingebiet. Ein Alleingänger stürzte im Alpsteingebiet auf der Südseite der Freiheitstürme etwa 250 Meter gegen den Fählensee ab, wo er in einer Geröllrinne tot liegen blieb. Obwohl er gut ausgerüstet war, muss angenommen werden, dass es sich um keinen Wandkletterer handelt.

Vor 20 Jahren

4. September: Lichtensteig. Ein Fest der Bewegung, der Innovation und des Dialogs sollte das erste Toggenburger Fest im Städtchen Lichtensteig sein, und es hat die Hoffnungen aller Beteiligten mehr als erfüllt. Über 30 000 Besucherinnen und Besucher strömten durch die Gassen. Man preise viel zu oft vergangene Erfolge und vergesse darob die Gegenwart, meinte Talammann Thomas Grob. Dabei werde oft übersehen, dass sich vieles ständig in Erneuerung befinde. Auch im Toggenburg seien die Strukturen immer wieder angepasst, Dörfer vereint und Aufgaben gemeinsam gelöst worden. Nicht nur Völker, auch die Volkswirtschaft sei Zyklen unterworfen, und in der Regel dauere der Abstieg so lange, bis sich die Einsicht durchgesetzt habe, dass Veränderungen unabdingbar seien. Innovation gründe im Willen, Bestehendes in Frage zu stellen, bevor es zur Antiquität geworden sei. Das Toggenburger Fest sei sichtbarer Beweis dafür, dass der innovative Geist Fuss gefasst habe im Tal. Das Toggenburger Fest wolle den Anstoss dazu vermitteln, dass «Älpler» und «Städter» der Region miteinander ins Gespräch kämen, erklärte der Lichtensteiger Stadtammann Fridolin Eisenring. Doch nicht jedes Gespräch sei auch ein Dialog, und nur, wer zuhören könne, sei ein echter Gesprächspartner. Ein gutes Gespräch sei nur möglich, wo eine eigene vorgefasste Meinung überdacht werde und die Bereitschaft vorhanden sei, bessere Argumente anzunehmen.

Vor 10 Jahren

1. September: Unterwasser. Nach weniger als fünfmonatiger Bauzeit kann die neu sanierte Standseilbahn auf Iltios eingeweiht werden. Nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern nach Abwägen der finanziellen und technischen Möglichkeiten haben sich die Verwaltungsräte der Bergbahnen Unterwasser-Iltios-Chäserrugg AG dafür entschieden, die über 70-jährige Standseilbahn zu sanieren und nicht durch eine andere Bahntechnik zu ersetzen. Das 5,5 Millionen-Franken-Projekt wurde nach langer Vorbereitungszeit Ende März in Angriff genommen. Beim alten Trassee mit der eher engen Spurbreite von 80 Zentimetern war kaum Platz vorhanden, um die Rollengruben, beziehungsweise die Seilrollen zu platzieren. Dies ergab grössere Abnutzung und mehr Revisionsaufwände an einzelnen Rollen. Mit der neuen Spurbreite von 100 Zentimetern konnte die Garaventa AG die Verteilung der Seilrollen mehrheitlich am Radius des Gleisspiegels anpassen und eine materialschonende Platzierung der Seilrollen vornehmen. Damit sind alle Möglichkeiten für spätere, grössere Bahnwagen und höhere Fahrgeschwindigkeiten offen.

2. September: Toggenburg. Einweihungsfest und Tage der offenen Tür der Markthalle Toggenburg in Wattwil. Was vor rund drei Jahren als Utopie belächelt wurde, wird zwei Jahre nach der Genossenschaftsgründung offiziell eingeweiht. Das Toggenburg und das Linthgebiet haben ihre Markthalle gebaut. Sie steht in der Au, sieben Gehminuten vom Bahnhof Wattwil entfernt. Imposant von aussen: Giebeldach und fünf Meter Vordach wurden von der Baukommission als zwingend vorgesehen. Imposant von innen: Der Innenraum mit der Restaurantbox bietet viel Ausstellungsraum. In Zusammenarbeit mit der IG Holz Toggenburg wurden rund 1300 Kubikmeter Käferrundholz bereit gestellt. Bei den Arbeitsvergabungen ist es gelungen, über 90 Prozent der Bausumme im Einzugsgebiet der Markthalle zu platzieren.