Ein Stall für die Zukunft

EBERSOL. Die neue Tierschutzverordnung war für die Familie Stauffacher ein Grund, ihre alten Ställe durch einen neuen zu ersetzen. Nebst der kantonalen Unterstützung bekam die in Ebersol lebende Familie Mittel von der Schweizer Berghilfe.

Rouven Kuster
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Bergbauern-Familie Stauffacher arbeitet gemeinsam am neuen Stall für ihre Milchkühe. (Bild: Rouven Kuster)

Bergbauern-Familie Stauffacher arbeitet gemeinsam am neuen Stall für ihre Milchkühe. (Bild: Rouven Kuster)

Ein Holzbau mit einem Fundament aus Beton, einem Schrägdach und einer Stallseite, die das ganze Jahr offen bleibt. So ist der neue Stall der Familie Stauffacher konzipiert, dessen Nutzung sie auf den 1. Mai geplant haben. Bisher verwendete die Familie zwei alte Ställe, wobei einer davon über hundert Jahre alt und der andere sehr weit vom Haus der Stauffachers entfernt ist. «Ich wollte meinem Vieh schon lange mehr Auslauf ermöglichen», sagt Walter Stauffacher. Der Platzmangel sei seit geraumer Zeit ein Thema gewesen. Nachdem bekannt wurde, dass im September die neue Tierschutzverordnung in Kraft tritt – die unter anderem zur Folge hat, dass die Standplätze in Ställen grösser sein müssen als bisher – nahm Walter Stauffacher diese Veränderung als Chance, statt als Ärgernis an. So nahm er zusammen mit einem Betriebsberater die Planung für einen neuen Stall in Angriff. Sich an Veränderungen anzupassen ist für den Bergbauern aus Ebersol etwas Sinnvolles. Es nütze nichts, immer und überall anzuecken. Der neue Stall ist – im Vergleich zur Umstellung auf Bio, die er vor zwölf Jahren vornahm – ein grösseres Projekt, bei dem viele Faktoren zu berücksichtigen sind.

Bauen für die Kuh

Damit der neue Stall eine lohnende Investition für die Zukunft wird, hat Walter Stauffacher einen Kurs «Bauen für die Kuh» besucht und sich über Magazine informiert. «Zudem habe ich viele neu erbaute Ställe vor Ort besucht, um zu erfahren, was alles möglich ist. Am Ende habe ich mich für eine Variante mit einer offenen Front aus einem holländischen Magazin entschieden», so Walter Stauffacher. Für den Bau musste er zahlreiche Bewilligungen einholen und Gesuche einreichen. Um den finanziellen Aufwand abzudecken, bekam die Familie Stauffacher Unterstützung vom Kanton. «Dafür wurde von unserem Betriebsberater vor allem überprüft, ob die Finanzierung tragbar ist.» Um die zusätzlich anfallenden Kosten zu decken, die aufgrund der hohen Lage und zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit anfielen, bekam die Familie Unterstützung von der Schweizer Berghilfe.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn bei einem Betrieb ein wirtschaftliches Einkommen gewährleistet ist, sich dieser aber neue Anschaffungen nicht aus eigener Kraft leisten könne, werde er von der Schweizer Berghilfe unterstützt, sagt Max Hugelshofer, Redaktor bei der Schweizer Berghilfe. «Die Pläne und konkreten Ideen, wie auch ein Grossteil der Finanzierung müssen vom Antragssteller selbst kommen. Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe», sagt er. Den Kurs, den Walter Stauffacher besucht hat, sei keine Vorgabe, wirke sich aber sicher positiv auf die Bewilligung des Gesuchs aus. Die Meinung des Betriebsberaters sei aber auch sehr wichtig. «Ausserdem überprüfen wir jedes an uns gestelltes Gesuch vor Ort mit einem eigenen Experten. Das ist das Spezielle an unserer Stiftung,» so Max Hugelshofer. Am Ende wurde das Gesuch der Familie Stauffacher von der Schweizer Berghilfe bewilligt.

Nachdem die finanzielle Frage und dadurch die Planung beendet war, konnte sich die Familie Stauffacher an die eigentliche Aufgabe machen, an den Bau des Stalles.

Eine Familienkreation

Ende Oktober war die Planung beendet und da Walter Stauffacher kostengünstig bauen wollte, begann er, nachdem ein Bauunternehmen das Fundament gelegt hatte, selbst mit dem Ausbau, mit Hilfe von ein paar Kollegen aus der Umgebung. Zur Unterstützung packte die ganze Familie mit an, inklusive die Kinder an ihrem freien Mittwochnachmittag. Walter Stauffacher arbeitet nachdem er seine Pflicht im Stall verrichtet hat, selbst täglich vier bis fünf Stunden am Bau des neuen Stalls. Dabei ist er froh, dass ihm der jetzige Aufwand später welchen erspart. «Die Modernität des Stalls macht für mich nachher vieles einfacher. Beispielsweise eine Schieberentmistung, die am Abend den anfallenden Schmutz wegtransportiert.» Davor sei das alles Handarbeit gewesen, sagt Walter Stauffacher. Dazu kommt der automatische Transport von Milch in einen separaten Raum, das Nachfüllen des Wasserpegels in den Tränketrog und den zusätzlichen Platz, der das Trennen von Fress- und Liegeplätzen der Kühe ermöglicht. Der Platz erlaubt ihm, im Betrieb aufzustocken.

Ankauf weiterer Tiere

Bisher konnte die Familie Stauffacher 20 Milchkühe halten, die bereits unter Platzmangel litten. Nun möchten sie, dank des neuen Stalls, auf 30 aufstocken. «Mit dem zusätzlichen Auslaufplatz und der ganzjährig gewährleisteten Frischluft sollte es kein Problem sein, dass sich hier noch mehr Kühe wohl fühlen», sagt Walter Stauffacher.

Die Milch, die er täglich produziert, bringt er in eine Sammelstelle in Brunnadern. Von dort wird sie an die Molkerei Biedermann in Bischofszell spediert und dort für diverse Produkte verwendet. Das Leben als Bergbauer möchten Walter und seine Frau Claudia Stauffacher nicht missen, seit er diesen Betrieb eines Nachbarn übernommen hat. «Es hat zwar keine anderen Kinder in der direkten Umgebung, dafür muss man nicht immer Angst haben, wenn sich unsere Kinder frei draussen bewegen. Es geht bei uns immer lebendig zu und her», sagt Claudia Stauffacher abschliessend.

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