Ein seltener Fund im Eichenmoos

Naturschützer Wolfgang Reisser hat im Gossauer Moor Eichenmoos einen seltenen Farn entdeckt. Nun hofft er, dass dem Naturschutzgebiet kantonale Bedeutung beigemessen wird und es stärker ins Bewusstsein der Gossauer rückt.

Nina Rudnicki
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Der Kammfarn ist unscheinbar, sein Fund aber von grosser Bedeutung: Im Kanton gibt es nur ein weiteres bekanntes Vorkommen. (Bild: Michel Canonica)

Der Kammfarn ist unscheinbar, sein Fund aber von grosser Bedeutung: Im Kanton gibt es nur ein weiteres bekanntes Vorkommen. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU. Gleich hinter Aldi, Mc Donald's und Coop-Tankstelle an der Wilerstrasse in Gossau liegt das idyllische Naturschutzgebiet Eichenmoos. Es ist von einer dicken Schilfwand umgeben und nur von einer Ecke hinter dem Möbelhaus Schnetzer aus betretbar – allerdings aus Schutzgründen nicht für jedermann. Bei diesem Zugang wartet Wolfgang Reisser vom Naturschutzverein Gossau und Umgebung, um zu seiner neusten Entdeckung zu führen: Anfang Monat ist er auf den seltenen Kammfarn gestossen, von dem man bislang glaubte, dass er im Kanton St. Gallen nur noch im Kaltbrunner Riet vorkommt.

Nun läuft Wolfgang Reisser im Gossauer Eichenmoos mit grossen Schritten über den sumpfigen Boden, der bei jedem Schritt nachgibt. Die Vorstandsmitglieder Edith und Hans Jörg Rüdisühli begleiten ihn. Letzterer sagt: «Der Naturschutzverein Gossau ist seit 1952 für das Eichenmoos zuständig. Es kann gut sein, dass der Kammfarn seit damals hier wächst, wir es aber nie wussten.»

200 verschiedene Arten

Der Fund des Kammfarns ist für den Naturschutzverein gleich aus mehreren Gründen wichtig. Einerseits hoffen die Vereinsmitglieder, dass das Eichenmoos nun statt als Naturschutzgebiet von regionaler Bedeutung als Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung eingestuft wird. Damit würde die Gefahr gemindert, dass das Gebiet eines Tages zugeschüttet und beispielsweise für die Industrie genutzt wird. Andererseits hofft Wolfgang Reisser, dass das Gebiet nun in der Bevölkerung bekannter wird und an Wertschätzung gewinnt. Auf dem rund 18 500 Quadratmeter grossen Areal gibt es nebst dem vielen Schilf mehrere Weiher, einen Bachlauf, Büsche und Bäume, Nasswiesen, ein Flachmoor und Orchideen. Es ist das Zuhause von Amphibien, Eidechsen, Ringelnattern, Bodenbrütern, Zugvögeln, Schmetterlingen, zahllosen weiteren Insekten und Kleinlebewesen. «Insgesamt sind es wohl 100 bis 200 Pflanzen und höhere Tierarten», sagt Reisser, der zusammen mit den anderen Vereinsmitgliedern jährlich bis zu 600 Stunden Freiwilligenarbeit im Eichenmoos leistet. «Ein Problem ist, dass der Bach zu viele Nährstoffe in das Gebiet bringt und der Schilf daher wie wild wuchert», sagt er. Und weil zwischen dem Schilf oft auch seltene Pflanzen wie eben der Kammfarn oder das Sumpf-Vergissmeinnicht wüchsen, müsse man diese Stellen mit der Sense statt mit dem Mäher schneiden. Eine aufwendige Arbeit.

Auf den Kammfarn ist Reisser nicht zufällig gestossen. Die Suche aufgenommen hat er, weil der Kanton ein Botanikprojekt zum Schutz der seltensten Pflanzen gestartet hat. Er sagt: «Weil ich im Umkreis von 30 Kilometern alle Moore kenne, wusste ich, dass im Eichenmoos aussergewöhnlich viele Farne wachsen und die Chance gross ist, dass auch der Kammfarn darunter sein könnte.»

Faszination Natur

Mitglied im Naturschutzverein Gossau ist Reisser seit 20 Jahren. Nach seltenen Pflanzen zu suchen und durch die Natur zu streifen, waren aber schon davor seine liebsten Freizeitbeschäftigungen. «In meiner fränkischen Heimat suchte ich in den Kiefernwäldern nach Orchideen und als ich in die Schweiz zog, entdeckte ich die erstmals die Moore», sagt er. Es habe ihn sofort fasziniert, wie diese Landschaften vor Jahrtausenden durch die Gletscherbewegungen entstanden sind. «Dank des Kammfarns ist es jetzt noch wichtiger als zuvor, das Moor zu schützen.»