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Ein Schuhmacher für alle Fälle

Ferit Kocoglu hat in seiner Heimatstadt Istanbul das Schuhmacher-Handwerk erlernt. Seit 1981 wohnt er in Wattwil. Viele Jahre führte er hinter Mode Weber sein Schuhmacher-Geschäft. Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste er sein Geschäft verkaufen und später nach Zürich verlegen.
Von Istanbul über Wattwil nach Zürich: Der Schuhmachermeister Ferit Kocoglu hat schon vielerorts Schuhe auf Vordermann gebracht. (Bild: Matthias Giger)

Von Istanbul über Wattwil nach Zürich: Der Schuhmachermeister Ferit Kocoglu hat schon vielerorts Schuhe auf Vordermann gebracht. (Bild: Matthias Giger)

Ferit Kocoglu hat einen beruflichen Hintergrund, der in der Schweiz selten geworden ist. Doch nicht nur in der Schweiz finden sich fast keine Schuhmacher mehr. Auch in der Türkei, wo der 58-Jährige sein Handwerk erlernt hat, gibt es immer weniger Schuhmacher im eigentlichen Sinn. «Es rentiert nicht mehr, Schuhe in Handarbeit herzustellen», meint er. Die Arbeit ist zu zeitaufwendig. Im Gegensatz zu maschinell gefertigten Schuhen seien selbst gefertigte fast unbezahlbar. Von seinem Wissen und Handwerk profitiert Ferit Kocoglu aber dennoch.

So lobt eine Kundin: «Er ist ein Gewinn für unser Quartier. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kann man ihm alles bringen. Er repariert auch Sachen, bei denen die meisten anderen Schuhmacher in Zürich abwinken.» Handtaschen, Gürtel und viele weitere Lederwaren fertigt er noch selbst. Nebst Schuhen repariert er auch Militärschuhe, Koffer, Taschen, Lederjacken, schleift Scheren und Messer, unterhält einen Schlüsselservice und verkauft jegliches Schuh-Zubehör, Schlüsselanhänger oder Portemonnaies.

In Zürich werden seine Arbeit und sein breites Angebot geschätzt. Das war auch in Wattwil so.

Seit vier Jahren in Zürich

Warum er sein Geschäft nach Zürich verlegt habe, werde er oft gefragt. Der Grund waren Rückenprobleme. «Ich musste eine Therapie machen und konnte 15 Monate nicht arbeiten», erzählt er. Deshalb verkaufte Ferit Kocoglu, der mit seinen Kunden in Wattwil sehr verbunden war, schweren Herzens sein Geschäft. Der Arzt empfahl ihm zudem, sich eine leichtere Arbeit zu suchen.

Eine solche fand er aber nicht. Also hielt er wieder Ausschau nach einem Schuhmacher-Geschäft. In Wattwil gab es bereits zwei Schuhmacher. Die Luft für ein drittes Geschäft wäre hier zu dünn gewesen. An der Asylstrasse in Zürich wurde er schliesslich fündig. Er übernahm das Geschäft eines Schuhmacher, der in Pension ging. Seine Frau Muazzez half ihm, das Geschäft auf Vordermann zu bringen.

Sie strichen die Wänden neu, verlegten einen neuen Boden und stellten Vitrinen auf, in denen allerlei Produkte ausgestellt sind. Die uralten Maschinen des Vorgängers ersetzte er durch neuere Occasionen.

In Wattwil verwurzelt

Seit vier Jahren pendelt er nun bereits zwischen Zürich und Wattwil. Um 5.30 Uhr steht er auf und nimmt den Zug um 6.30 Uhr. Um 7.45 Uhr beginnt er mit der Arbeit. Ab 8.30 Uhr kommen die Kunden. Abends um 19.

30 Uhr ist er wieder in Wattwil, wo er seit 1981 lebt. Nach Zürich zu ziehen kommt für ihn nicht in Frage. «In Wattwil ist es schön ruhig und hier fühle ich mich zu Hause», meint er. Seit 20 Jahren wohnt er an der Grüenaustrasse. Zuvor wohnte er neun Jahre in der Schomattenstrasse. Er wanderte mit seiner Frau Muazzez 1981 direkt nach Wattwil aus. Bis er sich am 2. Januar 1992 selbständig machte, arbeitete er bei Reich-Sport. Mit seinem Chef Kaspar Reich hat er sich von Anfang an gut verstanden.

Er habe ihm sehr geholfen und sei leider viel zu früh gestorben. Ferit Kocoglu war mit ihm im Armbrustschützenverein Wattwil.

Während er ein Paar Schuhe repariert, pfeift er vergnügt eine Melodie. Das hängt mit seinem Hobby zusammen. Ferit Kocoglu musiziert, singt und spielt für sein Leben gerne Keyboard. In seiner Freizeit schaut er sich ausserdem Fussballspiele des FC Wattwil Bunt an oder grilliert im Garten mit seiner Familie, Freunden und Nachbarn.

Der Platz der Schuhmacher

Jedes Jahr macht er vier Wochen Ferien in Bodrum, in der Südtürkei. Täglich fährt er dort mit einem kleinen Boot aufs Meer und setzt ein Netz aus. Das Netz hat er von seinem verstorbenen Vater. Seine Eltern stammen beide aus einer traditionellen Fischerfamilie. Ferit Kocoglu tanzte mit seiner Laufbahn als Schuhmacher also ziemlich aus der Reihe.

In Istanbul, wo seine Mutter und seine drei Schwestern noch heute leben, ist er zur Welt gekommen und aufgewachsen.

In der Stadt am Bosporus hat er auch sein Handwerk in fünf Jahren als Hilfsarbeiter erlernt. Im fünften Jahr machte er sich selbständig. Sein Geschäft hatte er an einem Platz, an dem es nur Schuhmacher gab. Konkurrenz herrschte aber keine, da sich jeder von ihnen spezialisiert hatte. Der eine fertigte Damenschuhe, der andere Herrenschuhe, der nächste Kinderschuhe.

In seinem Betrieb beschäftigte er damals vier Angestellte, die von ihm ihr Handwerk erlernten.

Sein Sohn Ceyhun und seine Tochter Neslihan sind erwachsen und ausgezogen. Sein Sohn hat sich gegen den Schuhmacher-Beruf entschieden und kürzlich in Zürich ein Restaurant eröffnet. Besonders freuen sich Ferit und Muazzez Kocoglu über ihren Enkel Metintan, der mit seiner Mutter Neslihan und seinem Vater regelmässig zu Besuch ist.

Ob sich Ferit Kocoglu wohl insgeheim wünscht, sein Enkel möge ein ebenso guter Schuhmacher wie er werden und als einer der letzten diesem Beruf alle Ehre machen? Matthias Giger

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