Ein schönes «Ja» zum Leben

Wenn ich draussen in die Natur schaue, dann explodiert jetzt plötzlich ein Meer von Farben und Formen, und das nach der Tristesse des Winters. Oh, wie schön!

Michael Nolle
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Michael Nolle Pastoralassistent Alt St. Johann-Wildhaus (Bild: Beatrice Bollhalder)

Michael Nolle Pastoralassistent Alt St. Johann-Wildhaus (Bild: Beatrice Bollhalder)

Wenn ich draussen in die Natur schaue, dann explodiert jetzt plötzlich ein Meer von Farben und Formen, und das nach der Tristesse des Winters. Oh, wie schön!

Über die Schönheit scheiden sich bekanntlich die Geister. Was dem einen schön ist, ist dem anderen ein Graus. Die Spruchweisheit sagt, dass die Schönheit in den Augen des Betrachters liege – das ist ja bestimmt nicht verkehrt. Aber wir Menschen haben auch das Substantiv Schönheit gebildet.

Es gibt also eine Idee von der Schönheit. Eine absolute Idee. Bei den alten Griechen, genauer bei Plato, war das Schöne neben dem Guten und der Gerechtigkeit eine der drei Hauptideen. Mit diesen drei Begriffen nähern wir uns wohl auch dem Göttlichen. Ich sehe etwas und empfinde es als schön, weil in diesem Ding bestimmte Strukturen vorliegen. Ich höre eine Musik und freue mich an den schönen Harmonien und Melodien – das alles ist Struktur und Ordnung und schöpferische Genialität. Oder in der Natur empfinde ich ein Laubblatt als etwas Schönes und der Mathematiker erklärt mir, dass dies bestimmte Grössenverhältnisse sind, der goldene Schnitt. Und dann ist die Frage, was wir beim Menschen als schön empfinden: Ob wir diese ganzen Casting- und Beautyshows im Fernsehen überhaupt noch ertragen mögen. Ob wir uns dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Schönheitsdiktat unterwerfen oder sagen, jetzt bin ich erst recht so, wie ich bin – und das ist gut so!

Moment mal, das gab es doch schon einmal… da im Märchen von Schneewittchen. Die alte Königin, die sich nur in der Selbstbespiegelung schön gefunden hat und dann durch Schneewittchen alles verloren hat – der Spiegel lügt nicht – und Schneewittchen, dieses «Naivchen», das so schön ist, aber doch seinen Weg zu wahrer Schönheit hinter den Bergen finden muss. Sein Dasein für die Zwerge, für die «Unterprivilegierten», verleiht ihm die wahre Schönheit – und diese schöne Freundschaft mit den Zwergen vermag das Gift der Königin zu überwinden. Das Märchen ist ein Lehrstück, wie wir Erfüllung und Schönheit im Leben finden können.

Wir Katholiken verehren im Monat Mai die Gottesmutter Maria als «wunderschön Prächtige». Maria ist nicht schön, weil sie zu lange in den Spiegel schaut. Das Schöne an Maria ist, dass sie im entscheidenden Moment zu Gottes Plan Ja sagen kann und uns den Erlöser schenkt. Das Schöne an ihr ist, und darin ist sie uns Vorbild, dass sie sich im entscheidenden Moment loslassen kann in den Plan eines anderen hinein. Und dieses «Ja» musste an Ostern durch einen der grössten an menschlichen Schmerzen durchgetragen werden, den Verlust des eigenen Kindes. Wenn wir Maria loben, wissen wir, dass wir damit Gott loben, denn selbst dieses schlichte «Ja» ist nicht alleine die grosse Leistung Mariens, sondern auch dazu brauchte es Gottes Hilfe, Gottes Gnade. Liebe Leser und Leserinnen, ich wünsche Ihnen in diesem Mai viele Begegnungen mit der Schönheit und daraus ein schönes «Ja» zum Leben.

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