«Ein schöner Abschied»

WATTWIL. Eigentlich wollte Rosmarie Müller ihr Haus verkaufen. Doch dann meldete sich der Regisseur von «Der grosse Sommer» und fragte, ob er das Haus für die Dreharbeiten mieten könne.

Mirjam Bächtold
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Rosmarie Müllers ehemaliges Haus wurde zum Filmschauplatz. (Bild: Mirjam Bächtold)

Rosmarie Müllers ehemaliges Haus wurde zum Filmschauplatz. (Bild: Mirjam Bächtold)

Rosmarie Müller erinnert sich noch gut daran, wie im November 2014 der Sarg aus ihrem Haus an der Ringstrasse getragen und mit dem Leichenwagen weggefahren wurde. Traurig ist sie darüber gar nicht: Der Sarg war leer, ihr Haus Schauplatz für den Film «Der grosse Sommer» mit Mathias Gnädinger in der Hauptrolle. Obwohl der Film in einem Vorort von Bern spielt, wählte die Filmcrew Rosmarie Müllers Haus aus, um darin die Wohnung vom ehemaligen Schwinger Anton Sommer einzurichten. Ausserdem lebt im Haus auch noch der zehnjährige Hiro mit seiner Grossmutter, die jedoch stirbt – deshalb die Szene mit dem Sarg.

Fotoalbum geschenkt

Rosmarie Müllers Haus stand damals zum Verkauf, sie wohnte bereits nicht mehr darin. «Als die Anfrage kam, dachte ich, warum nicht, das wird sicher spannend», sagt die ehemalige Wattwiler Weinhändlerin. Bereits zwei Wochen vor den Dreharbeiten kamen die Requisiteurinnen, um die zwei Wohnungen neu einzurichten.

Rosmarie Müller und Hauptdarsteller Mathias Gnädinger, der im April 2015 starb. (Bild: pd)

Rosmarie Müller und Hauptdarsteller Mathias Gnädinger, der im April 2015 starb. (Bild: pd)

Aus dem Wohnzimmer etwa wurde das Schlafzimmer für den Ex-Schwinger Anton Sommer. «Einige meiner Möbel übernahm das Filmteam gerne, dafür haben sie sie nach dem Dreh für mich entsorgt.» Die eigentlichen Dreharbeiten dauerten etwa zehn Tage. Rosmarie Müller ging immer wieder vorbei, schaute bei den Arbeiten an den Szenen zu oder brachte Kuchen mit.

Nach Abschluss der Dreharbeiten hat Rosmarie Müller zur Erinnerung ein Fotoalbum vom Filmteam erhalten. «Das ist ein wunderschönes Andenken an diese spannende Zeit.» Die Bilder erinnern sie an einzelne Episoden, etwa an das viele Laub, das für die Szene mit dem Sarg extra in grossen Säcken angeschleppt und auf dem Platz verteilt wurde, weil es dort keine Bäume gab. Oder an den Föhn, mit dem die Requisiteurin mangels Wind zum Fenster herein blasen musste.

Neugierige Nachbarin gespielt

Rosmarie Müller hat sogar selbst eine kleine Rolle im Film. «Falls ich nicht herausgeschnitten wurde», lacht sie. Regisseur Stefan Jäger brauchte noch eine neugierige Nachbarin, die zum Fenster herausschaut, wenn der Sarg mit der Grossmutter aus dem Haus getragen wird. Diesen Part übernahm Rosmarie Müller. Doch ihr Haus, sagt sie, habe viel die wichtigere Rolle gespielt. Die Hauptrolle hatte im Film wie auch am Set Mathias Gnädinger, der im letzten April an einer Lungeninsuffizienz gestorben ist. «Alle kümmerten sich um ihn, sorgten dafür, dass er sich zwischendurch in einem eigenen Zimmer ausruhen konnte und begleiteten ihn über den schmalen Weg zum Garten, damit er nicht stolperte.»

Er selbst sei ganz normal gewesen, obwohl er in der Schweiz ein Star war. Während der Dreharbeiten habe sie sich nicht getraut, ihn zu stören, erzählt Rosmarie Müller. «Aber am Schluss, als er in der Maske sass und sich abschminkte, sagte ich zu ihm: <Gell, jetzt bist du einfach wieder der Mathias.> Und er sagte, er sei froh, dass der Film jetzt im Kasten sei.»

Heute gehört das Haus einem Paar aus Rüti, das zurzeit noch Renovierungsarbeiten ausführt. «Die Dreharbeiten gaben meinem Haus eine spannende Geschichte und einen würdigen Abschied.»

Wenn der Wind fehlt, kommt ein Föhn zum Einsatz. (Bild: pd)

Wenn der Wind fehlt, kommt ein Föhn zum Einsatz. (Bild: pd)

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