Ein Rücktritt contre cœur

Nur noch bis morgen, dem letzten Tag des Jahres, ist der Teufner Edgar Bischof Kantonalpräsident der SVP. Mit seinem Rücktritt zieht er die Konsequenzen aus der Nichtnomination seiner Partei zum Nationalrat. Er sagt aber auch, dass er gerne noch im Amt geblieben wäre.

Monika Egli
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Edgar Bischof: «Ein Präsident, der die Unterstützung der eigenen Basis nicht mehr hat, muss die Zeichen der Zeit verstehen.» (Bild: Stefanie Sonderegger)

Edgar Bischof: «Ein Präsident, der die Unterstützung der eigenen Basis nicht mehr hat, muss die Zeichen der Zeit verstehen.» (Bild: Stefanie Sonderegger)

AUSSERRHODEN. «Wenn man etwas macht, macht man es richtig, und wenn etwas nicht mehr passt, muss man nicht jammern, sondern etwas ändern»: Das versteht Edgar Bischof unter Eigenverantwortung. Und er handelt auch danach.

Konsequenzen gezogen

Bei der Nominationsveranstaltung der SVP-Delegierten für die Nationalratskandidatur im letzten Sommer unterlag er David Zuberbühler um drei Stimmen. «Das war meine grösste politische Niederlage.» Hätte das Stimmvolk ihn abgelehnt, hätte er es einfacher akzeptieren können. «Aber es waren die eigenen politischen Freunde, die mir ihre Unterstützung nach all den Jahren versagt haben. Jeder Präsident, der die Unterstützung der eigenen Basis nicht mehr hat, muss die Zeichen der Zeit verstehen und die notwendigen Konsequenzen ziehen.» Edgar Bischof hat deshalb seinen Rücktritt als Kantonalpräsident der SVP auf Ende Jahr eingereicht; morgen ist er den letzten Tag im Amt. «Die politische Auseinandersetzung, das Einbringen von Wertvorstellungen fasziniert mich noch immer – eigentlich wäre ich gerne noch länger SVP-Präsident geblieben.»

Bleibt vorerst noch Kantonsrat

Politisiert worden ist Edgar Bischof an der HSG, als er den Lehrgang zur Unternehmungsführung von KMU absolvierte. Dort wurde ihm bewusst gemacht, dass es in der Politik zwingend auch Leute aus der Wirtschaft brauche, ansonsten «irgendwann nur noch Lehrer und Beamte politisieren». Er habe dann intensiv die verschiedenen Parteien verfolgt und ihre Entscheide mit der eigenen Wertehaltung verglichen. Für ihn zählen Unabhängigkeit, Eigenverantwortung und soziale Wohlfahrt ohne Missbrauch zu diesen Werten, und zwar «eine soziale Wohlfahrt, die nicht immer weiter ausgebaut wird, bis sie schliesslich die Starken schwächt». Diese Werte fand er in der SVP und engagierte sich vorerst in der Ortssektion Teufen, die er auch längere Zeit präsidierte. 2003 wurde er in den Kantonsrat gewählt und dort direkt zum Fraktionspräsidenten bestimmt. Das Präsidium der SVP-Kantonalpartei übernahm er vor 15 Jahren, war während der ersten sechs Jahre Vize-, die weiteren neun Jahre Parteipräsident. Zwar habe er sich überlegt, jetzt einen kompletten Schnitt zu tun und auch als Kantonsrat zurückzutreten. Edgar Bischof wurde aber erst dieses Jahr zum Präsidenten der kantonsrätlichen Finanzkommission (Fiko) gewählt. Es steht die Nachfolge des Leiters der unabhängigen Finanzkontrolle an, die formal dem Fiko-Präsidenten unterstellt ist. «Diese Aufgabe will ich sauber abschliessen. Nachher mache ich eine neue Lagebeurteilung.»

«Bester Nachfolger wäre Zubi»

Bis zur SVP-Delegiertenversammlung im Frühling, die das Präsidium neu bestellen wird, übernehmen die beiden Vize Inge Schmid und Michael Fuhrer interimistisch das Zepter. «Wir sind nicht unter Druck», sagt Edgar Bischof, die SVP sei gut aufgestellt. «Zu Beginn meiner Amtszeit wurden wir belächelt, später dann bekämpft, aber heute sind wir akzeptiert.» Die SVP sei einflussstark geworden und habe die Kraft, eigene Initiativen zu lancieren und zu gewinnen. Er erinnert an die Schulnoten-Initiative und die Verhinderung von HarmoS. In der Zeit seines Präsidiums hat die SVP – und das im Majorzsystem – zwölf Mandate im Kantonsrat erringen können. Dass das Proporzsystem noch nicht eingeführt sei, «ist denn auch ein Ziel, das ich nicht erreicht habe, was ich sehr bedaure». Auch dass die SVP die Ersatzwahl für alt Regierungsrat Hans Diem nicht schaffte, sei eine Niederlage gewesen.

Als Nachfolger für das Amt des Parteipräsidenten sähe Edgar Bischof Nationalrat David Zuberbühler. «Er hat beste Verbindungen nach Bern, kennt alle Vorlagen, wird überall eingeladen… Er wäre der optimale Botschafter und könnte viel bewegen.» Es werde in vielen Kantonen so gehandhabt, dass der Nationalrat das Kantonalpräsidium seiner Partei übernehme, so wie dies auch Jakob Freund tat.

Der Koch und Weinbauer

«Politik ist harte Arbeit», sagt Edgar Bischof. Ein grosser Teil dieser Arbeit fällt nun weg. Was will er mit der gewonnenen Freizeit machen? «Ich werde sie in den Ausbau meiner Immobilienfirma investieren.» Dann ist da auch noch der Kochclub, ein Rebberg, den er und sein Vater betreiben – und wieder mehr Zeit für die Familie und Sport.

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