«Ein Rechtsverfahren ist nicht ausgeschlossen»: Die neuen Tennisplätze der Sportanlage Schaies in Appenzell sind weiterhin nicht bespielbar

Bis die neuen Tennisplätze der Sportanlage Schaies benutzt werden können, wird es wohl noch eine Weile dauern. Die Plätze, die bereits wenige Monate nach der Eröffnung im August 2019 saniert werden mussten, sind noch immer ein «Flickenteppich». Der Lenkungsrat geht nun davon aus, dass sie komplett erneuert werden müssen. Auch könnte es zu einem Rechtsverfahren kommen.

Claudio Weder
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Farbige Markierungen zeigen die mangelhaften Stellen auf den neuen Tennisplätzen bei der Sportanlage Schaies an.

Farbige Markierungen zeigen die mangelhaften Stellen auf den neuen Tennisplätzen bei der Sportanlage Schaies an.

Bild: Claudio Weder

Auf den neuen Tennisplätzen bei der Sportanlage Schaies in Appenzell ruht der Ball. Und dies nicht etwa wegen Corona. Ende August 2019 wurde das bezirksübergreifende Generationenprojekt eingeweiht, und mit ihm die drei Allwetter-Plätze auf dem Dach der Tiefgarage, von denen zwei dem Tennisclub Appenzell zur Verfügung stehen. Dessen Mitglieder konnten diese aber bislang nicht benutzen, weil gravierende bauliche Mängel den Spielbetrieb verunmöglichen. Dies berichtete das Innerrhoder Lokalblatt «Appenzeller Volksfreund».

Bruno Huber, Bezirkshauptmann Rüte und Präsident «Lenkungsausschuss Schaies»

Bruno Huber, Bezirkshauptmann Rüte und Präsident «Lenkungsausschuss Schaies»

Bild: PD

Bruno Huber, Bezirkshauptmann von Rüte und Präsident des Lenkungsausschusses Schaies, spricht von einem «Flickenteppich». Bereits wenige Monate nach Fertigstellung der Anlage mussten die Tennisplätze saniert werden, weil zahlreiche Mängel zum Vorschein kamen. Die Mitglieder des Tennisclubs beanstandeten unter anderem das Ballabsprungverhalten, die Unebenheit der Plätze, Materialausbrüche, die Linierung sowie Hohlstellen unter dem Belag.

Plätze müssen womöglich komplett erneuert werden

Gemäss Huber wurden Teile der Mängel von einem unabhängigen Institut geprüft. Das Bauunternehmen hat die Mängel anerkannt und im Juli Sanierungsarbeiten durchgeführt, bei denen grosse Teile des Belags ersetzt wurden und damit ein Teil der Mängel behoben werden konnte. Nur:

«Die übrigen Mängel, darunter etwa die Materialausbrüche, wurden nicht behoben. Teilweise wurde sogar verschlimmbessert.»

Das habe nun zur Folge, dass die Tennisplätze noch immer weit davon entfernt seien, den Anforderungen für den Trainings- wie auch für den Meisterschaftsbetrieb zu genügen. Huber geht – nach einer Beurteilung durch einen Experten – davon aus, dass die Plätze nun sogar komplett erneuert werden müssen.

Der Lenkungsausschuss, der aus je einem Mitglied der fünf Bezirke des inneren Landesteils des Kantons Appenzell Innerrhoden besteht, wird demnächst über das weitere Vorgehen entscheiden. Klar ist für Bruno Huber, dass man eine erneute Wertminderung der Tennisplätze durch weitere Verschlimmbesserungen vermeiden wolle.

Ebenso stelle man sich die Frage, ob das Bauunternehmen, welches den Auftrag für die Errichtung der Tennisplätze bekommen hatte, überhaupt in der Lage sei, solche Sportplätze zu erstellen. Bereits kurz nach Vergabe der Bauaufträge sei dessen Kompetenz von einigen Anspruchsgruppen angezweifelt worden. Der Auftrag wurde aufgrund der Empfehlung des beauftragten Bauherrenvertreters von der Baukommission an dieses Unternehmen vergeben. Wie es zu dieser Empfehlung kommen konnte, ist in Klärung. «Aus Sicht der fünf an der Sportanlage Schaies beteiligten Bezirke hat man richtig gehandelt», sagt Huber.

Ebenso ist noch unklar, wer für die zusätzlichen Kosten aufkommt. Huber geht von einem finanziellen Schaden von über 150 000 Franken aus. Die Gesamtkosten der Tennisplätze beliefen sich bei der Auftragsvergabe auf rund 380 000 Franken.

Plätze sollen bis Frühling 2021 bespielbar sein

Aktuell lässt der Lenkungsausschuss die Situation von seinem Rechtsvertreter untersuchen. Dieser führt Verhandlungen mit der Baufirma, welche die beanstandeten Mängel zwar anerkennt, jedoch weiterhin «auf ihrem Recht auf Nachbesserung beharrt und zu keinem Vergleich bereit ist». Gemäss Huber ist es daher wohl unausweichlich, dass der Lenkungsausschuss rechtliche Schritte einleiten wird.

«Wir haben genug lang ‹herumgekaspert›. Nun wollen wir Nägel mit Köpfen machen.»
Lorenz Gmünder, Präsident Tennisclub Appenzell.

Lorenz Gmünder, Präsident Tennisclub Appenzell.

Bild: PD

Unglücklich ist die Situation vor allem für den Tennisclub Appenzell. «Die Saison 2020 ist für uns gelaufen», sagt Lorenz Gmünder, Präsident des Vereins. Die Enttäuschung ist gross: «Wir haben uns auf die neuen Plätze gefreut.» Diese seien nun aber bereits die zweite Saison in Folge nicht bespielbar.

Das sei suboptimal, da der Tennisclub Appenzell auf die Aussenanlagen angewiesen sei. «Bei Interclubspielen und Clubmeisterschaften mussten wir nach geeigneten Alternativen Ausschau halten», sagt Gmünder. Auch gebe es viele Mitglieder, die Tennis ausschliesslich als Sommersport betreiben und bei schönem Wetter nicht in der Halle spielen wollen.

Gemäss Bruno Huber sollten die Aussenplätze im Frühling 2021 bespielbar sein. «Wir wollen verhindern, dass der Tennisclub ein weiteres Jahr ohne Aussenplätze dasteht.»