Ein Puzzle zur Zukunft des Städtlis

Während der vergangenen Monate haben Lichtensteiger Einwohnerinnen und Einwohner diverse Vorhaben zu Themen wie Energie, Natur, Gewerbe oder Jugendraum ausgearbeitet. Am Abschlussanlass des Beteiligungsprozesses stellten sie die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

Jesko Calderara
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Nach dem Willen der Arbeitsgruppe Natur und Begrünung soll die ökologische Vielfalt in Lichtensteig erhöht werden. (Bild: Jesko Calderara)

Nach dem Willen der Arbeitsgruppe Natur und Begrünung soll die ökologische Vielfalt in Lichtensteig erhöht werden. (Bild: Jesko Calderara)

LICHTENSTEIG. Visionen für ein lebendiges Städtli zu benennen und diese anschliessend mit Vorhaben konkretisieren: Dies war die Idee des Beteiligungsprozesses, an dem zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner seit letztem Jahr teilnahmen. Am Donnerstagabend übergaben sie ihre Projekte im Rahmen des Abschlussanlasses in der alten Turnhalle offiziell dem Gemeinderat. Stadtpräsident Mathias Müller stellte jedoch gleich zu Beginn klar: «Der heutige Abend ist mehr als Zwischenstop zu betrachten und bedeutet keineswegs das Ende der Zukunftskonferenz» Der Gemeinderat wolle das erarbeitete Wissen auch weiterhin nutzen. Deshalb werde er mit den einzelnen Arbeitsgruppen über die weitere Zusammenarbeit Gespräche führen, sagte Müller.

Projekte in Realisation

Gleich in zwei solcher Gremien, die während der zweiten Zukunftskonferenz Ende November 2013 gebildet wurden, hat Remy Holenstein mitgearbeitet. Den Beteiligungsprozess beurteilt er rückblickend als äusserst positiv. «In Lichtensteig ist dadurch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt worden.» Die Möglichkeit, bei der Zukunftsgestaltung mitreden zu können, wirke dem Politikverdruss entgegen, ist Holenstein überzeugt. «Es war für mich auch eine wertvolle Erfahrung zu sehen, dass es Grenzen gibt und nicht alles umgesetzt werden kann.» Während der vergangenen Monate traf er sich wöchentlich mit den anderen Mitgliedern der Gruppen Natur und Begrünung sowie Energiewende zu Besprechungen. Letztere wird in eine Energiekommission umgewandelt, der auch Remy Holenstein angehört. «Zudem haben wir ein Energiekonzept ausgearbeitet, das Wege zu mehr Energieeffizienz und einer verstärkten Nutzung von erneuerbaren Energien aufzeigt.» Im Bereich Natur und Begrünung sollen drei bis vier Projekte realisiert werden. Darüber hinaus hofften sie auf Nachahmer, sagt Holenstein. «Wir würden privaten Initianten mit Rat und Tat zur Seite stehen.»

Generationsübergreifend engagierten sich die Lichtensteiger Bewohner in den einzelnen Arbeitsgruppen. Die jüngsten Teilnehmer, darunter die 14jährige Vera Widmer, beschäftigten sich mit der Frage, wie und wo ein Jugendraum im Städtli entstehen könnte. «Der ganze Anlass war eine interessante Erfahrung für mich.» Dazu beigetragen habe der Wattwiler Jugendarbeiter Samuel Roth als kompetenter Leiter. Bis August würden sie dem Gemeinderat ein fertiges Konzept vorlegen, erläuterte Vera Widmer.

Stärkung des Zusammenhalts

Im weiteren Verlauf des Abends stellten die einzelnen Gruppen ihre Vorhaben und das weitere Vorgehen vor. Dabei zeigte sich, dass bereits einige Massnahmen realisiert wurden. Von Anfang an auf breite Unterstützung stiess eine Sanierung der Kalberhalle. Unterdessen bewilligte der Gemeinderat einen Planungskredit. Bis ein konkretes Sanierungsprojekt der Bürgerschaft vorgelegt werden kann, sind jedoch noch einige Vorarbeiten zu leisten. Weit gediehen sind dafür die Pläne für einen Spiel- und Begegnungsort. Bereits konkret ist der Starttermin des Wochenmarktes in der Kalberhalle, welcher ab dem 28. Juni vorerst in einer Pilotphase getestet wird.

Mathias Müller blickte in seinen Begrüssungsworten nochmals zurück auf den Beginn der Veranstaltungsreihe am 8. Juli 2013, als eine Spurgruppe ihre Arbeit aufnahm. «Unsere Absicht war von Anfang an, konkrete Projekte und nicht irgendwelche Leitbilder zu entwickeln.» Mit dem bisher Erreichten zeigte sich der Stadtpräsident sehr zufrieden. Er habe überall viel Euphorie, Engagement und Eigendynamik festgestellt. «Besonders spannend fand ich die Visionen, über welche wir zum Start diskutierten.» Für Mathias Müller hat die Bürgeraktion 2022 nur Vorteile gebracht. «Leute, die sich vorher noch nie gesehen haben, suchten gemeinsam nach Lösungen für die Herausforderungen unserer Gemeinde.» Dies vertiefe das Zusammengehörigkeitsgefühl in Lichtensteig, nicht zuletzt dank der breiten Zusammensetzung der Gruppen. «Neuzuzüger waren genauso unter den Teilnehmenden zu finden wie Einwohner aus allen Quartieren und Berufen. » Den Beteiligungsprozess verglich Mathias Müller mit einem Puzzle, bei dem es darum geht, die einzelnen Teile zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen.

Sarah Bleiker (15), Mara Walt (15) und Vera Widmer (14) Arbeitsgruppe Jugendraum

Sarah Bleiker (15), Mara Walt (15) und Vera Widmer (14) Arbeitsgruppe Jugendraum

Remy Holenstein Mitglied der Arbeitsgruppen Begrünung und Energiewende

Remy Holenstein Mitglied der Arbeitsgruppen Begrünung und Energiewende

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