Ein Pilotprojekt im Neckertal

Am Donnerstagabend referierten Vertreter des kantonalen Landwirtschaftsamtes in St. Peterzell über die Landschaftsqualitätsbeiträge und deren Bedeutung in der Agrarpolitik 2014–17. Nun will der Kanton zusammen mit den Naturpark-Gemeinden beim Bund ein Pilotprojekt einreichen.

Jesko Calderara
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ST. PETERZELL. Mit der Agrarpolitik 2014–17 kommen grundlegende Änderungen auf die Schweizer Landwirtschaft zu. So können Bauern künftig Landschaftsqualitätsbeiträge für die Pflege der Kulturlandschaft beantragen, sofern ihr Vorhaben bestimmte Anforderungen erfüllt. Die Chancen und Bedingungen dieses neuen Instrumentes waren Inhalt eines Informationsanlasses am Donnerstagabend in der gut gefüllten Mehrzweckhalle in St. Peterzell, zu dem die Landwirtschaftsgruppe Neckertal eingeladen hatte. Darüber hinaus wurde bekannt, dass der Kanton zusammen mit den Gemeinden Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil für 2014 beim Bund ein entsprechendes Pilotprojekt einreichen will.

Qualität der Kulturlandschaft

Die Landschaftsqualitätsbeiträge und deren Bedeutung im Rahmen der künftigen Agrarpolitik stellte Dominik Hug vom kantonalen Landwirtschaftsamt in den Mittelpunkt seines Referats. «Die Neuausrichtung der Landwirtschaft ist politisch zwar beschlossene Sache, in der konkreten Umsetzung sind zahlreiche Details jedoch noch unklar.» Spätestens Anfang November, sobald der Bundesrat die Verordnungen präsentiere, sollte sich der Schleier etwas lüften. Vorgesehen ist, dass Leistungen von Bäuerinnen und Bauern unterstützt werden, mit denen sie bei der Bewirtschaftung die Qualität der Kulturlandschaft erhalten und aufwerten. Letztlich gehe es um die Frage, was ästhetisch als schön und deshalb förderungswürdig gelte, sagte Dominik Hug. Die Schweiz leide unter wuchernden Siedlungen und Rationalisierungsdruck in der Landwirtschaft. «Gemäss Verfassung ist es ein Ziel, diese Entwicklung zu bremsen», erläutert er. Für solche Vorhaben will der Bund daher in den nächsten Jahren mehr Mittel einsetzen, dagegen fallen andere Formen der Direktzahlungen, etwa die Tierbeiträge, weg. Laut Dominik Hug laufen die Landwirte Gefahr, ohne die Teilnahme an den neuen Programmen der Agrarpolitik weniger Direktzahlungen zu erhalten.

Erich Frick, Mitarbeiter am landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen, ging der Frage nach, was unter Landschaft überhaupt zu verstehen ist. «Für das Toggenburg typisch sind die Streusiedlungen in einer sanft ausgeprägten Hügellandschaft.» Die Landschaftsqualitätsbeiträge bieten die Möglichkeit, den Wert der Kulturlandschaft aufzuzeigen. «Zudem kann die Landwirtschaft auf diese Weise zusätzliche Einkommensmöglichkeiten erzielen», betonte Erich Frick.

Der dritte Referent des Abends, Hansjakob Zwingli vom kantonalen Landwirtschaftsamt, skizzierte in groben Zügen, wie ein Landschaftsqualitätsprojekt im Neckertal aussehen könnte. «Dies sind aber nur Vorschläge, die Ziele legen jeweils die Gemeinden vor Ort fest.» Zudem sei die Teilnahme freiwillig. Um finanzielle Unterstützung zu erhalten, muss ein Projekt gewisse Kriterien erfüllen. Bewilligt wird es nur, wenn im betroffenen Gebiet 50 Prozent der bäuerlichen Betriebe daran teilnehmen. Mittels vertraglicher Abmachung mit der Trägerschaft verpflichten sich diese, während acht Jahren gewisse Leistungen zur Landschaftspflege zu erbringen. Dazu ist auf Bundesebene ein Katalog mit 60 Punkten erarbeitet worden. Dieser, so Hansjakob Zwingli, könne durch regionale Gegebenheiten ergänzt werden. Mögliche Massnahmen sind beispielsweise die Strukturierung der Grünfläche durch Holzzäune, Trockensteinmauern oder Lebhäge.

Mögliches Projekt im Neckertal

Für das kommende Jahr kann der Kanton St. Gallen ein Pilotvorhaben beim Bund einreichen. Dieses soll nun in den Gemeinden des Naturparks entstehen, von dessen Realisation aber unabhängig sein. «Jedoch könnten so die bereits vorhandenen Strukturen genutzt werden.» Überhaupt seien die Voraussetzungen in der Region mit den sechs Vernetzungsprojekten ideal.

Ob im Neckertal dereinst ein Konzept zur Landschaftsaufwertung realisiert wird, entscheidet sich in den nächsten Monaten. «Der Fahrplan ist äusserst eng und ambitioniert», sagte Hansjakob Zwingli. Bis Ende Januar 2014 erstellt eine Arbeitsgruppe, der auch die drei Landwirte Thomas Bösch (Hemberg), Jakob Raschle (St. Peterzell) und Jakob Hagmann (Necker) angehören, eine Projektskizze und legt zusammen mit dem Landwirtschaftsamt sowohl die Ziele als auch den Massnahmenkatalog fest. In einem Jahr würde dann der Bund abschliessend prüfen, ob sich genügend Bauern verpflichtet haben.