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Ein Parteiloser nimmt Partei

Die Wahl von Herbert Maeder zum Nationalrat – ohne Partei und ohne politische Erfahrung – war 1983 eine enorme Überraschung. Er setzte seine Fotos im politischen Kampf ein und nahm Partei für Umwelt, Natur und Heimat. Zum seinem 80. Geburtstag sind vier Ausstellungen geplant.
Erich Niederer

Rehetobel. Herbert Maeder wurde am 3. Februar 1930 in Wil geboren. Er feiert also bald seinen 80. Geburtstag. Er lernte, wie sein Vater, Drogist, übte diesen Beruf aber nie aus. Maeder war fasziniert von der Fotografie und machte sich nach dem Besuch der Fotoschule in Vevey bald einen Namen als Fotoreporter und Herausgeber von Fotobüchern. Seine Auftraggeber waren die Zeitschriften «Die Woche» und später «Die Schweizer Familie», sein Vorbild das «Life Magazine». Die Fotos waren damals schwarz-weiss. Schwarz-weiss sind gemäss Maeder auch seine besten Arbeiten.

Heute fotografiert Herbert Maeder immer noch und mit Freude: «Die Fotografie hat mit der Digitalisierung einen gewaltigen technischen Fortschritt gemacht. Ich habe eine heilige Scheu vor der Computerwelt und bleibe analog, mit schwarz-weissen und farbigen Filmen.»

Dia-Wahlkampf

Herbert Maeder war bis zu Beginn der Achtzigerjahre weder auf Gemeinde- noch auf Kantonsebene politisch aktiv. Er war in keiner Partei und hatte keine öffentlichen Funktionen und Ämter. Sehr oft aber enthielten seine Fotos politische Aussagen oder Anklagen.

Als ihn Anfang 1983 eine kleine Gruppe zur Kandidatur für den Nationalrat aufforderte, kam dies für ihn genau zur richtigen Zeit: Seine Tätigkeit als Fotoreporter und seine Buchproduktionen waren «am Abflauen». Das «Komitee Herbert Maeder in den Nationalrat» organisierte in fast allen Ausserrhoder Gemeinden öffentliche Vortrags- und Diaabende, und Herbert Maeder erzählte über die «Schöne Schweiz – gefährdete Schweiz» und zeigte eindrückliche Bilder von Bergbächen «ohne Restwasser» oder von den Staus am Gotthard.

Er setzte seine Fotografien politisch ein für seinen Wahlkampf, rechnete sich aber «nicht die geringsten Chancen» aus.

Parteiloser Sieger

Bei der Wahl am 23. Oktober 1983 besiegte Herbert Maeder überraschend seinen sozialdemokratischen Konkurrenten, Regierungsrat Jost Leuzinger, nahm der SP also den Nationalratssitz weg und beendete damit deren 75jährige Tradition.

Maeder rechtfertigt sich: Sein Herz schlage links, er sei grün und er habe das SP-Gedankengut besser vertreten als der SP-Kandidat. Gesamtschweizerisch war seine Wahl als Sensation gewertet worden, weil es noch nie einem Parteilosen gelungen war, einen Sitz im Nationalrat zu erlangen und weil ihm dafür nur ein Wahlkampfbudget von 10 000 Franken zur Verfügung gestanden hatte.

Genüsslich erzählt Maeder die Geschichte des SVP-Kandidaten Walter Frey, der in Zürich eine halbe Million Franken in seinen Wahlkampf gesteckt hatte – ohne (damals) gewählt zu werden. Und er erwähnt mit Befriedigung, dass er als Nationalrat «erstmals ein regelmässiges Einkommen» bekommen hatte. Zuvor war er als Fotojournalist und Fotoreporter zwar zu Popularität, «nicht aber zu Geld gekommen».

1991: Spannender Wahlkampf

Sein Renommee in Bern und in seiner Heimat als Politiker stieg. 1987 wurden Herbert Maeder und Hans-Rudolf Früh in stiller Wahl bestätigt. 1991 kam es abermals zu einem spannenden Wahlkampf: Die CVP (mit Armin Stoffel) und die Autopartei (mit Mathias Schreier) bekämpften den Sitz von Herbert Maeder, der schliesslich mit den meisten Stimmen und der Unterstützung der SP zusammen mit Hans-Rudolf Früh abermals gewählt wurde.

Gegen Atom, für die Landschaft

Maeder erinnert sich an die grossen Themen während seiner zwölfjährigen Berner Zeit: an die Sondersession zum Waldsterben, an die Fichenaffäre, an die Debatte um den Waffenplatz Neuchlen-Anschwilen, an die Bundesverfassungsrevision. Nach eigenen Angaben hat er sich konsequent für Umwelt-, Natur- und Heimatschutz eingesetzt, hat sich gegen die Atomenergie und für die Rothenthurm-Initiative stark gemacht und hat im Gewässerschutzgesetz die Ausgleichsleistungen für den Verzicht auf die Wasserkraftnutzung eingebracht.

Auf diesen «Landschaftsrappen», von dem heute noch 20 Gemeinden profitieren, und auf sein Engagement für die Einführung des Halbtax-Abonnements der SBB ist er heute noch stolz.

Demokratie funktioniert

Eine gewisse Erhabenheit schwingt auch mit, wenn Maeder seine Berner Zeit bilanziert: Er sei «aus null in den Nationalrat» gekommen.

Trotz schlechten Voraussetzungen – «keine Partei und kein Geld» – habe er dort die Möglichkeit gehabt, «als kleines Rädli im grossen Räderwerk aktiv mitzuwirken» und auch einmal «als kleiner Bürger aus einem alten Hüsli im Appenzellerland» einem Bundesrat eine detaillierte Antwort abzuringen. Er erwähnt beispielhaft den Sieg der Rothenthurm-Initiative gegen die Interessen des Militärs, den erzwungenen Rücktritt von Bundesrätin Elisabeth Kopp sowie den Gegenvorschlag

zur Gewässerschutzinitiative und kommt zum Schluss, dass «das Gefüge der schweizerischen Demokratie eigentlich noch verdammt gut funktioniert».

Vier Ausstellungen zum 80.

Nun feiert Herbert Maeder bald seinen 80. Geburtstag. Gleich an vier Orten sind Ausstellungen vorgesehen: In Appenzell werden Fotografien zum Innerrhoder Bergrettungsdienst gezeigt, im Völkerkundemuseum St. Gallen zu «Afghanistan», in Urnäsch zu «Berge und Menschen» und in Stein «Maeders Best».

Für diese Ausstellungen musste er «viel Material sortieren», umfasst doch sein Archiv etwa 7000 Schwarzweissfilme und etwa 40 000 farbige Dias. Aber diese Ausstellungen machen ihm Freude, weil sie «ein wichtiges Stück» aus seinem Leben zeigen.

«Frei und unabhängig sein»

Sein Rückblick auf sein Leben ist aber nicht ungetrübt: Er erwähnt die grosse finanzielle Verantwortung gegenüber einer wachsenden Familie, die ihn belastet hatte, die Tatsache, dass er

trotz vielen bekannten Publikationen (Die Berge der Schweiz, Das Land Appenzell, Hirten und Herden, Gipfel und Grate, Lockende Berge) nicht mehr beruflichen Erfolg gehabt hatte und schliesslich das Wissen über die Endlichkeit, dass «es so nicht mehr lange weitergeht». Dann aber spricht er wieder von seiner Familie, seinen vier Kindern und zehn Grosskindern und seiner Freude am Fotografieren: «Ich habe die Arbeit mit der Kamera nicht gewählt, um reich und berühmt zu werden, sondern um frei und unabhängig zu sein und meinen Hunger nach Welt und Leben zu stillen.»

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