Ein Paar, zwei Meinungen

Um Krisen, Konflikte und die Liebe ging es am Donnerstagabend im Thurpark. Das überregionale Elternforum lud zum humorvollen Ehestreit mit dem bekannten Kolumnistenpaar Sybil Schreiber und Steven Schneider.

Nadine Rydzyk
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Das Kolumnistenpaar Sybil Schreiber und Steven Schneider amüsiert mit seinen Anekdoten das Publikum im Thurpark aufs beste. (Bild: Thomas Geissler)

Das Kolumnistenpaar Sybil Schreiber und Steven Schneider amüsiert mit seinen Anekdoten das Publikum im Thurpark aufs beste. (Bild: Thomas Geissler)

WATTWIL. «Spesen einer Ehe, das ist eine Abrechnung zwischen uns», eröffnete Sybil Schreiber unumwunden den Abend. Man wolle mal sehen, was das bringe, und ob dies alles noch Sinn hat. Schliesslich sei sie ja für ihren Mann wie ein Sechser im Lotto, doch nicht sicher, ob er das auch weiss. «Du siehst irgendwie gar nicht aus wie ein Berg Scheine und Münzen. Ausserdem ist das ein Abend für alle, denn man muss gar nicht verheiratet sein, um Pech zu haben», konterte dieser umgehend. Und schon war der erste Ehestreit entbrannt – eine der kleinen Unstimmigkeiten, welche die beiden so wunderbar komisch zu präsentieren wissen wie nur wenige sonst. Sie schaffen es, Streitgespräche und die unterschiedliche Wahrnehmung von einer Situation aus zwei Sichtweisen so herzerwärmend amüsant zu verpacken, dass man einfach nur noch lachen muss. Und genau das konnte man am Donnerstagabend im Thurpark aus voller Kehle.

Amüsante Geschichtenerzähler

Eines sei dabei vorweggeschickt: Natürlich hatte man nicht eine Sekunde lang das Gefühl, dass diese Ehe wirklich auf der Kippe steht. Vielmehr haben sich hier offensichtlich zwei gesucht und gefunden, die sich nicht nur humoristisch wunderbar ergänzen. Und dennoch liefert der Alltag Unmengen an Momenten kleiner Reibungspunkte zwischen den Geschlechtern, die jeder und jede irgendwie kennt. Sybil Schreiber und Steven Schneider bringen sie auf den Punkt. Dies auch wieder in ihrem aktuellen Buch «Spesen einer Ehe – die besten Coopzeitungkolumnen der vergangenen zwei Jahre». Auf 188 Seiten findet man hier eine Zusammenfassung der schönsten ihrer liebevollen Zwistigkeiten.

Bei ihrer Lesung gab es aber deutlich mehr als Auszüge aus dem Buch und den gedruckten Ergebnissen aus mittlerweile 16 Jahren mit 800 Kolumnen à 1175 Zeichen zu hören. Vor allem glänzten sie auch mit frei erzählten Geschichten aus dem Leben, in die sie ihre Texte einbetteten. So überbrückten die beiden schon innerhalb der ersten Minuten jegliche Distanz zum Publikum. Vielmehr hatte wahrscheinlich jeder das Gefühl, gerade ganz privat mit Sybil Schreiber und Steven Schneider beim Nachtessen zu sitzen und sich vom sprudelnden Wortschwall der beiden amüsieren lassen zu dürfen. Dabei ging es zurück zu den Wurzeln ihrer Beziehung bis hin zum eigentlichen Grund, wieso Steven Schneider frisurentechnisch «oben ohne» geht. «Er hat mir schon am Anfang gesagt, dass ihm die Haare ausfallen, wenn ich versuche, Schweizerdeutsch zu sprechen», erklärte seine Frau, ihres Zeichens gebürtige Deutsche. Und: «Na für irgendetwas musste ich mich schliesslich entscheiden!»

Führung der Familienfirma

Selten wurde so charmant darüber gezankt, wer die unangenehmeren Geräusche macht oder wie ein perfekter Kinoabend zu Hause ablaufen müsste. Aber es gab auch Lob für das eheliche Gegenüber: «Mein Mann hat die Grösse, mit einer Frau zusammen zu sein, die ihm überlegen ist», stellte Sybil Schreiber fest. Nicht weniger stolz war sie auf ihre eigene männliche Seite, von der eben auch ihr Mann profitiere. Wenn sie diese allerdings mit dem Auto in der Waschanlage auslebt, wird es aus seiner Sicht vor allem teuer.

Wer in ihrer Familienfirma aber die Geschäftsleitung innehat, darüber herrscht keine Einigkeit. Führungsfragen tauchten nicht nur beim Thema Tanzkurs auf, doch erfuhr man, welchen Sinn das Belegen eines Kurses zur Rückbildungsgymnastik für einen Mann haben kann, wie verloren er ist, wenn er versucht, im Putzverhalten der Frau eine Struktur erkennen zu wollen, und wie effizient ein Telefonat unter Männern verläuft.

Ob Mann ob Frau – jeder bringt hier so seine Pluspunkte mit. Doch soll gesagt sein, dass Sybil Schreiber an diesem Abend eine echte Steilvorlage für alle Damen verwerten konnte: Sie stützte am Livebeispiel eine der zentralen Thesen: «Männer sind vergesslich!» Während Steven Schneider noch sich und seine Geschlechtsgenossen damit herausredete, dass man sich nicht alles merken muss, wenn man doch nur die Frau zu fragen brauche, und das Suchen sowieso Zeitverschwendung sei, da alle Dinge irgendwann wieder hervorkommen, hatten die Frauen längst gehandelt. Namentlich eine aufmerksame Servicekraft aus dem Restaurant und Sybil Schreiber selbst, die triumphierend eine vergessene Lesebrille präsentieren konnte.

Überflüssig zu erwähnen, dass es ein Mann war, der sich das Fundstück unter tosendem Applaus von der Bühne abholen durfte.