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Ein Oratorium als Höhepunkt

Die Heidler Herzogenberg-Tage endet mit Standing Ovations: Das Publikum bejubelt die Aufführung des Kirchenoratoriums «Erntefeier». Die Partitur von Heinrich von Herzogenberg war erst 1994 entdeckt worden.
Ferdinand Ortner
Zum krönenden Abschluss eine prächtige Gesamtleistung aller Mitwirkenden bei der «Erntefeier»-Aufführung in der evangelischen Kirche Heiden. (Bild: fo)

Zum krönenden Abschluss eine prächtige Gesamtleistung aller Mitwirkenden bei der «Erntefeier»-Aufführung in der evangelischen Kirche Heiden. (Bild: fo)

HEIDEN. Die Krönung der «Herzogenberg-Tage 2014» bildete am Samstagabend in der evangelischen Kirche eine mitreissende Aufführung der «Erntefeier», des grössten Werkes des vor allem in Deutschland tätigen österreichischen Komponisten. Heinrich von Herzogenberg (1843–1900) vollendete das monumentale Opus im Juli 1898 in seiner Sommerresidenz im Haus «Abendroth» in Heiden. Die Original-Partitur war lange verschollen und wurde erst 1994 per Zufall in Leipzig gefunden. Die Herzogenberg-Gesellschaft in Heiden ebnete dem profunden Werk den Weg in die heutige Musikwelt.

Imposantes Oratorium

Für die Aufführung des imposanten Kirchenoratoriums für Soli, Chor, sinfonisches Orchester, Orgel und Gemeindegesang standen Sönke Wittnebel, dem Kirchenmusikdirektor und Kantor der Schlosskirche Friedrichshafen, exzellente Kräfte zur Verfügung: die Gesangssolisten Martina Rüping (Sopran), Elisabeth Graf (Alt), Andreas Wagner (Tenor) und Klaus Mertens (Bass), der gemischte Chor der Schlosskirche Friedrichshafen sowie die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben. Die etwa hundert Mitwirkenden boten mit Hingabe und Vitalität eine imponierende Gesamtleistung.

Es war ein delikater Hörgenuss, eine berührend authentische Interpretation substanzvoller, klangschöner Musik, die wichtige Werte thematisiert und hohen Ansprüchen gerecht wird.

Herausragend neben dem souveränen Dirigenten das exquisite Solistenquartett, das sich mit der tiefgründigen Aussage des Werkes identifizierte und brillante solistische Glanzpunkte setzte. Sehr beachtlich auch, wie sicher der etwa 60 Mitglieder zählende Chor die diffizilen Chorsätze und Koloraturen meisterte und durch nuancierten Vortrag und Klangpracht beeindruckte. Last but not least überzeugten auch das homogene Orchester und der Organist Gerhard Brendle durch gefühlvolles Musizieren.

Treue und Verantwortung

Thematisch geht es in der «Erntefeier» um die Treue zu Gott und den Mitmenschen und gerechtes und verantwortungsvolles soziales Handeln.

Die inhaltlich einzigartige Text-Konzeption – Bibelworte und Choralstrophen – entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Librettisten und Herzogenberg-Freund Friedrich Spitta.

So gliedert sich das Oratorium – mit dem Erntedank als Ansatzpunkt – in die Abschnitte Lebensgenuss, Ernst des Lebens und Sterben-Müssen. In fesselnder Tonsprache kündeten Solisten und Chor von Lebensfreude, Konfrontation zwischen Jugend und Alter und befreiender Erlösung. Kunstvolle Ariosi und wunderschöne Arien korrespondierten in spannenden Dialogen mit effektvollen Chorfugen und schlichtem Gemeindegesang.

Der erste Teil des Werkes stand einleitend im Zeichen des Erntedank-Themas. Auf das innige Tenorsolo «Danket dem Herrn» folgten der machtvolle Chor-Lobpreis «Herr, mein Gott» (Fugen!), das gemeinsam gesungene Kirchenlied «Nun danket alle Gott» und ein Segens-Arioso. Die eindrucksvollen Chöre und Soli bei der Konfrontation von Jugend und Alter mündeten in der Erkenntnis «Wohl dem, der den Herrn fürchtet».

Zentrale Botschaft

Den «Ernst des Lebens» prägten der packende Chor-Satz «Verlass mich nicht», die Bass-Arie des Reichen und vor allem das aufrüttelnde «Wohlan, ihr Reichen» und «Herr, steh auf». Ergreifend gestaltet waren auch die von Violin- und Oboen-Soli umrankten Christus-Szenen und das doppelchörige «Der Herr ist mein Hirte».

Ein beklemmender Trauermarsch leitete den Finalteil ein, der faszinierende Szenen der Besinnung und Erlösung sowie Perspektiven der Transparenz umfasste, ehe sich die Spannung der zentralen Botschaft Christi im Jubel des unendlichen Gotteslobes auflöste. Sehr bewegend waren die Soli, wie etwa «Wahrlich, ich sage euch», die Paulus-Worte und «Selig sind, die da hungert und dürstet».

Der gewaltige Chor «Lobe den Herrn» mit der grandiosen Schlussfuge mündete in den «Gloria»-Gesang der Gemeinde und langanhaltenden Beifallsjubel.

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