Ein offenes Ohr für die Jugend

NECKERTAL. Igor Mlaker ist seit Anfang September in der Evangelischen Kirchgemeinde Neckertal als Jugendarbeiter tätig. Er erklärt, warum es die Jugendarbeit braucht und warum er auf Ferienlager setzt.

Melanie Graf
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Jugendarbeiter Igor Mlaker mit seinem Arbeitsbus vor der Kirche Mogelsberg: «Ein Büro brauche ich nicht, ich arbeite lieber projektbezogen.» (Bild: Melanie Graf)

Jugendarbeiter Igor Mlaker mit seinem Arbeitsbus vor der Kirche Mogelsberg: «Ein Büro brauche ich nicht, ich arbeite lieber projektbezogen.» (Bild: Melanie Graf)

Igor Mlaker dürfte wohl alles andere als langweilig sein. Seit dem 1. September arbeitet er als Jugendarbeiter für die Evangelischen Kirchgemeinden im Neckertal. Mit seinem Arbeitsbus, einem rot-grünen VW-Bus mit Aluminiumfelgen und Karomuster auf der Seite, ist er zum Gespräch mit dem Toggenburger Tagblatt nach Mogelsberg gekommen. Ein Büro hat er nicht. Braucht er nicht, sagt er. Er arbeite projektbezogen.

«Ich werde nicht bezahlt, damit ich im Neckertal in einem Büro sitze, sondern dass ich mit den Jugendlichen arbeite», fügt er hinzu. Die Büroarbeit könne er auch zu Hause erledigen.

Aussergewöhnliche Hobbies

Der 42jährige Igor Mlaker gibt sich erfrischend vielseitig. Der Vater von vier Kindern, im Alter zwischen 11 und 19 Jahren, hat aussergewöhnliche Hobbies. Er fährt Trial, fliegt mit dem Gleitschirm und hält bei sich zu Hause im Garten eine Handvoll Eulen.

Trial ist eine Motorradsportart, bei welcher nicht Geschwindigkeit, sondern Geschicklichkeit im Vordergrund steht. Es gilt Hindernisse zu überwinden, ohne die Füsse auf die Erde zu setzen. Trial ist ein Versuch, schwierige Geländepassagen mit dem Motorrad fehlerfrei zu bewältigen.

Entscheidende Erlebnisse

«Ich liebe die Herausforderung. Ein <geht nicht, gibt es nicht>», sagt er.

Der Religionspädagoge hatte einst Autolackierer gelernt und sich in jungen Jahren mit verschiedenen handwerklichen Arbeiten durchgeschlagen. Zurzeit baut er in Uttwil sein Haus um, eine alte Liegenschaft. Igor Mlaker lacht und sagt: «Entweder hast du zwei Hände oder viel Geld». Auch im Beruf krempelt Igor Mlaker die Ärmel hoch. Er hat sich in seinem neuen Job als Jugendarbeiter der Evangelischen Kirchgemeinden der Gemeinde Neckertal Ziele gesteckt.

Aber mit dem Kopf durch die Wand will er nicht, er gibt sich Zeit, die Ziele zu verwirklichen und durchzusetzen. Mit seinem Angebot möchte er auch diejenigen Jugendlichen erreichen, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben. Igor Mlakers Schlüssel, die jungen Leuten zu begeistern und ihnen das Wir-Gefühl zu vermitteln, sind Ferienlager. «In einem Lager passieren entscheidende Dinge. An eine Predigt mag sich nach 40 Jahren niemand mehr erinnern. Aber an ein Lagererlebnis schon», sagt der Jugendarbeiter.

Der 42-Jährige hat gute Erfahrungen mit Lager gemacht. Sieben Jahre lang arbeitete er als Diakon in Egnach und organisierte Lager für die Jugendlichen. Er habe die Jugendlichen bereits im Aufbau des Lagers mit einbezogen, erzählt er. Die Jugendlichen durften ihre Ideen einbringen und würden dabei lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Er arbeite sehr gerne mit Jugendlichen. Die Jugendlichen hätten keine Lobby und würden sich nicht immer so durchsetzen können wie Erwachsene. Für die Jugendlichen sei die heutige Zeit keine einfache, weiss Mlaker. Manchmal täten ihm die Jugendlichen leid, wenn er sehe, wie die Gesellschaft mit ihnen umgehe. Die Gesellschaft überlasse die Jugend sich selbst. Man sollte vielmehr mit den Jugendlichen zusammenarbeiten. «Man darf aber nicht pikiert sein , wenn sie abweisend sind».

Denn manchmal seien die Jugendlichen auch schwierig, so Mlaker und vergleicht sie mit einer Löwenbande. «Aber gerade darum braucht es Jugendarbeiter, die mit ihnen professionell umgehen können».

Stark im persönlichen Bereich

Er gibt zu, dass die Jugendarbeit auch nicht immer erfolgreich sei. «Aber wenn man gar nichts macht, kommt es nicht gut». Ihm sei es ein Anliegen, den jungen Menschen zu zeigen, dass es sich lohnt, einmal etwas durchzuziehen, sich durchzubeissen und somit auch das Selbstbewusstsein zu stärken.

Mit dem heutigen Motto der Gesellschaft «Du musst nicht, wenn du nicht willst» kämen die Jugendlichen nicht weiter. Seine persönlichen Fähigkeiten sieht er als Mentor. Er sei ein Beziehungstyp, er sei sehr stark im persönlichen seelsorgerischen Bereich, so Igor Mlaker. Eine musikalische Ausbildung habe er nicht, darum überlasse er die Leitung des Jugendchors weiterhin seiner Vorgängerin Irene Appert.