Ein Naherholungsgebiet

Schlatt-Haslen, der nördlichste der Innerrhoder Bezirke, fällt durch eine ausgeprägte Streusiedlung und die Weitläufigkeit von einem Bezirksteil zum anderen auf. Mit einer Denkwerkstatt hat man sich vor fünf Jahren für die Zukunft gerüstet.

Roger Fuchs
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schlatt-Haslen. Unterwegs von Haslen nach Schlatt: Der rund vier Kilometer lange Weg führt vorbei an Siedlungen und Höfen. Dazwischen viel Natur. Der Wind bläst durch die Haare, jeglicher Autolärm scheint weit weg zu sein. Stattdessen wird der Gast mit einer einmaligen Aussicht belohnt: Kurz vor dem Restaurant Leimensteig öffnet sich ein herrliches Alpstein-Panorama: Hoher Kasten, Kronberg, Säntis. Bis zu dem an einem steilen Hang gelegenen Bezirkskreis Schlatt ist es noch ein rechtes Stück.

Dort angekommen, schweift der Blick vom schützenswerten Dorfkern nationaler Bedeutung in den Talkessel von Appenzell, dem Zentrum Innerrhodens.

Breites Wanderwegnetz

Wer im Bezirk Schlatt-Haslen unterwegs ist, wähnt sich in einer Ferienregion. «Der Bezirk ist ein Naherholungsgebiet», sagt denn auch Bezirkshauptmann Hans Brülisauer. Verschiedene Wander- und Rundwege führten zu Aussichtspunkten, welche den nördlichsten Innerrhoder Bezirk prägen.

Nebst den touristischen Magneten ist Schlatt-Haslen gemäss Brülisauer vorab eines: ein Landbezirk mit viel Landwirtschafts- und an die zwei Dutzend Gewerbebetrieben. Überdies leben unter den rund 1150 Einwohnern im Bezirk aber auch Leute, die im angrenzenden Appenzell oder in der Stadt St. Gallen arbeiten.

Von Zuzügern als Wohnort ausgesucht zu werden, freut den Bezirkshauptmann.

Allerdings sei es ebenso wichtig, im Bezirk aufgewachsene junge Leute, welche die hiesigen Gepflogenheiten kennen, halten zu können. Was die Verfügbarkeit von Boden für Wohnraum oder Arbeitsstätten betrifft, so steht durchaus einiges zur Verfügung. Zurzeit startet ein grösseres Mehrfamilienhaus in Haslen. Auch die Preise halten sich im Vergleich zum Dorf Appenzell im Rahmen: Der Hauptmann spricht von 250 bis 350 Franken pro Quadratmeter Bauland.

Für Fehler geradestehen

Hans Brülisauer, der seit seiner Geburt im Bezirk Schlatt-Haslen lebt und bis im vergangenen Frühjahr den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb weitergeführt hatte, schätzt die Kleinräumigkeit in seinem Bezirk. Viele Leute würden sich heute gerne in der Anonymität verstecken. Hier hingegen müsse auch er als Bezirkshauptmann den Mut haben, für Fehler hinzustehen. Ebenso der Bürger. Dieser lebe die Ehrlichkeit, die er von den Behörden erfahre. Das Bedürfnis, weit weg von Schlatt-Haslen neue Zelte aufzubauen, hatte Hans Brülisauer nie.

Er habe zwar heuer im Sinn, 14 Tage nach Kanada zu reisen, doch die Lieblichkeit der Hügellandschaft und die privaten Wurzeln zögen ihn immer wieder nach Innerrhoden zurück.

Mehr zusammenwachsen

Auf dem Rundgang durch den Bezirk fällt nebst der Landschaft etwas Zweites auf: die grosse Distanz zwischen Schlatt und Haslen. Was auf dem Papier ein Bezirk ist, könnte von aussen betrachtet ebenso als zwei Einheiten wahrgenommen werden.

Und in der Tat: Bis vor wenigen Jahren hat gemäss Brülisauer die beiden Bezirkskreise noch wesentlich weniger miteinander verschweisst. Dies vorab wegen der kirchlichen Zugehörigkeit, wie er ausführt. Haslen gehört zur Kirchgemeinde Haslen, Stein, Hundwil; Schlatt ist eine Kuratie Appenzells.

Seit einigen Jahren hält der Bezirksrat den Finger gezielt auf ein Miteinander der Bezirkskreise: Deutlich zeigt sich dies bei den beiden Schulgemeinden.

Vom Kindergarten bis zur zweiten Klasse gehen die Schülerinnen und Schüler heute in Schlatt zum Unterricht, die Älteren von der dritten bis sechsten Klasse in Haslen.

In den letzten Jahren haben sich ferner die Schützenvereine und die Feuerwehren zusammengeschlossen. Die Chilbi wird in Haslen durchgeführt, während man mit der Bezirksgemeinde abwechslungsweise bereits zweimal in Schlatt war.

Kommunikation verbessert

Grosse Anstrengungen sind in jüngerer Vergangenheit ebenso unternommen worden, um die Einwohnerzahl zu festigen. Ab 1990 bis in die ersten Jahre des neuen Jahrtausends war diese rückläufig. Mittels einer Zukunftswerkstatt war es dem Bezirksrat im Jahr 2005 schliesslich gelungen, die Bevölkerung dahingehend zu sensibilisieren, dass die Attraktivität des Wohnbezirks Schlatt-Haslen gesteigert werden muss. Rund 40 Leute haben an den Diskussionen teilgenommen. Dabei fruchteten diverse konkrete Massnahmen.

Beispielsweise hat man gemäss Hans Brülisauer erkannt, dass es einen gemeinsamen Auftritt braucht, was sich nun im Logo ausdrückt.

Resultat der Zukunftswerkstatt ist überdies eine verstärkte Kommunikation nach innen und nach aussen. Und eine Kommunikation, mit der sich etwas bewirken lässt wie mit dem Erlebnis-Wanderweg «Pfeff ond Lischt». Ein weiteres Projekt, das noch in der Pipeline ist und zusammen mit dem Bezirk Appenzell realisiert werden soll, ist ein Sitterwanderweg. Entsprechende Pläne hängen bereits im Bezirksbüro.

Viele Augen auf Schlatt-Haslen gerichtet sind derzeit auch wegen eines Modellstalls, der in diesem Bezirk realisiert werden soll. (Siehe nächste Seite.)

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