Ein Nachlass des Appenzeller Schriftstellers «Chemifeger Bodemaa»

Dieser Tage hat Philipp Langenegger in der Kantonsbibliothek in Trogen unveröffentlichte Werke vom «Chemifeger Bodemaa» erfasst. Daraus sollen ein neues Theaterstück und vielleicht sogar ein Buch entstehen.

Gwendoline Flückiger
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Philipp Langenegger erfasst in der Kantonsbibliothek unveröffentlichte Werke des Appenzeller Schriftstellers und Kaminfegers «Chemifeger Bodemaa». Bild: Gwendoline Flückiger

Philipp Langenegger erfasst in der Kantonsbibliothek unveröffentlichte Werke des Appenzeller Schriftstellers und Kaminfegers «Chemifeger Bodemaa». Bild: Gwendoline Flückiger

Philipp Langenegger ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Literaturkenner. Der Urnäscher befasst sich seit längerem mit der Lebensgeschichte und dem Wirken des Appenzeller Schriftstellers Jakob Hartmann, auch «Chemifeger Bodemaa» genannt.

Als der 42–Jährige Schauspieler die Biografie des Kaminfegers und Schreiberlings in seinem Theaterstück «Vo Heeme» auf die Bühne gebracht hat, erfuhr er von einem Nachlass, der unveröffentlichte Werke von «Chemifeger Bodemaa» enthält. «Ich kenne Hartmanns Lebensgeschichte ziemlich gut, weil ich mich lange damit auseinandergesetzt habe», so Langenegger. Aus diesem Grund habe Kantonsbibliothekarin Heidi Eisenhut ihn gefragt, ob er den Nachlass sehen und die neuen Teile daraus erschliessen möchte.

Mehrere Ablieferungen

Bereits 1990 hatte Hartmanns Tochter Elsa der Kantonsbibliothek in Trogen eine erste Dokumentenlieferung überbracht. Diese enthielt hauptsächlich bekannte Werke vom «Chemifeger Bodemaa» und wurde von Peter Eggenberger verzeichnet.

Per Zufall stiess Silvia Langenauer vor drei Jahren beim Räumen eines Estrichs in Rehetobel auf weitere Nachlassteile des Schriftstellers. Darin befinden sich viele unveröffentlichte Werke und Briefe. «Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Werke nicht an die Öffentlichkeit gekommen sind», sagt Langenegger. Gewisse Texte schrieb Hartmann für sich oder für private Auftraggeber, ohne vordringliche Publikationsabsichten. Andere seien von Verlagen, Radios oder Zeitungen mehrmals abgelehnt worden. Diese Werke seien spannende Zeitzeugnisse, weswegen Langenegger diese für die Nachwelt erfassen möchte. «Es ist viel Arbeit, aber ich finde es interessant», sagt er.

Das Spektrum der Texte reicht vom Briefwechsel mit General Guisan über Gedichte bis hin zu Vortragsmanuskripten und Reiseberichten. Jakob Hartmann lebte von 1876 bis 1956. Über 50 Jahre hat er als Kaminfeger gearbeitet, doch immer in seiner Freizeit geschrieben.

Der Briefaustausch, den Hartmann mit anderen Schriftstellern, sowie öffentlichen oder privaten Personen pflegte, erlaube es, Zusammenhänge zwischen Hartmanns Leben und seinen Werken zu erkennen. Und genau diese Texte zeigen, wie vielfältig seine Interessen waren, sagt Langenegger.

«Die Werke von Jakob Hartmann sind ein gutes Zeitzeugnis.»

Der Kaminfeger sei sehr reisefreudig gewesen. «Kaum war er irgendwo angekommen, wollte er schon weiter reisen.» Zudem habe Hartmann Porträts und Theaterstücke geschrieben. Diese handeln unter anderem von ausgestorbenen Berufen. «Der ‹Bodemaa› war sprachlich versiert», so Langenegger.

Neues Buch geplant

Aus den erfassten Werken soll nun ein Theaterstück «Chemifeger Bodemaa 2» entstehen. Zudem plant Langenegger, die schönsten Texte des Nachlasses in einem Buch zusammenzutragen. «Ich möchte den «Chemifeger Bodemaa» nochmals aufleben lassen», so Langenegger. Er finde es schade, dass sich noch kaum jemand an Jakob Hartmann erinnere, denn dieser habe das Appenzellerland bekannt gemacht. Das ganze Projekt sei für den Schauspieler ein Experiment. Er wisse nicht, wie das Publikum reagieren werde.

Hinweis: Das Theaterstück «Chemifeger Bodemaa 2» wird an folgenden Daten in der Stuhlfabrik Herisau aufgeführt: 6. bis 8. Dez um 20.00 und 9. Dez um 14.00