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Interview

«Ein Monsterprojekt»: Die Dreharbeiten zum «ersten und besten Zombiefilm der Schweiz» sind abgeschlossen

Für den kürzlich fertig gedrehten Film «Nutshot» stand der Herisauer Horrorfan Philipp Eugster aka Don Philippo als Zombie vor der Kamera. Im Interview erzählt der 34-Jährige von Kunstblut, Kochshows und koksenden Zombies.
Claudio Weder
Horrorfan Philipp Eugster aka Don Philippo spielt im Horrorfilm «Nutshot» einen Zombie. (Bild: PD)

Horrorfan Philipp Eugster aka Don Philippo spielt im Horrorfilm «Nutshot» einen Zombie. (Bild: PD)

Philipp Eugster, der Film «Nutshot» hätte eigentlich längst fertig sein müssen. Was ist schiefgelaufen?

Eigentlich lief alles nach Plan. Wir haben nur den Aufwand unterschätzt. Das Ganze war ein Monsterprojekt, an dem wir rund zwei Jahre lang hart gearbeitet haben. Man muss auch bedenken, dass Regisseur Heiko Muuss neben der Filmproduktion noch ein 100-Prozent-Jobpensum zu bewältigen hat.

Wann wird der Film auf der Leinwand zu sehen sein?

Alle Szenen sind fertig gedreht. Es fehlt nur noch der Feinschliff, sprich der Schnitt, die Vertonung, die Special-Effekte. Damit wir ihn im Sommer allenfalls an den Horrorfestivals vorführen können, wollen wir ihn Ende Frühling fixfertig haben. Im Kino wird er aber nur einmal gezeigt: Die Vorstellung wird voraussichtlich im Cinetreff Herisau stattfinden. Ich freue mich. Heiko Muuss schickt mir immer wieder Ausschnitte – und ich muss sagen: «Es wird der beste Zombiefilm der Schweiz werden.»

Das weckt hohe Erwartungen.

Das ist natürlich ein Bluff (lacht). Ein Filmkritiker würde meine Meinung wohl nicht teilen. Wir glauben aber, dass wir – mit den Mitteln, die wir zur Verfügung hatten – das Beste rausgeholt haben. Bislang haben wir nur Kurzfilme gedreht. «Nutshot» ist nun der erste Spielfilm.

Worum geht es im Film?

Zwei Kollegen treffen sich auf einer Mülldeponie, um einen Deal mit einem Waffenhändler abzuschliessen. In der Zwischenzeit ist bereits die Apokalypse eingetroffen; und so müssen sich die beiden erst gegen eine Menge Zombies durchkämpfen. Man muss jedoch sagen, dass wir die Handlung eher in den Hintergrund gerückt haben. Wir legten mehr Wert auf die Machart.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Unser Film wird den charakteristischen «Grindhouse»-Look erhalten, ein Look, der an die Horrorfilme der 70er-Jahre erinnert. Wir achteten also auch darauf, dass wir alle Effekte – vor allem die Bluteffekte – möglichst real gestalten, und nicht am Computer. Dazu war eine Menge Kunstblut nötig. Demgegenüber haben wir aber auch versucht, neue Massstäbe zu setzen.

Inwiefern?

Wir haben neue Zombie-Kill-Methoden entwickelt und eigene Kameraführungstools ertüftelt. Zudem kommen neuartige Zombie-Arten vor, wie etwa ein Zombie im Rollstuhl oder ein koksender Zombie. Zudem haben wir versucht, alle Genre-Klischees reinzupacken: düstere Stimmungen, Action, Schiessereien, Slapstick, Fäkalhumor und nicht zuletzt das Splatter-Klischee.

Einen Teil des Filmes haben Sie über eine Crowdfunding-Aktion finanziert. Wie spendabel ist die Schweizer Bevölkerung, wenn es um Horrorfilme geht?

Die Leute sind nicht wirklich spendabel. Etwa einen Drittel des Films konnten wir via Crowdfunding finanzieren. Die Spenden waren aber mehr «Mitleids-Batzen» aus dem Familien- oder Bekanntenkreis. Wir haben auch einige Unternehmen angeschrieben, ob sie uns mit einem Product-Placement unterstützen wollen, aber keine Chance.

Woran liegt das?

Die Schweiz ist kein Horrorfilmland. Folglich werden solche Projekte auch nicht gefördert. In Deutschland sieht das schon anders aus. Dabei gäbe es hier in der Schweiz so viele gute Locations für Horrorfilme. Daneben hätte es auch viele Sagen und Mythen, die gute Stoffe für Horrorfilme liefern könnten.

Ist im realen Leben ein ganz friedlicher Typ: Philipp Eugster. (Bild: APZ)

Ist im realen Leben ein ganz friedlicher Typ: Philipp Eugster. (Bild: APZ)

Werden wir in Zukunft also mehr Schweizer Horrorfilme zu sehen bekommen? Womöglich mit Ihnen?

Geplant ist noch nichts, aber ich bin jederzeit bereit, in einem weiteren Film von Heiko Muuss mitzuwirken. Für einen Horrorfan wie mich waren die Dreharbeiten zu «Nutshot» ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

Welche weiteren Ziele oder Träume haben Sie?

Ich arbeite hauptberuflich als Koch. Deshalb träume ich von einer eigenen Kochsendung. Vielleicht eine Art Nerd-Cooking-Show, bei dem einige Horrorfreaks zusammen kochen und danach einen Film besprechen.

Sie sind ein netter junger Mann. Woher kommt Ihre Faszination für das Böse?

Das denken Sie (lacht). Nein, Spass beiseite. Ich denke, jeder Mensch hat eine Faszination für das Böse in sich drin. Bei mir hat das schon als Kind angefangen: Ich fand die bösen Actionfiguren immer cooler als die guten. Meistens riss ich ihnen dann den Kopf ab und bemalte sie mit rotem Nagellack. Mittlerweile interessiere ich mich aber nicht nur für Horrorfilme, sondern auch für die wahren Monster der Welt wie zum Beispiel Serienkiller. Nicht weil ich das Böse verherrliche – mehr aus psychologischem Interesse.

Was denken andere über Ihre Horror-Leidenschaft?

Viele denken, ich sei verrückt. Meine Eltern haben auch keine Freude daran. Aber jeder Mensch hat nun mal seine eigenen Interessen und Hobbys. Andere Leute gehen Golfen – ich mache Horrorfilme. Und bin glücklich damit. Hauptsache meine Frau und meine Kinder akzeptieren mein Hobby.

Schauen Sie sich Horrorfilme gemeinsam mit Ihren Kindern an?

Nein, ich würde meinen Töchtern niemals einen Horrorfilm vorsetzen. Sie sind ja auch erst vier und sechs Jahre alt. Zudem scheinen sie sich auch gar nicht dafür zu interessieren. Das ist aber nicht schlimm, denn ich möchte, dass sie sich selbstständig entwickeln. Ganz nach dem Motto: «Leben und leben lassen.»

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