Ein Mix aus Cologna und Northug

Seit Dario Cologna hat nie mehr ein Schweizer Langläufer eine bessere Klassierung an einer Juniorenweltmeisterschaft erreicht als Beda Klee. Der Olympiasieger wurde über 10 km Dritter, der Toggenburger Vierter.

Urs Huwyler
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Beda Klee bringt als Biker ebenso viel Talent mit wie als Langläufer. (Bilder: pd)

Beda Klee bringt als Biker ebenso viel Talent mit wie als Langläufer. (Bilder: pd)

LANGLAUF. Mit den Rängen drei (20 Kilometer Massenstart) und fünf (15 Kilometer klassisch) lief der WM-Vierte Beda Klee aus Wattwil im Continental (COC) von Arber (Deutschland) zwei weitere Spitzenklassierungen heraus. «In den restlichen Rennen möchte ich meinen dritten Rang in der Gesamtwertung verteidigen», sagte der Loipen-Allrounder nach der Junioren-WM. Diesen hat er in Deutschland abgesichert und von hinten droht aktuell keine Gefahr. Vor ihm liegen derzeit zwei Franzosen. Am nächsten Wochenende endet die COC-Serie in Toblach (Italien).

Bis Ende März dauert die Juniorenzeit noch. Dann wird alles auf die Nullposition zurückgestellt. «Juniorenerfolge sind bei der Elite unwichtig, werden kaum zur Kenntnis genommen. Obwohl die Konkurrenz um ein Mehrfaches steigt, bin ich froh, dass nun der Wechsel erfolgt.» Beda Klee ist bereit, in die Fussstapfen seines SC-Speer-Clubkollegen Christoph Eigenmann zu treten. Wobei der Sprint beim 20jährigen Schweizer Hoffnungsträger die schwächste Disziplin bleiben dürfte.

Klee wie Büchel

Nahezu alle Schweizer, die an einer Juniorenweltmeisterschaft eine Top-10-Klassierung erreichten, schafften später den Sprung in den Weltcup. «Das ist mein Ziel. Ob ich es schaffe und wann es der Fall sein könnte? Es gibt keinen Zeitplan. Dank der Resultate steige ich ins B-Kader auf. Dies ist ein wichtiger Schritt», lässt sich der Wahl-Davoser nicht von Träumen leiten. Dank eines Hilfsarbeiterjobs in einer Schreinerei kann er im Bündnerland vor der Haustüre trainieren. «In Wattwil wäre ich mehrheitlich alleine unterwegs. Im Stützpunkt Davos finde ich auch wegen der Schneeverhältnisse optimale Bedingungen vor.» Einiges deutet darauf hin, dass der Angehörige des Micarna-Teams irgendwann gegen Dario Cologna oder den Norweger Pettr Northug laufen wird. Welcher Stil liegt ihm näher? «Die Tempofestigkeit von Cologna, Northugs Wettkampfinstinkt und die Endschnelligkeit, das wäre eine ideale Mischung», findet der ehemalige U18-Europameister.

Seine Karriereplanung erinnert an jene von Leichtathletin Selina Büchel. Beide wurden behutsam aufgebaut, suchten nicht den kurzfristigen Erfolg. Der Trainingsaufwand lässt sich bei Beda Klee weiter steigern. «Das Potenzial sollte ich nicht ausgeschöpft haben. Das stimmt mich, wie die Erfahrungen an der Weltmeisterschaft, zuversichtlich.» Im rumänischen Rasnov war für Beda Klee aufgrund der Resultate klar: «Vier Russen, vier Norweger, zwei Schweden, zwei Finnen, zwei Franzosen und einen Koreaner schätzte ich stärker ein. Einige erzielten bereits im Weltcup beachtliche Resultate, der Koreaner gewann Gold an den Olympischen Spielen für Jugendliche. Dazu kamen Läufer auf gleichem Niveau wie ich. Trotzdem waren die Top 15 oder Top 10 mein Ziel», schaut Klee auf das bisher beste Rennen seiner Karriere zurück. Das C-Kadermitglied gehört nicht zu jenen Sportlern, die sich eine tiefe zweistellige Klassierung ausrechnen, bewusst tiefstapeln, offiziell unter die ersten dreissig kommen möchten und dann Rang 22 als Erfolg feiern. «Die Ziele sollten realistisch sein. 2015 lief ich auf Rang 25, also musste es im letzten Juniorenjahr eine Steigerung sein. Sonst wäre ich stehengeblieben. An Platz vier dachte ich allerdings nie. Mitentscheidend waren die schnellen Ski», gibt er die Blumen weiter. Neben Roger Wachs, dem Chef-Wachser von Swiss Ski, gehörte ein Weltcup-Servicemann der Delegation an.

Langlauf-Familie

Der Werdegang könnte als «typisch schweizerisch» betitelt werden.

Anfangs war er polysportiv unterwegs. Weil die Eltern Cosima und Rolf Klee (Leiter Langlauf SC Speer) langlaufen, versuchte er sich mit wenig Begeisterung auch einmal auf den schmalen Ski, fand die Rutscherei doch nicht so langweilig, bestritt ein erstes Rennen, war sogleich erfolgreich und blieb dem Langlauf wie die jüngere Schwester Adriana (OSSV-Kader) treu. Wären die Eltern intensive Velofreaks, der Sohn besässe heute vielleicht einen Rad-Profivertrag. Das Talent dazu hätte er. Wie auch als Läufer.

Am 4. Juli muss er in die Sportler-Rekrutenschule einrücken. Fünf Wochen später gibt es im Hinblick auf den Winter 2016/17 einen Unterbruch. Der zweite Rekrutenschule-Teil folgt im Frühling 2017. Bis dann hat der Sport-Allrounder die erste Elite-Saison hinter sich. Vielleicht als Weltcup-Starter.

Nächste Saison gehört Langläufer Beda Klee neu dem B-Kader an.

Nächste Saison gehört Langläufer Beda Klee neu dem B-Kader an.