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Ausserrhoder Ständeratskandidat Reto Sonderegger: Ein Mann, der seinen Weg geht

Reto Sonderegger aus Herisau kandidiert für den Ständerat. Alleine, ohne Unterstützung einer Partei, ohne Chancen, mit kaum finanziellen Mitteln. Warum nimmt er den Wahlkampf trotzdem auf sich?
Astrid Zysset
Reto Sonderegger befindet sich mitten im Wahlkampf. Hier oben auf dem Ebnet in Herisau findet er Ruhe in stressigen Tagen. Bild: Astrid Zysset

Reto Sonderegger befindet sich mitten im Wahlkampf. Hier oben auf dem Ebnet in Herisau findet er Ruhe in stressigen Tagen. Bild: Astrid Zysset

Er gilt als «No-Name»-Kandidat, als Unbekannter. Denn ausserhalb Herisaus ist Ständeratskandidat Reto Sonderegger (SVP) politisch bislang nicht in Erscheinung getreten. Trotzdem will er es wagen. Er will Andrea Caroni (FDP)den Sitz im «Stöckli» streitig machen. Auch gegen den Willen seiner Partei, welche Caroni an der vergangenen Delegiertenversammlung die Unterstützung zusicherte. Sonderegger lässt sich davon nicht beirren, geht weiter seinen Weg. Doch wer ist der Mann, der sich alleine in den Wahlkampf stürzt, das Wahlbudget von 900 Franken selbst aufwirft und sich allen Prognosen zum Trotz reelle Chancen auf den Sieg gegen den etablierten Politiker Caroni ausrechnet?

Reto Sonderegger lässt den Blick über das Ebnet in Herisau schweifen, erzählt, dass er sich gerne hier oben aufhalte. Er geniesse die Ruhe, die Abgeschiedenheit. In seinem Leben ist derzeit viel los. Der 43-Jährige arbeitet als Entwicklungsingenieur bei der Metrohm AG, ist im Vorstand der SVP Herisau aktiv, seit vier Jahren zudem Mitglied des Einwohnerrats. Auf seiner Webseite lässt sich entnehmen, dass er heute heiratet. Sonderegger ist Vater eines achtjährigen Jungen, und ein zweites Kind soll just einen Tag nach den Parlamentswahlen zur Welt kommen. Bleibt da noch ausreichend Zeit für einen Wahlkampf? «Ein paar Flyer verteile ich noch. Ansonsten bin ich einfach viel unterwegs. Die Leute können mich gerne ansprechen, wenn sie Fragen zu meiner Person oder zu meinen Positionen habe», so Sonderegger. Ist er denn schon sattelfest in den verschiedenen Dossiers? «Bei Themen, die mich interessieren, bin ich immer auf dem Laufenden. Bei anderen erwerbe ich mir die notwendigen Kenntnisse.» Klingt abgeklärt. Doch Sonderegger führt auch aus, dass für ihn der gesamte Wahlkampf «anstrengend und belastend» sei. «Ich bin froh, wenn alles vorbei ist.» Rückhalt findet er zu Hause. «Meine Frau glaubt, dass es eine sehr gute Idee ist, dass ich mich zur Wahl stelle.»

Ein Sachpolitiker durch und durch

Diese Meinung teilen nicht alle. Sonderegger betont allerdings, dass er nur vereinzelt negative Rückmeldungen zu seiner Kandidatur erhalten habe. Das Gros begrüsse seine Ambitionen. Und auch innerhalb seiner Partei sei die Stimmung gut. «Einzelne haben mir zugesichert, dass sie für mich stimmen werden», freut sich der Herisauer. Eine Missstimmung zwischen ihm und der SVP aufgrund seines Alleingang gebe es nicht, betont er. Man hege viel Verständnis für die jeweils andere Position. «Verbieten können sie mir es ja schliesslich nicht, dass ich mich zur Wahl stelle.»

Sonderegger wirkt zurückhaltend, sein bescheidenes Wesen drückt während des Gesprächs immer mal wieder durch. Seine Wahlchancen umschreibt er vorsichtig mit «möglich». 26 Prozent verwehrten bei den Ständeratswahlen 2015 Caroni ihre Stimme. «Diese könnten theoretisch auf mich fallen. Und wenn ich noch ein paar Zusätzliche überzeugen kann, dann könnte es klappen.» Er lächelt und zuckt mit den Schultern. «Irgendjemand muss es ja probieren. Kann ja nicht sein, dass die SVP den Sitz kampflos der FDP überlässt.»

Über seinen Gegenkandidaten Caroni verliert Sonderegger kein einziges schlechtes Wort, anerkennt gar, dass dieser «eloquent und gut vernetzt ist sowie viel Erfahrung aufweist». Allerdings ist jener Jurist. Und das missfällt Sonderegger. Es gebe schon zu viele Anwälte im Parlament, sagt der 43-Jährige und führt an, dass 20 Prozent im Nationalrat und fast 40 Prozent im Ständerat Juristen seien. Er selbst sehe sich mehr als Mann der Mittelschicht. Er fühle sich darum dem Volk näher als jemand wie Caroni, der zur elitären Oberschicht gehöre.

Sonderegger will sich vor allem gegen den EU-Beitritt und gegen das Rahmenabkommen einsetzen. Die «Bevölkerungsexplosion», wie er sagt, sei ihm ein Dorn im Auge, ebenso die Personenfreizügigkeit. Themen, die auch die SVP propagiert. Sonderegger weicht aber bei einzelnen Positionen vom Parteiprogramm ab. Denn er befürwortet das Pestizidverbot, will sich für ein 5G-Moratorium und strengere Exportbestimmungen für Kriegswaffen einsetzen. «Ich schwimme auch mal gegen den Strom», sagt Sonderegger. Eine ideelle Verbundenheit zur SVP fühlt er nicht allumfassend. Ihm geht es um die Sache. «Ich stimme in vielen Punkten mit dem Parteiprogramm überein. Aber nicht in allen. Und wenn ich eine andere Meinung habe, dann vertrete ich sie auch.»

Seinen Weg in die SVP fand er schon früh. In jungen Jahren war er Mitglied der Jungen SVP. Dieser blieb er bis zum 30. Altersjahr treu. Danach wollte er der Politik den Rücken kehren. 2013 kam es in Herisau jedoch zur Ortsplanungsrevision und Sonderegger sah sich genötigt, ein Referendum gegen dieses anzustreben. 60 Prozent hiessen jenes schliesslich an der Urne gut und schickten die Vorlage bachab. Für Sonderegger ein grosser Erfolg. Er sah sich in seinem Anliegen bestätigt. «Die Ortsplanungsrevision hat es nicht gebraucht. Die war vor allem auf ein Bevölkerungswachstum ausgelegt.»

Er wird aktiv, wenn in seinen Augen etwas falsch läuft. Darum hatte er sich auch zur Ständeratskandidatur entschlossen. Caroni wollte er nicht kampflos den Sitz überlassen, zumal die FDP anschliessend das EU-Rahmenabkommen befürworten werde. «Ich bin kein typischer Politiker. Mir geht es wirklich nur um die Sache, und nicht um meine Person», so Sonderegger. Prestige und Rampenlicht sind ihm nicht geheuer. Mehr noch: Sonderegger führt aus, dass er sich im Fokus des medialen Interesses wohl nie ganz wohlfühlen werde. «Aber hoffentlich irgendwann entspannter», fügt er an und lächelt.

Die Wahl im Kreisssaal mitverfolgen?

Eins stellt Sonderegger klar: Seine Parlamentskandidatur werde ein einmaliger Versuch bleiben. «Jetzt oder nie», sagt er. In rund vier Wochen fällt der Entscheid. Die Wahl selbst werde er wohl im Wahlstübli im Regierungsgebäude mitverfolgen. «Vielleicht aber auch im Spital – wenn sich unser Kind entschliessen sollte, einen Tag früher auf die Welt zu kommen als geplant.»

Hinweis

Reto Sonderegger hat seine gesamte politische Position auf staenderat.wordpress.com aufgeschaltet. Die Parlamentswahlen finden am 20. Oktober statt.

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