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Ein Leben zwischen Buchdeckeln

In seinen Jugendjahren erlebte Heinz Carboni als Rekrut den Weltkrieg, mit 67 besuchte er einen Spanischkurs in Guatemala. Heute, mit fast 90, sitzt er stundenlang vor seinem PC und schreibt an seinen autobiographischen Büchern.
Chris Gilb
Heinz Carboni blättert in seinem ersten Buch «Tempi passati», das seine Jugendjahre im Zweiten Weltkrieg beschreibt. (Bild: cg)

Heinz Carboni blättert in seinem ersten Buch «Tempi passati», das seine Jugendjahre im Zweiten Weltkrieg beschreibt. (Bild: cg)

HERISAU Die Geschichte des Autobiographen Heinz Carboni-Frehner begann um die Jahrtausendwende. Die Generation von Historikern aus der 68er-Bewegung, wie er sie nennt, hätte damals begonnen, die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg umzudeuten. Heinz Carboni, Jahrgang 1926, sei nicht ganz einverstanden gewesen mit dem neuen Bild der Schweiz, das diese zu errichten versucht hätten. «Vieles, was geschah, muss im Kontext betrachtet werden. Etwa dass die Schweiz von feindlichen Ländern und Krieg umgeben war. Es darf nicht einfach herausgepickt und isoliert analysiert werden», sagt Carboni. Also setzte sich der Rentner hinter seinen Computer. Computer waren immer seines, früher, als er als Verlagsleiter und zeitweise als Journalist arbeitete, hätte er einen der ersten Laptops gehabt. «Ich konnte auf dem Gerät genau vier A4-Seiten Text speichern, mehr nicht.» Er schrieb also sein erstes Buch über seine Jugend im Glarnerland und seine Zeit als Rekrut in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. «Eigentlich schrieb ich weniger für die Gesellschaft, als vielmehr für meine Kinder und Enkelkinder.» Er liess das Buch über einen Verlag in Norddeutschland, der bei Eigenpublikationen hilft, drucken. «Gerade im Glarnerland fand es einige Abnehmer.» Menschen aus seiner Jugendzeit hätten sich darauf bei ihm gemeldet.

Halbes Ei pro Monat

Carboni fand Freude am autobiographischen Schreiben. Mit dem Material dieses Buches und anderen Notizen zu seinem Leben beteiligte er sich dann am Projekt meet-my-life. net. Anhand von möglichst vielen selbstverfassten Biographien, will die geschichtliche Fakultät der Universität Zürich Erkenntnisse über die Lebensform vergangener Generationen gewinnen. «Aufgrund der Rationierung erhielten wir in der Weltkriegszeit lediglich einmal im Monat ein halbes Ei pro Person. Es ist wichtig, dass sich heutige Generationen solcher Unterschiede bewusst sind», sagt der Herisauer. Carboni lud 120 Seiten über sich in diese Online-Datenbank. «Mein Gedächtnis funktioniert gut, ich kann mich an fast alles detailliert erinnern», sagt Carboni. Und so begann er, auch andere Etappen seines Lebens in Büchern zu verarbeiten. Etwa die vielen Monate in Zentralamerika. «Ich reiste immer viel, ich glaube, dies hat auch mit dem Krieg zu tun. Wir waren so viele Jahre eingeschlossen, danach wollten wir einfach raus», sagt Carboni. Seine grössten Reisen unternahm er aber nicht in Jugendjahren, sondern direkt nach seiner Pensionierung. «Die erste grosse Reise führte mich in die USA, eine Woche nach der Pensionierung waren wir dort.» Er meint sich und seine Frau, mit der er seit 65 Jahren verheiratet ist. In den USA reiste Carboni zu den Schauplätzen des Amerikanischen Bürgerkriegs. Mehrere Monate war er als nächstes in Zentralamerika unterwegs, doch nicht in Begleitung seiner Frau, sondern alleine. «Die sehr einfache Art, wie ich dort reisen wollte, war nicht ihr Fall, also sagte sie, geh nur und erlebe etwas.»

Mojito-Rezept im Buch

Also packte Carboni seinen Tramperrucksack und reiste durch Kuba, Mexiko und Guatemala. «Mit 67 besuchte ich in Guatemala meinen ersten Spanischkurs.» Dort hätte er nicht etwa in Hotels gelebt, sondern bei einer Familie. «Ich wollte das Leben der Menschen kennenlernen.» Aus seinen Reisen durch Zentralamerika entstand das Buch mit dem aussagekräftigen Titel «Mojito, Tortillas und Mescal». Das erste und letzte Wort, sind Bezeichnungen für berühmte Getränke aus diesem Teil der Erde. Das Rezept, um Mojito zu mixen, findet sich genauso im Buch wie etliche Fotos seiner Abenteuer. «Ich schätzte dort den Kontrast zur Schweiz und die grosse Lebensfreude, die eben in unseren Breiten oft fehlt. Bei solchen Reisen stellt man fest, dass die Schweiz nicht der Mittelpunkt der Welt ist.» Doch auch extreme Erfahrungen verbindet Carboni mit seinen Reisen. Ein Vater habe ihm einmal seine Tochter verkaufen wollen. Carboni schreibt nun immer weiter, aus dem umfassenden Buch der Zentralamerika-Reise etwa hat er ein weiteres kleines Buch erstellt, das sich noch spezifischer mit seiner Zeit in Guatemala auseinandersetzt. Auch seine Erlebnisse während der Kriegsjahre verarbeitet er fortlaufend mit verschiedenen Schwerpunkten. «Hartes Brot» heisst deshalb ein weiteres Buch des Herisauers.

Augen machen Schwierigkeiten

Die Reaktionen auf seine Arbeiten hätten sich bisher in Grenzen gehalten. «Einmal kam eine Schulklasse vorbei, um mir Fragen zur Kriegszeit zu stellen.» Um seine Bücher nicht aufwendig vordrucken zu müssen, ist seine neuste Idee, sie auf einer CD als PDF zu verkaufen. «Natürlich wäre mein Wunsch, dass eines der Bücher vor meinem Tod noch breite Aufmerksamkeit erhält.» Carboni wird bald 90. Seine Augen bereiten ihm Schwierigkeiten. Noch lebt er mit seiner Frau selbständig zu Hause. Sie würden von Tag zu Tag leben, denn in seinem Alter könne es plötzlich enden.

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