Ein Leben im Eselparadies

GÄHWIL. Seit bald einem Jahr leben Nigel Carey und Willi Steffen mit vielen Tieren auf einem Bauernhof in Gähwil. Sie nennen diesen liebevoll das «Eselparadies». Aber nicht nur Grautiere haben hier eine Heimat gefunden.

Beatrice Bollhalder
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Beim Anblick des Bauernhofes im Schöchli wird dem Betrachter klar, dass hier tierliebende Menschen wohnen. Schafe, Enten, Katzen und Hunde leben friedlich nebeneinander. Auch ein Teich ist angelegt worden. Im Gehege sind einige Esel – braune, graue und auch ein weisser. Wer sich diesem nähert, kommt ins Staunen, denn es werden immer mehr. Die Tiere haben die Möglichkeit, sich frei zu bewegen – bei günstigem Wetter steht ihnen ausserdem eine weitläufige Wiese zur Verfügung. Ihre Neugierde treibt sie ins Freie, sobald sie etwas hören. Dass eine spezielle Bank darauf hinweist, dass dieser Platz ein Eselparadies ist, ist eigentlich überflüssig.

Eine Heimat gefunden

Einige der vierzehn Esel würden heute wohl nicht mehr leben, gäbe es nicht die beiden tierliebenden Männer Willi Steffen und Nigel Carey. Es war für die beiden eine Herzensangelegenheit, helfend einzugreifen, als vor ein paar Monaten ein Esel in Bern in die Metzgerei gebracht werden sollte. Im Tessin würden Eselhaltern Subventionen zugesprochen, ist ausserdem zu erfahren. Viele Grautiere würden dort aber nicht artgerecht gehalten und diese täten ihm leid, erklärt Carey. Nun können aber keine weiteren Tiere mehr aufgenommen werden.

Der Engländer, der seit seinem 18. Lebensjahr in der Schweiz wohnt und im Gastgewerbe tätig war, ist froh um die Tiere. Auch wenn er sich nicht selbständig um sie kümmern kann, da er an einer seltenen Krankheit leidet. Trotz zahlreicher Operationen sei es ihm an vielen Tagen schlicht nicht möglich, die volle Verantwortung für die Tiere zu übernehmen, sagt er. Sein Partner, Willi Steffen, steht morgens schon um fünf Uhr – noch vor seiner Fahrt zur Arbeit in Zürich – im Stall und füttert die Tiere. «Ohne Willi ginge das nicht», windet Carey seinem Partner für dessen Einsatz für ihn und die Tiere ein Kränzchen. «Ich habe hier das ideale Plätzchen gefunden», hält er fest. Richtig glücklich mache ihn vor allem, dass sie beide in Gähwil so gut aufgenommen worden seien. Nachbarskinder kämen vorbei, um im Stall mitzuhelfen, und einmal, als es ihm schlecht ging, habe sogar sein Hausarzt beim Ausmisten im Stall geholfen, erzählt Carey.

Kontakt zu Tieren fördern

Nigel Carey freut es, wenn Eltern mit Kindern vorbeikommen, damit diese Kontakt zu Tieren aufnehmen können. Da er aus Erfahrung weiss, wie viel Tiere einem Menschen geben können, ermuntert er Eltern und Betreuer von behinderten Kindern zu einem Besuch im Eselparadies. Finanzielle Interessen verfolgen die beiden nicht. Damit sie den Unterhalt für die Tiere bestreiten können, verzichten sie auf Ferien in der Ferne. Aber sie sind ja ohnehin bereits im Paradies.

www.eselparadies.ch