Ein Leben auf Hochtouren

Ständeratskandidat Andrea Caroni ist glücklich über einen vollen Terminplan. Die Tage des 35-Jährigen sind lang, seine Nächte kurz. Dennoch sucht er stets den Trubel und meidet die Ruhe. Einzig in den Ferien schaltet er ab.

Stephanie Sonderegger
Merken
Drucken
Teilen
«In den Ferien geniesse ich das Nichtstun. Da verlasse ich manchmal nicht einmal die Hotelanlage», sagt der Vorderländer. (Bild: Stephanie Sonderegger)

«In den Ferien geniesse ich das Nichtstun. Da verlasse ich manchmal nicht einmal die Hotelanlage», sagt der Vorderländer. (Bild: Stephanie Sonderegger)

HERISAU. Das Hemd sitzt ebenso perfekt wie sein Lachen. Andrea Caroni setzt sich an einen der Tische im Rosengarten in Herisau. «Das ist der zauberhafteste Ort in Herisau», sagt er in gewohnt positiver Manier. Andrea Caroni ist ein Profi, wenn es um Gespräche in der Öffentlichkeit geht. Seine Worte sind bewusst gewählt, die Sätze gekonnt präzise formuliert. Er weiss, mit der Sprache umzugehen, und kennt die Wirkung seiner Person. Eine Rolle, die der 35-Jährige nicht nur beherrscht, sondern auch lebt. Doch was steckt hinter dem stets strahlenden Nationalrat? Wie kommt er nach einem langen Tag voller Termine zur Ruhe? Und gibt es auch einen müden, erschöpften Andrea Caroni?

SMS an Roger Federer

Gefragt nach seinen Freizeitbeschäftigungen erzählt er mit Enthusiasmus von seiner Leidenschaft zum Tennisspielen und zu Roger Federer. «Ich bin ein grosser Fan von ihm», sagt er. Stan Wawrinka habe er bereits eine Führung durchs Bundeshaus geben dürfen, nicht aber Roger Federer. Immerhin kam ihm als Assistent von alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz aufgrund einer Gratulation dessen Handynummer in die Finger. «Einmal konnte ich nicht widerstehen und habe ihm eine SMS geschickt. Geantwortet hat er leider nicht», sagt Andrea Caroni.

An seinem Traum, einmal mit dem Tennisstar ein paar Bälle zu schlagen, hält der Politiker weiterhin fest. Ebenso an seinem grossen Hobby, der Musik. Die Bundeshaus-Band liege ihm am Herzen, da «die Vertreter verschiedener Parteien miteinander musizieren». Zudem erzählt er, dass er während der Kantonsschulzeit kurzzeitig überlegt habe, professioneller Schlagzeuger zu werden. Er entschied sich dagegen. «Als Musiklehrer wäre ich völlig ungeeignet, und die Chance war zu klein, Konzert-Schlagzeuger zu werden.»

Lange Tage, kurze Nächte

Ein Entscheid mit positiven Folgen: Die Karriere des 35jährige Ständeratskandidat verlief bislang mehr als vernünftig. Fast schon unheimlich liest sich sein von Erfolgen gekürter Werdegang auf seiner Webseite. «Ich konnte Beruf, Ort und Leute immer auf höchstem Glückslevel verbinden», so der Ständeratskandidat.

Der gebürtige Vorderländer ist ein vielbeschäftigter Mann. Er ist Familienvater, arbeitet in einer Rechtsanwaltskanzlei, unterrichtet gelegentlich an der Universität in St. Gallen und geht als Nationalrat zahlreichen Verpflichtungen nach. Er arbeitet von morgens bis abends in der Kanzlei, erledigt anschliessend Pressetermine oder besucht Sitzungen, kommt um 22 Uhr nach Hause, schreibt dort Aufsätze und liest sich in unterschiedliche Themen ein, bevor er gegen Mitternacht Feierabend macht. «Ich schalte einfach blockweise in den Ferien ab, sonst aber laufe ich auf Hochtouren», sagt Andrea Caroni. Manchmal gebe es natürlich Tage, die anstrengend seien: «Wenn ich in einer Sessionswoche auch noch für zu viele Reden zugesagt habe, dann freue ich mich schon mal auf einen ruhigeren Moment.» Zu einer wirklichen Belastung werde es für ihn aber selten.

Nur in den Ferien entspannen

Sich über ein strenges Pensum zu beklagen, ist nicht Caronis Art – im Gegenteil. «Ich habe das grosse Glück, dass ich meiner Leidenschaft nachgehen und dabei sogar meine Zeit selber einteilen kann», sagt der Nationalrat, dessen Redeschwall teilweise schwer zu stoppen ist. Im Sommer und Winter sei weniger zu tun, somit könne er in die Ferien fahren und ausspannen. «Dort geniesse ich dann das Nichtstun.»

Untätigkeit, die beim Ausserrhoder Politiker kaum vorstellbar ist. «Ausserhalb der Ferien suche ich die ruhigen Momente nicht», sagt er. «Sobald irgendwo nichts läuft, überlege ich, wen ich anrufen oder treffen könnte.» Aber auch für Andrea Caroni endet der Tag irgendwann – nach einer Folge der TV-Serie «House of Cards» findet er für ein paar Stunde Ruhe.