Ein Kuss in einer Wahnsinnsnacht

Die «Wahnsinnsnächte 2015» halten ein abwechslungsreiches Kulturprogramm voller Denkanstösse zur psychischen Gesundheit und psychischen Erkrankungen bereit. In Appenzell wird am Donnerstag das Schauspiel «Ein Kuss» gezeigt.

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Schauspieler Marco Michel bringt im Schauspiel «Ein Kuss» des Autors und Regisseurs Mario Perrotta das Schicksal des Künstlers Antonio Ligabue auf die Bühne. (Bild: pd)

Schauspieler Marco Michel bringt im Schauspiel «Ein Kuss» des Autors und Regisseurs Mario Perrotta das Schicksal des Künstlers Antonio Ligabue auf die Bühne. (Bild: pd)

APPENZELL. Rund 40 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an einer psychischen Erkrankung. Hinzu kommen die Angehörigen, womit praktisch jeder mittelbar betroffen ist. Psychisch belastete Personen leiden zudem vermehrt an körperlichen Erkrankungen. Trotzdem ist die Erkrankung der Seele, anders als körperliche Gebrechen, mit einem Tabu behaftet. Kaum jemand möchte offen darüber sprechen und die Angst vor einer Stigmatisierung ist gross. Dabei macht gerade die Erkenntnis, dass es sich bei psychischen Erkrankungen, wie Depressionen oder Burn-out, nicht um Einzelfälle handelt, deutlich, dass diese aus der Ecke des Schattenthemas herausgeholt werden müssen.

Kultur und Information

Dieses Ziel wird mit den «Wahnsinnsnächten» verfolgt. Das zum elften Mal veranstaltete Kulturfestival, das ursprünglich nur in Liechtenstein stattfand, hält seit einigen Jahren wegen der grossen Nachfrage auch Veranstaltungen in den Kantonen St. Gallen und den beiden Appenzell bereit. In enger Zusammenarbeit mit dem Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit warten wiederum zahlreiche Anlässe auf das Publikum. Dabei gehen kulturelle Leckerbissen Hand in Hand mit Informationen zur eben nicht immer stabilen Gesundheit der Seele.

«Ein Kuss» auf der Bühne

In Appenzell wird am 29. Oktober um 20 Uhr im Gymnasium St. Antonius das Bühnenstück «Ein Kuss» gezeigt. Schauspieler Marco Michel bringt das Schicksal des Künstlers Antonio Ligabue auf die Bühne, der schon in jungen Jahren unter anderen auch in der psychiatrischen Anstalt St. Pirminsberg eingewiesen wurde. 2015 wiederholt sich der Todestag des bedeutenden Art- brut-Künstlers zum 50. Mal. Eingestimmt auf das Stück wird das Publikum von einem Beitrag über das Leben von Antonio Ligabue in der Ostschweiz von Renato Martinoni, ordentlicher Professor für italienische Sprache und Literatur an der Universität St. Gallen und Präsident der Schweizerischen Dante-Alighieri-Gesellschaft, Comitato di San Gallo: «Leben und Sinneswahrnehmungen eines irren Künstlers», vorgetragen von Sandra Biasotto, Kantonsschule Trogen.

Aufmerksam machen

Mit diesen und weiteren Veranstaltungen wird das facettenreiche Thema der psychischen Erkrankung beleuchtet. Ebenso werden Denkanstösse gegeben und informiert. Denn eine psychische Krise ist kein persönliches Versagen oder eine Schwäche, sondern kann jeden treffen, erklärt Jürg Engler von der Fachstelle Psychische Gesundheit des Kantons St. Gallen und Vertreter des Kantons im Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit. Engler macht ebenso klar: «Psychische Erkrankungen können sich unterschiedlich äussern und sind in der Regel gut behandelbar. Generell gilt: Je früher man eine Erkrankung erkennt und angeht, umso besser sind die Heilungschancen.» Umso wichtiger sei, dass dieses schwierige Thema wahrgenommen werde, so Engler: «Mit den Veranstaltungen im Rahmen der <Wahnsinnsnächte> soll auf Menschen mit psychischen Erkrankungen aufmerksam gemacht werden.» (pd)